Gemeinde Breitenbach am Herzberg schickt Mitarbeiter mit der Wünschelrute

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Da staunte Tino Liebau, der seinen Wohnwagen auf dem Campingplatz in Breitenbach am Herzberg dauerhaft stehen hat, nicht schlecht: Die Gemeinde geht auf die Suche nach Wasserleitung, Kanal und Stromkabel mit der Wünschelrute.

Vor drei Monaten kaufte Liebau den Wohnwagen mit angebauter Hütte. Obwohl die meisten Plätze über einen Wasser- und Abwasseranschluss verfügen, fehlte dies in seiner Hütte. „Ich habe die Gemeinde Breitenbach gefragt, ob ich meinen Stellplatz an die Wasserversorgung anschließen kann. Dafür ist es natürlich wichtig zu wissen, wo Wasser und Kanal liegt“, so Liebau.

Mit der Wünschelroute Leitungen aufgespürt

Karten, in denen die Versorgungsleitungen eingezeichnet sind, waren nicht verfügbar. Holger Noll, Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und verantwortlich für den Campingplatz, wusste eine unkonventionelle Lösung bei der Suche nach den verborgenen Leitungen, an die sich nach etwa 30 Jahren keiner mehr erinnern konnte. „Für solche Fälle kann unser Kollege Bornschier weiterhelfen“, so Noll. Also machte sich Wilfried Bornschier, Vorarbeiter des Breitenbacher Bauhofs, mit seinen Wünschelruten auf den Weg zum Campingplatz, um das Gesuchte aufzuspüren.

Zwei einfache Schweißdrähte hat sich Bornschier rechtwinklig gebogen. Er hält sie mit beiden Händen nach vorne gerichtet vor seine Brust und wartet auf ein Auseinanderdriften der Enden bei Erreichen einer Störung durch eine Wasserader, eine Wasserleitung, einen Kanal oder einem Stromkabel. Langsam geht er voran, und schon bewegen sich die Enden der Schweißdrähte: „Hier liegt der Kanal“, erklärt er Liebau. Dieser markiert die Stelle im Boden mit einem Nagel. Zum Test balanciert Bornschier eine Spitzhacke, den Holzgriff waagerecht nach vorne ausgerichtet. An der mit Nägeln markierten Stelle bewegt sich der Stiel zur Seite weg. Nun versucht Liebau das gleiche. Auch hier klappt der Griff zur Seite weg. Liebau ist überzeugt: Hier muss der Kanal liegen.

Regelmäßiger Einsatz im Dienste der Gemeinde

 Seit fast 30 Jahren arbeitet Bornschier als Angestellter der Gemeinde Breitenbach. Irgendwann habe er etwas über Wünschelruten gelesen. Daraufhin habe er sich vor vielen Jahren die Schweißdrähte zurechtgebogen und die Suche nach Störungen im Boden einfach einmal ausprobiert. „Ich habe keine Ahnung, wie das genau funktioniert. Aber ich habe schon so manches Kabel gefunden, was wir deshalb nicht kaputt gemacht haben“, so Bornschier selbstbewusst. Bei diesen Einsätzen gehe er vor dem Bagger her und zeige an, wo Wasserleitungen und Kabel verbaut seien. Er erinnert sich: „Als in Hatterode die Straße gemacht wurde, habe ich die Leitungen angezeichnet, wie es mir durch die Rute angezeigt wurde. Kurz danach kam Eon und hat seine Markierungen gemacht. Diese waren nur fünf Zentimeter neben meinen Strichen.“

Kleinen Wasserrohrbuch bei Gehau gefunden

Etwas schwieriger gestalte sich die Suche nach einem Wasserrohrbruch. Ein kleines Leck wurde vor einiger Zeit in Gehau Richtung Hochbehälter vermutet. Bornschier erklärt: „Ich bin die Leitung einmal von unten und einmal von oben langegangen. Genau an der gleichen Stelle schlug die Rute aus. Unmittelbar an dieser Stelle wo ich angezeichnet habe, haben wir dann die undichte Stelle gefunden.“

Ein Problem bei der Suche seien die unterirdischen Wasseradern. Dann könnte es passieren, dass er auch mal nicht richtig liege mit seiner Vermutung. Sei diese Stelle beispielsweise auf einem Acker, sei das unproblematisch. Bei asphaltierten Straßen lasse er auch jemanden kommen, der über Schallwellen und mit einer Horchglocke Kanäle aufspüre. Auf die Frage, ob es für seinen Einsatz eine Gehaltserhöhung gegeben habe, lacht er: „Nein, das ist ja auch nicht nötig. Aber meine Kollegen schätzen meinen Einsatz.“

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