Wer macht das Rennen in Kirtorf: Karsten Jost und Andreas Fey möchten Bürgermeister werden

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Andreas Fey (links) geht als parteiunabhängiger Kandidat ins Rennen um das Bürgermeisteramt in Kirtorf. Karsten Jost ist der Kandidat der FWG/CDU-Fraktion.

Am Sonntag, 9. Dezember, wählen die Kirtorfer einen neuen Bürgermeister. Das hat Seltenheitswert, denn mit Ulrich Künz legt Deutschlands dienstältester Rathauschef sein Amt nieder. Zur Wahl stehen Karsten Jost der FWG/CDU-Fraktion und der parteiunabhängige Andreas Fey. Wir stellen sie Ihnen vor.

Karsten Jost: Der, der das Handwerk kann

Karsten Jost tritt bei der Bürgermeisterwahl als Kandidat der FWG/CDU-Fraktion an.Durch seine langjährige Tätigkeit in der Kommunalpolitik und seinen Berufs bei den Stadtwerken Praunheim, bringe er das Handwerkszeug mit.

„Ich nehme einen Kaffee. Schwarz.“ Bei Karsten Jost geht es um das Wesentliche. Milch oder Zucker braucht es nicht. Der Bürgermeisterkandidat der FWG/CDU-Fraktion ist von Alsfeld Aktuell auf ein Gespräch und natürlich einen Kaffee eingeladen. „Heimat“ ist ein Kernthema für Jost – ein Gefühl, das er nur in Kirtorf erlebt. Das verwundert nicht, wurde er doch vor 46 Jahren in Kirtorf geboren und hat seitdem bis auf kurze Unterbrechungen immer dort gelebt. „Heimat-Tradition-Zukunft“ – so lautet deshalb sein Wahlslogan. Bedeutet: „Ich möchte gute Lebensbedingungen für alle Generationen in Kirtorf herstellen und für gute Voraussetzungen für die kommenden Generationen sorgen“, sagt Jost.

Der Bürgermeister als Motor einer Ideenwerkstatt

Es sei eine spannende dynamische Zeit, in der man schritthalten müsse. Gemeint sei vor allem der digitale Fortschritt. Schnelles Internet ist Grundvoraussetzung dafür. Es sei vieles angestoßen worden – etwa die neue Kirtorfer Mitte. Aber: „Es stehen viele weitere wichtige Entscheidungen an. Die Voraussetzungen sind gut, um die vorhandenen Ideen in Zukunft umzusetzen“, sagt Jost. Den Bürgermeister sieht er dabei als Motor der Ideenwerkstatt. Einen Vorteil sehe er in seiner jahrelangen Erfahrung in der Kommunalpolitik, in der er seit 2006 als Stadtverordneter und als Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses tätig ist. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit lag in den vergangenen Jahren im Projekt „Kirtorfer Höfe“. Hauptberuflich ist Jost seit 2009 Betriebsleiter der Stadtwerke Raunheim. „Ich habe es täglich mit städtischen Finanzen, Wasser- und Abwassergebühren, dem Ausbau der öffentlichen Infrastruktur, Bauhöfen und vieles mehr zu tun. Das ist auch das Handwerk eines Bürgermeisters. Das beherrsche ich“, sagt der gelernte Diplomkaufmann, der in Raunheim bereits ein Glasfasernetz ausbaute.

Kirtorf ist seine Heimat, lieber pendelt er täglich

Nachholbedarf sieht Jost insbsondere bei dem Thema Mobilität. „Die Arbeitsplätze müssen besser erreichbar sein. Ich kenne viele, die aufgrund ihres Berufes weggezogen sind“, sagt Jost, der deshalb auch die Fernverbindungen etwa in das Rhein-Main-Gebiet verbessert sehen möchte. Er wisse, dass die Mittel der Kommune dabei begrenzt seien. Aber: „Der Bürgermeister fungiert auch als Sprachrohr der Bürger vor der Landes- oder Bundespolitik. Ich möchte solche Probleme in Wiesbaden benennen“, sagt Jost. Er selbst ist Pendler. Fast täglich nimmt er die rund 100 Kilometer weite Strecke von Kirtorf nach Raunheim auf sich – mit dem Auto. Denn mit der Bahn wäre er weit mehr als zwei Stunden unterwegs. Das müsse sich bessern. Denn in den zum Teil nicht mehr bezahlbaren Mieten in den Ballungsräumen sehe Jost eine große Chance für Bevölkerungszuwachs im ländlichen Raum.

