Letzter Ausweg Brandstiftung: Ein Jahr und neun Monate auf Bewährung

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Am 22. August verteilte ein 65-jähriger Mann Brandmittel und -beschleuniger in seiner Wohnung und setzte sie in Brand. Nicht nur die Wohnung, sondern damit auch das gesamte Haus, welches seine Eltern erbaut hatten und in das er mit ihnen 1976 einzog, brannte ab.

Dafür stand der Vogelsberger diese Woche vor dem Alsfelder Amtsgericht. „Ja, ich habe den Brand gelegt”, gab der Angeklagte gleich zu Beginn der Verhandlung zu. Ihm sei es allerdings nicht um das Haus gegangen, sondern lediglich „um sein Hab und Gut”, das er loswerden wollte. Eine Lüge, wie sich im Verlauf der Verhandlung noch herausstellen sollte.

Aufgrund seiner Erkrankung habe er es nicht geschafft, sein Mobiliar anderweitig zu räumen. Seit Anfang der 90er Jahre leidet der Mann unter Morbus Crohn, einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung. So habe er keine andere Lösung mehr gesehen, „eine Flasche 76er Riesling geöffnet” und die Wohnung in Brand gesetzt – völlig gleichgültig, ob das Haus dabei zerstört werde.

Richterin Knöß kaufte ihm die Geschichte nicht ab – wurde das Haus doch just zwangsversteigert, wogegen der Angeklagte seit 2003 kämpfte. Am Tag nach dem Brand sollte die Immobilie geräumt werden. Dazu kam es nicht. Weil der 65-Jährige es nicht zuließ, das Haus, das seine Eltern erbaut hatten, einem anderen zu überlassen. Er wählte in seinen Augen den letzten Ausweg und zündete es an. Der Sachschaden wird auf mindestens 100.000 Euro geschätzt. „Wenn ich es nicht bekomme, soll es auch kein anderer bekommen”, erkannte die Richterin das Motiv.

Nach langem Ringen und zwei Sitzungsunterbrechungen gestand der Angeklagte in vollem Umfang. Die Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten wurde auf Bewährung ausgesetzt. Zudem wurden dem Mann 50 gemeinnützige Arbeitsstunden auferlegt. Die Verteidigung plädierte zunächst auf einen minderschweren Fall der Brandstiftung – unter anderem aufgrund der Notlage des Angeklagten, seiner Krankheit und seines Alters sowie des vollen Geständnisses. Dem wurde vom Schöffengericht rund um Richterin Knöß nicht stattgegeben, zu schwer wiege die Motivation und der Vorsatz der Tat des Angeklagten, so die Richterin. Die Strafe auf Bewährung entspreche nun der Schuld und Tat, auch weil der Angeklagte eine positive Sozialprognose vorweise – er möchte nun nach einer neuen Bleibe suchen und wieder arbeiten.

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