Mord oder Totschlag? Plädoyers im Fall Johanna

+
Verteidiger Uwe Krechel (rechts) plädiert für eine Verurteilung auf Totschlag für seinen Mandanten Rick J.

Fast 20 Jahre nach dem gewaltsamen Tod der kleinen Johanna aus Ranstadt (Wetteraukreis) steht der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter Rick J. vor dem Ende.

Rick J. soll im September 1999 die damals achtjährige Johanna Bohnacker betäubt, entführt, gefesselt und getötet haben. Am Freitag hielten die Staatsanwaltschaft, die Verteidigung und die Nebenklage ihre Plädoyers. Während Staatsanwalt Thomas Hauburger auf lebenslange Haft plädiert, sieht die Verteidigung kein Mordmerkmal und spricht sich für eine Verurteilung wegen Totschlags aus.

Der 42-jährige Angeklagte habe sich in „ganz besonders egoistischer Weise über den Lebensanspruch“ des Mädchens hinweggesetzt, sagte Hauburger in seinem Plädoyer. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll das Gericht zudem eine besondere Schwere der Schuld feststellen, was eine vorzeitige Haftentlassung ausschließen würde. J.s Gesinnung, die Art und Weise der Tatausführung und das Nach-Tat-Verhalten sprechen für die besondere Schwere der Schuld, sagte Hauburger.

Die Nebenklage schließt sich dem an. Johannas Mutter erinnerte in ihrem Plädoyer an das „kleine Mädchen, das gerade in die zweite Klasse gekommen war und jetzt 27 gewesen wäre. Ich spüre immer noch ihre Umarmungen“. Immer wieder kämpft sie mit den Tränen. Wenn sie sich mit ihren Worten aber an Rick J. wendet, ist ihre Stimme gefestigt. „Durch die Gier eines einzelnen konnte Johanna nie ihr Leben führen, das ihr zustand. Ein sinnloser Tod, dafür soll der Täter mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe büßen.“

Verteidiger Uwe Krechel sieht dagegen kein Mordmerkmal gegeben. Vielmehr solle der Angeklagte wegen Totschlags verurteilt und wegen seines Drogenkonsums in einer Entziehungsklinik untergebracht werden. Rick J. stand am Tattag nach eigenen Angaben unter Drogeneinfluss. Ein Gutachter hält den Mann allerdings für voll schuldfähig (wir berichteten). Zudem lasse sich nicht nachweisen, ob Rick J. Johanna vorsätzlich tötete. Objektiv und nach der Faktenlage sei juristisch nur die Verurteilung auf Totschlag vertretbar, so Krechel.

Am 19. November soll das Urteil im Fall Johnna fallen.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Alsfeld: Zeugenaufruf nach gefährlicher Körperverletzung

Am Sonntagmorgen, 17. November, geriet gegen 6.30 Uhr ein 45-jähriger Mann aus Österreich nach einem Kneipenbesuch in der Obergasse in eine körperliche …
Alsfeld: Zeugenaufruf nach gefährlicher Körperverletzung

Ausbildungsmarkt: Weniger Bewerber, weniger Stellen

Im Vogelsbergkreis wurden insgesamt 724 ausbildungsplatzsuchende Jugendliche seit Oktober 2018 registriert. Die Arbeitsagentur verzeichnet damit einen Rückgang um 52 …
Ausbildungsmarkt: Weniger Bewerber, weniger Stellen

Das November-Rezept: Cappuccino von der Marone

Herbst- und Winterzeit ist Maronenzeit. Bei diesem einfachen Rezept kommt die Edelkastanie als Cappuccino um die Ecke – der Milchschaum macht es möglich.
Das November-Rezept: Cappuccino von der Marone

Die Geschichte einer Urkunde - 30 Jahre nach dem Mauerfall kommt sie zurück

30 Jahre nach dem Mauerfall erinnert sich Manfred Hasemann, ehemaliger Kreisgeschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Alsfeld, an den größten Einsatz in der Geschichte des …
Die Geschichte einer Urkunde - 30 Jahre nach dem Mauerfall kommt sie zurück

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.