1. Mai-Kundgebung in Alsfeld: Die Arbeit mehr wertschätzen

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Rund 100 Teilnehmer kamen am Dienstagmorgen auf dem Alsfelder Marktplatz zusammen. Matthias Körner vom DGB Mittelhessen war Hauptredner (rechts).

„Solidarität”, „Gerechtigkeit”, „Vielfalt” waren die Schlagworte der diesjährigen 1. Mai-Kundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), der sich bundesweit etwa 340.000 Menschen anschlossen.

Auf dem Alsfelder Marktplatz kamen bei ungemütlichen Temperaturen rund 100 Teilnehmer zusammen, um sich für gute Arbeitsbedingungen einzusetzen, einen Blick auf das Erreichte zu werfen und ein Zeichen gegen Rechts zu setzen.

Hauptredner der Veranstaltung, Matthias Körner vom DGB, verwies auf die Erfolge der Gewerkschaften in der Vergangenheit: „Die Einführung eines 8-Stunden-Tages, die Abschaffung von Kinderarbeit, die Festlegung von Mindestlöhnen... Das alles ist hart erkämpft worden”, erinnerte der Geschäftsführer des DGB Mittelhessen. Umso entschlossener müsse man gemeinsam gegen Tendenzen beziehungsweise Alternativen von Rechts eintreten, die das Erreichte wieder vernichten wollten. „Gewerkschaften sind schon immer eine antifaschistische Bewegung gewesen. Und das bleiben sie auch”, äußerte Körner. Im Mittelpunkt seiner Rede stand jedoch die Zukunft der Arbeitswelt, die zunehmend digitalisiert werde, was zu neuen Anforderungsprofilen in den verschiedenen Berufsfeldern führe. In ländlichen Gebieten könne man Fachkräftebedarf nicht so einfach durch Zu- und Abwanderung regulieren wie in Metropolen. Daher müssten frühzeitig entsprechende Ausbildungen angeboten werden. Als Beispiel nannte Körner den Beruf des Kfz-Mechatronikers, der es in Zukunft etwa mit selbstfahrenden Autos zu tun haben wird. Zudem sensibilisierte er für die immer noch bestehenden geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede und forderte mehr Einsatz, um diese Ungleichheit zu beseitigen.

Bürgermeister Stephan Paule (CDU) schlug in seiner Begrüßungsrede in die gleiche Kerbe und forderte mehr Wertschätzung für Arbeit, insbesondere solcher, die der Allgemeinheit zugutekomme. Pflegerinnen und Pfleger erhielten etwa nicht nur zu wenig Lohn, sondern gefühlt auch zu wenig Anerkennung, so Alsfelds Rathauschef. Den Missstand in der Pflege bemängelte ebenso Ingo Schwalm, DGB Kreisvorsitzender im Vogelsberg, der vor allem auf den Fachkräftemangel und die Gehaltsunterschiede in dem Berufsfeld einging.

„Heute ist Hessen weit davon entfernt, vorbildlicher Arbeitgeber zu sein”, äußerte SPD Landtagskandidat Swen Bastian klare Worte. Der Polizei zum Beispiel fehle es an Personal, ihre Aufgaben seien gewachsen, trotz angekündigter Rekordeinstellungen seien 2017 weniger Polizisten auf der Straße gewesen. Ähnliche Probleme könne man bei Hessen Mobil beobachten. Ralf Fei von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) griff dieses Thema ebenfalls auf und verwies auf die mehrheitlich befristeten Stellen an hessischen Hochschulen sowie die überlasteten und unterbezahlten Grundschullehrer.

Joachim Legatis von der Deutschen Journalisten Union machte auf die schlechter werdende und meist tarifunabhängige Bezahlung in Verlagen aufmerksam und warb für die Kampagne „Meinungsfreiheit in der Türkei”. Michael Ruhl von der Christlich-demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschlands (CDA) forderte eine intensivere Betreuung der Langzeitarbeitslosen, unkomplizierte Förderprogramme und mehr Unterstützung für Ältere, Alleinerziehende und Migranten.

Weitere Sprecher waren Bernhard Bender von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), der auf die ergebnislosen Tarifverhandlungen in der Baubranche und bei Reinigungskräften verwies, Brigitte Theiß von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG), die Lohnanpassungen für Frauen einforderte sowie Nicole Eggers (Die Linke), die Armut im Rentenalter thematisierte. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von „Broder und Freunde”.

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