Landtagsabgeordneter Michael Ruhl und sein Vorgänger Kurt Wiegel im Gespräch

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Kurt Wiegel und Michael Ruhl (Dritter und Vierter von links) nehmen sich Zeit, um mit Alsfeld Aktuell über die Themen der Region zu sprechen.

Auf Einladung von Alsfeld Aktuell kamen Ruhl und dessen Vorgänger Kurt Wiegel zum Gespräch, um über Ziele, die politische Wahrnehmung des Vogelsberges und die Straßenausbaubeiträge zu diskutieren.

Vogelsberg - Die Zukunft des Vogelsberg steht und fällt mit dem Ausbau des Breitbandnetzes. Diese Meinung vertritt Michael Ruhl (CDU), der seit gut einem Monat den Kreis als Landtagsabgeordneter in Wiesbaden vertritt.

Die Christdemokraten Ruhl und Wiegel sind seit langem politische Weggefährten. Bilder aus dem Jahr 2003 zeigen Wiegel im Wahlkampf vor der Landtagswahl – gemeinsam mit einem damals 18 Jahre alten Michael Ruhl. Der Wahlkampf hatte Erfolg: Wiegel war anschließend bis auf eine kurze Unterbrechung in 2008 und 2009 Landtagsabgeordneter des Vogelsbergkreises – insgesamt also 15 Jahre. Im vergangenen Jahr tauschten Ruhl und Wiegel die Rollen: „Kurt war mein bester Wahlkämpfer. Ich weiß nicht, ob ich ohne ihn jetzt in Wiesbaden sitzen würde“, sagt Ruhl, mit 35 Jahren der jüngste Abgeordnete im Landtag.

Von links: Helge Braun, Michael Ruhl, Dr. Jens Mischak und Kurt Wiegel im Jahr 2003.

Auf die Frage, wie der Vogelsberg im politischen Wiesbaden wahrgenommen werde, sagt Ruhl: „Die Probleme im ländlichen Raum finden immer mehr Gehör. Das hängt auch damit zusammen, dass Ballungsräume immer größer werden.“ Zudem dürfe man nicht vergessen, dass sie auf Ressourcen aus den ländlichen Regionen wie den Vogelsberg angewiesen seien. Das betreffe vor allem das Grundwasser. „Im vergangenen Jahr mit der anhaltenden Trockenheit wurden uns die Auswirkungen des Klimawandels richtig bewusst. Dürre-Perioden werden länger, Starkregen-Ereignisse häufiger und es fällt weniger Schnee, der die Wasserspeicher auffüllen könnte“, sagt Wiegel, der sich in der Schutzgemeinschaft Vogelsberg engagiert. Es könne nicht sein, dass in Ulrichstein das Wasser in Tankwagen angekarrt werden müsse und Frankfurter ihre Bäume mit Wasser aus der Leitung versorge. Darin sind sich beide einig. Deshalb fordert Ruhl: „Es darf nicht mehr Wasser nach Rhein-Main geliefert werden, als vorhanden ist. Das Rhein-Main Gebiet, das keine wasserarme Region ist, muss seine Quellen besser anzapfen. Und die Gebührenzahler sollten nicht die Vogelsberger alleine, sondern ebenso die Frankfurter Abnehmer sein.“

Das wichtigste Ziel für den Vogelsberg sieht Ruhl jedoch im Ausbau des Breitband- und Mobilfunknetzes. Es gebe noch immer Funklöcher im Kreis, einige Orte seien regelrecht abgeschnitten. Das geht teilweise so weit: „Es gibt Bürger, die mit einem USB-Stick zur Arbeit gehen und dort ihre E-Mails runterladen müssen“, nennt Ruhl als Beispiel. Um in Zukunft nicht abgehängt zu werden, müsse sich das ändern – auch im Hinblick auf den Zuzug von Unternehmen und junger Familien. „Familien fragen nach der nächsten Schule, dem nächsten Kindergarten und dem Internet.“ Auch das Home-Office werde in Zukunft an Bedeutung zulegen. Da brauche es flächendeckend schnelles Internet. Der Glasfaserausbau müsse deshalb dringend abgeschlossen werden. Eine Lösung für den besseren Empfang des Mobilfunknetzes wäre beispielsweise lokales Roaming. Das bedeute, dass die Mobilfunkbetreiber dazu gezwungen werden sollten, die Netze füreinander zu öffnen. Wiegel betonte, dass eine lückenlose Netzabdeckung auch in der Landwirtschaft ein Thema sei. Denn für die Bewirtschaftung der Felder sei die GPS-Steuerung immer wichtiger. Sei es bei der präzisionsgenauen Düngung oder der Aussaat mit Berücksichtigung der jeweiligen Bodenbeschaffenheit. Dadurch könne der Landwirt Zeit und Kosten einsparen sowie die Umwelt schonen mit passgenauer Düngung.

Ein heikles Thema sind seit geraumer Zeit die Straßenausbaubeiträge. Ein Thema, zu dem Ruhl eine klare Meinung vertritt: „Der Straßenausbau sollte weiterhin in der Hand der Kommunen liegen.“ Die Erklärung: „Das Geld für den Straßenausbau muss irgendwo herkommen. Wenn das Geld vom Land und somit den Steuerzahlern kommt, bestimmt das Land, welche Straßen saniert werden.“ Ruhl befürchte, dass die Straßen im Vogelsberg dann vergessen werden könnten. Er wisse, dass hohe Einzelbeträge ein Problem seien und erinnert daran, dass Kommunen in speziellen Einzelfällen von den Satzungen abweichen können.

Die größten Probleme im ländlichen Vogelsberg sieht Ruhl in der demografischen Entwicklung. Heute würden zwar wieder mehr Menschen in den Kreis einwandern. Trotzdem sterben derzeit immer noch mehr Menschen als neue geboren werden. Diese Entwicklung betreffe in dem Flächenlandkreis wie den Vogelsberg die Kosten für Wasser, Kanal, die flächendeckende Abdeckung durch die Feuerwehr oder auch Gebühren für die Kläranlagen. Dagegen seien die Kosten im Ballungszentrum wie Frankfurt deutlich geringer.

Worauf der Vogelsberg stolz sein könne, seien die innovativen Firmen, so Ruhl. Wiegel sagt dazu: „Mein Credo war immer: Wir haben mehr innovative Firmen, als uns bewusst ist. Es sind kleine Firmen, die auf ihren Gebieten weltweit mit führend sind.“ Beide sind sich einig: In Wiesbaden braucht sich der Vogelsberg nicht zu verstecken – im Gegenteil: „Ohne uns würde Rhein-Main still stehen.“

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