Nahmobilitätscheck in Alsfeld: Mehr Sicherheit für Rad-, Geh- und Schulwege

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Etwa 30 Teilnehmer aus Politik, Polizei, Schulen und Interessenverbänden erörterten im Rahmen des Nahmobilitätschecks, wie sich der Fuß und Radverkehr in Alsfeld in Zukunft entwickeln soll.

Wie soll sich die Nahmobilität, sprich der Fuß- und Radverkehr, in Alsfeld in Zukunft gestalten? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Nahmobilitäts-Check, den die „Planersocietät Mobilität Stadt Dialog“ im Auftrag der Stadt derzeit durchführt.

Alsfeld. Am Dienstagabend fand dazu der erste Workshop statt, an dem rund 30 Vertreter der Politik, Polizei, Schulen und verschiedenen Verkehrs- und Umweltverbänden teilnahmen.

Das Thema Nahmobilität ist in Alsfeld ein immer wiederkehrendes. Zum Beispiel auch im vergangenen Jahr, als der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) die Ergebnisse des Fahrradklimatests für das Jahr 2018 vorstellte. Mit der Schulnote 4,0 lag Alsfeld dabei auf Platz 137 von 186 Städten in seiner Größenordnung – besonders schlecht wurde in Alsfeld die Familienfreundlichkeit von den Teilnehmern bewertet: Jeweils über 50 Prozent der Befragten gaben die Noten 5 und 6 auf die Fragen, ob Kinder im Grundschulalter ohne schlechtes Gewissen alleine Rad fahren gelassen werden können, ob kleine Kinder sicher auf dem Gehweg fahren können und ob Radwege gut mit Kinderanhänger befahrbar sind.
Zudem gab bei dem Fahrradklimatest etwa jeder dritte Befragte die Note 6 bei der Frage, ob er sich als Radfahrer in Alsfeld sicher fühle. 61 Prozent der Befragten gaben die Noten 5 und 6 bei der Frage um die ausreichende Breite der vorhandenen Radwege.

Bereits vor diesen schwachen Ergebnissen hatten Alsfelds Stadtverordnete das Problem erkannt und Ende 2018 der Teilnahme an dem vom Land zertifizierten Nahmobilitätscheck zugestimmt. 30.000 Euro soll das Projekt insgesamt kosten, wovon jedoch 24.000 Euro vom Land Hessen übernommen werden.

Wohin soll es gehen und wo sind die Grenzen?

Die Nahmobilität sei ein wichtiges Themenfeld, das jährlich auf den Tisch komme und noch häufiger kritisiert werde, sagte Paule zu Beginn des Workshops. Daher wolle man es nun verstärkt in den Fokus nehmen. Und genau das wurde bei dem ersten, coronabedingt nicht öffentlichen, Workshop schließlich getan.

An dem Abend ging es insbesondere darum, den Stand der Dinge in Alsfeld zu erörtern – den Status quo. Auch wollten die beiden zuständigen Raum- und Verkehrsplanierinnen Annika Worch und Inga Wolf erfahren, in welche Richtung sich die Nahmobilität in Zukunft entwickeln soll.

Die Auswertung der vorab an die Teilnehmer ausgehändigten Fragebögen zeigte, es besteht Handlungsbedarf – und zwar bei den drei großen Themen „Erreichbarkeit der Schulen zu Fuß und mit dem Rad“, „Radverkehr in der Kernstadt“ sowie „Radverkehrsanbindung der Ortsteile“.

Die Radverkehrsführung in der Innenstadt priorisierten die Teilnehmer thematisch. Hier gebe es keine durchgängigen Wegenetze, zu wenige Abstellmöglichkeiten und man komme sich mit anderen Verkehrsteilnehmern in die Quere. Auch bemängelte man die zu hohe Geschwindigkeit vieler Autofahrer. Insgesamt sei die Sicherheit nur unzureichend gegeben. Hier soll es nach Vorstellung der Anwesenden in Zukunft darum gehen, Lücken im Radverkehrsnetz zu schließen, die Sicherheit insbesondere im Mischverkehr und bei Querungen zu verbessern und Abstellmöglichkeiten auszubauen.

Die Schulleiter aus Alsfeld sehen es ähnlich. Jedoch stelle für sie vor allem der Hol- und Bringdienst vieler Eltern und somit ein viel zu hohes Pkw-Aufkommen vor ihren Schulen das größte Sicherheits- und Verkehrsproblem dar. Ein Vorschlag, das Problem der sogenannten Elterntaxis in den Griff zu bekommen, lautete etwa, eine Haltestelle für den Hol- und Bringdienst abseits der Schulen und Bushaltestellen festzulegen – etwa am Parkplatz der Stadthalle.

Grundlegend kamen die Teilnehmer darin überein, dass sich die Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger verbessern muss. Sie sahen an dem Abend aber auch die gesetzten Grenzen. So wird zum Beispiel der Nahmobilitätscheck das Problem, dass durch Alsfeld zwei Bundesstraßen mit seinem Schwerlastverkehr führen, nicht lösen. Paule sagte überspitzt: „Es könnten alle Alsfelder ihr Auto stehen lassen, das Verkehrsaufkommen wäre beinahe das gleiche.“ Auch war man sich einig, dass der sehr begrenzte Platz vor allem in der Kernstadt für sämtliche Verkehrsteilnehmer ausreichen müsse. Ein Raunen in der Stadthalle, als Raum- und Verkehrsplanerin Wolf fragte, ob für ein Fahrradabstellplatz ein Pkw-Parkplatz weichen dürfte.

Auch wenn Alsfeld in Zukunft kein Münster werde, wie an dem Abend gerne betont wurde, so gehen die beiden Planerinnen doch mit einigen Vorschlägen und Ideen aus dem Abend heraus. Am Ende blieb eine eindeutige Vorstellung von dem, was als allererstes umgesetzt werden soll: Den bestehenden Rad- und Fußverkehr sichern und attraktiver gestalten, Netzlücken schließen und für ein besseres Miteinander im Straßenverkehr sorgen. Man darf gespannt sein, welche Ergebnisse die beiden Planerinnen daraus erzielen. Sie erstellen nun erste mögliche Maßnahmen für die zukünftige Nahmobilität in Alsfeld, die in einem zweiten Workshop vorgestellt und diskutiert werden sollen.

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