Viel vor, um den ländlichen Raum attraktiv zu gestalten

Dass dieser als Wohnort attraktiv bleibt, darin sieht Jost seine Kernaufgabe. Eine gute ärztliche Versorgung – etwa durch die Kirtorfer Höfe, zügiger Glasfaserausbau, ein Bürgerbus, die Stärkung der Landwirtschaft, eine finanzierbare Kinderbetreuung sowie der Ausbau für altersgerechtes Wohnen – unter anderem damit möchte Jost dieser Aufgabe gerecht werden.

Andreas Fey: Trendwende mit den Bürgern

Andreas Fey, der im Kirtorfer Stadtparlament der SPD/UWL-Fraktion angehört, tritt als parteiunabhängiger Kandidat an. Er sagt: „Parteiinteressen sind in der Kommunalpolitik fatal. Ich möchte Ansprechpartner für alle sein.“

Andreas Fey ist ein engagierter Mensch, das zeigt bereits ein Blick auf seine kommunalpolitische Vita. Dort tritt er als Stadtverordneter, stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher sowie als Mitglied in diversen Ausschüssen auf. Dass die Ausschüsse in Zukunft gehört werden und an der Entscheidungsfindung beteiligt sind, dafür möchte sich Fey als Bürgermeister einsetzen. „Ich stehe für einen offenen und ehrlichen Politikstil“, sagt Fey im Gespräch mit Alsfeld Aktuell.

„Mit den Bürgern für die Bürger“

Sein Wahlslogan „mit den Bürgern für die Bürger“ habe er deshalb ganz bewusst gewählt. „Ich bin überzeugt, nur unter stärkerer Einbindung aller Bürger können wir eine Trendwende erreichen.“ Trendwende? Fey möchte mit der stärkeren Einbindung der Bürger mehr Identifikation zu der Gemeinde schaffen, sodass in Zukunft auch die jungen Leute in Kirtorf bleiben – in den letzten Jahren seien viele von ihnen weggezogen. „Was nutzt uns ein guter Finanzhaushalt, wenn wir keine Bürger mehr haben“, sagt der Kirtorfer.

Wie diese Trendwende vollzogen werden könnte, da hat Fey konkrete Vorstellungen: So sieht er die Gemeinde in der Pflicht, Betriebe und junge Menschen zusammenzuführen. Job- oder Ausbildungsangebote müssten besser kommuniziert werden – dafür müsse die Gemeinde eine Plattform bieten. Ähnliches könne er sich für den Immobilienmarkt vorstellen. Zudem möchte der 53-Jährige prüfen, ob ein Direktmarkt in der neuen Kirtorfer Mitte umzusetzen sei. Diesbezüglich möchte er mit den Landwirten und dem in Kirtorf ansässigen Supermarkt in Kontakt treten.

Insgesamt gehe es Fey darum, in Kirtorf eine „flüssige Demokratie“ zu schaffen, in der sich alle einbringen können: Feedback und Ideen sollen Bürger auf direktem Weg und online äußern können. Dafür wolle er die Onlinedienste der Verwaltung weiter ausbauen.

„Parteiinteressen sind in der Kommunalpolitik fatal“

Fey hat sich dafür entschieden, als parteiunabhängiger Kandidat anzutreten. Das sei zwar aufwendiger bei der Bewerbung, weil er Unterstützer suchen musste. Aber erstens sei das gar nicht so schwer gewesen. Und zweitens sei es in der Kommunalpolitik fatal, Parteiinteressen zu vertreten, sagt Fey, der im Stadtparlament der SPD/UWL-Fraktion angehört. Mit seiner Entscheidung möchte er verdeutlichen, Ansprechpartner für alle sein zu wollen.

Fusion in Ruhe nochmals angehen

Auch für Antrifttal möchte Fey als Bürgermeister wieder Ansprechpartner sein. „Die beiden Gemeinden passen gut zusammen“, sagt der Diplom-Verwaltungswirt, dessen Ehefrau aus Antrifttal stammt. „Privat hat die Fusion ja auch super funktioniert“, sagt der Vater zweier erwachsener Söhne lachend. Das Thema „Fusion“ müsse zukünftig in Ruhe nochmals aufgegriffen werden – gerne direkt im nächsten Jahr. Wichtig dabei sei es, die Bürger mitzunehmen und vollumfänglich zu informieren.

Schnelles Internet in allen Ortsteilen mit öffentlichen W-LAN-Spots, die Verbesserung der innerstädtischen Mobilität zum Beispiel mit einem Bürgerbus sowie die Weiterentwicklung der neuen Kirtorfer Mitte mit Anbindung aller Ortsteile stehen für Fey ebenfalls auf der Agenda.

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