Nach China-Reise: Menschen soll er meiden, aber keine Klinik testet ihn auf Coronavirus

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Erik verbrachte drei Wochen in Shanghai. Als das Coronavirus in China ausbrach, ging er wie die meisten anderen Menschen nur noch mit einer Atemschutzmaske vor die Tür.

Drei Wochen verbrachte Erik* in China – genauer genommen: in Shanghai. Über 20 Millionen Menschen leben dort – es ist eine der größten Metropolregionen der Welt. Am Samstag kehrte er von seiner beruflichen Reise zurück.

Alsfeld/Shanghai. Sein Arbeitgeber stellte ihn unverzüglich für eine Woche frei. Er solle nachweisen, nicht das Coronavirus in sich zu tragen. Nur: Keine Klinik möchte ihn testen. Denn der 29-Jährige zeigt keine Symptome.
„Seit zwei Tagen rufe ich bei allen Kliniken an, um mich auf das Coronavirus testen zu lassen. Bislang haben sie mir alle abgesagt“, sagt Erik am Dienstag dieser Woche. Erik hat keine Atemnot. Kein Fieber. Kein Husten. Keine schmerzende Lunge. Also keine der typischen Symptome, die bei vielen Betroffenen des Coronavirus‘ eintreten. Das sei für die Kliniken der Grund, ihm den Test zu verwehren. Eriks Arbeitgeber aber möchte einen Nachweis, dass er gesund ist. Zu hoch sei die Gefahr, dass Erik doch das Coronavirus in sich trage und Mitarbeiter anstecken könnte.


Bei den bislang in Deutschland vier bestätigten Fällen der neuen Lungenkrankheit lief es ähnlich: Vier Mitarbeiter eines in Gauting (Oberbayern) ansässigen Unternehmens steckten sich nach dem derzeitigen Stand bei einer Kollegin aus China an, die in der vergangenen Woche zu einer Schulungsmaßnahme nach Gauting gekommen ist. Das Unternehmen schloss wegen der Erkrankungen seinen Stammsitz vorerst bis Sonntag, 2. Februar. Längst gesichert ist, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Die Zeit von einer Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung ist jedoch noch nicht genau einzugrenzen. Derzeit geht das Robert-Koch-Institut von einem Zeitraum von zwei bis 14 Tagen aus.
Auch deswegen habe Erik Verständnis für seinen Arbeitgeber, der die Verantwortung der gesamten Belegschaft trage. Weniger Verständnis habe er allerdings für die Entscheidungen der Kliniken. „Nicht bei allen Menschen, die das Coronavirus tragen, treten die Symptome auf“, sagt er.


Dass bei nicht allen Infizierten auch eine Krankheit ausbreche, davon geht derzeit auch die Wissenschaft aus. Ungefähr ein Viertel aller Fälle verlaufe nach gegenwärtigem Kenntnisstand sehr schwer, hieß es von der Weltgesundheitsorganisation WHO. Von 41 Patientinnen und Patienten aus einem Krankenhaus in Wuhan, die in einem wissenschaftlichen Artikel beschrieben werden, starben sechs, also ungefähr 15 Prozent. In einem der Studie beiliegenden Kommentar weisen Ärztinnen und Ärzte aber darauf hin, dass viele Infizierte wenige oder gar keine Symptome haben.


Erik zeigt bislang keine Symptome. An seinem Abreisetag in Shanghai, dem chinesischen Neujahrsfest am 25. Januar, seien am Flughafen Wärmebildkameras installiert gewesen. Sie sollten messen, ob Reisende Fieber haben. „Das war es dann aber auch mit den Kontrollen“, sagt Erik. Auch am Frankfurter Flughafen seien keine zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen ersichtlich gewesen.


Erst seit Anfang dieser Woche stellen das Hessische Ministerium für Soziales und Integration (HMSI), in dem auch die Gesundheitspolitik beheimatet ist, das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt und der Flughafenbetreiber Fraport Informationen zu dem Coronavirus in mehreren Sprachen am Flughafen Frankfurt bereit. Damit werden die Reisenden aus den betroffenen Regionen darüber informiert, welche Symptome die Krankheit hat und wie sie sich verhalten sollen, falls diese Symptome auftreten. Am Flughafen Frankfurt gibt es zudem ein Medical Assessment Center in dem infektiologisch erfahrene Ärztinnen und Ärzte des Gesundheitsamtes Frankfurt tätig werden, wenn der Verdacht besteht, dass sich Passagiere auf einem Flug bei einem Kranken angesteckt haben könnten.


Das HMSI schätzt die Gefahr einer Einschleppung des Virus durch eine infizierte Person über den Flughafen Frankfurt am Main weiterhin als mäßig ein, da es keine Direktflüge aus der betroffenen Region nach Frankfurt gibt und die chinesischen Behörden am 23. Januar massive Ausreiseverbote verhängt haben. Da jedoch die Ausbreitung der Erkrankung in China noch nicht unter Kontrolle sei, könne nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Personen mit einer Infektion nach Europa kommen.
Erik weiß nicht, wie lange ihn sein Arbeitgeber weiterhin freistellen wird. Einen Test in einem Krankenhaus wird er wohl nicht bekommen. Das HMSI schreibt dazu: „Die Diagnostik wird eingeleitet, wenn Symptome einer Lungenerkrankung (wie Fieber und Husten) vorliegen, die erkrankte Person in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet in China war und ein Influenza-Schnelltest negativ verlief.“ Es wurden bereits Testverfahren entwickelt, mit denen das Virus in den tiefen Atemwegen nachgewiesen werden kann. Dieses Testverfahren steht derzeit in verschiedenen Laboren in Deutschland zur Verfügung – in Hessen in der Virologie der Universitäten in Marburg und in Frankfurt.“


Weil auf Erik diese Kriterien nicht zutreffen, wurde er auch dort abgewiesen. Man riet ihm telefonisch, den Kontakt zu Menschen zu meiden und vorerst zu Hause zu bleiben. Ob er seine zweite China-Reise, die für März angedacht war, antreten wird, steht derzeit nicht fest. Man müsse abwarten, wie sich die Ausbreitung des Virus‘ entwickelt.

Das Klinikum Fulda sieht sich derzeit gut gerüstet für mögliche Coronavirus-Patienten.

Das Frankfurter Gesundheitsamt hat in Abstimmung mit dem HMSI eine Hotline zum Coronavirus eingerichtet. Die Info-Hotline ist montags bis freitags jeweils von 8 bis 17 Uhr unter 069-21277400 erreichbar.

* Name von Redaktion geändert

Hinweise für China-Reisende:

- Meiden Sie Kontakt zu lebenden Tieren und rohen Tierprodukten
- Halten Sie Abstand von Kranken
- Waschen Sie sich häufig die Hände mit Wasser und Seife oder verwenden sie ein alkoholisches Händedesinfektionsmittel
Sollten Sie auf einer Reise in China Kontakt zu kranken Personen gehabt haben und Fieber, Husten oder Atemnot entwickeln, begeben Sie sich in Behandlung vor Ort. Sie dürfen nicht fliegen, solange Sie krank sind. Falls Sie auf dem Rückflug mit den oben genannten Symptomen erkranken, melden Sie sich beim Bordpersonal.
Quelle: HMSI

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