Neue Erkenntnisse zu Alsfelds Knochenkeller im Beinhaus

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Aufregend war es für die zahlreichen Besucher, die sich neugierig am letzten Sonntag, am Tag des offenen Denkmals, auf dem Weg zum Alsfelder Beinhaus gemacht haben.

Diese kleine Kapelle, die seit 1982 das Alsfelder Stadtarchiv beherbergt und in vier Jahren zuvor aufwändig restauriert, gesichert und untersucht worden war, steht auf einem etwa fünf Mal 13 Meter großen Tonnengewölbekeller, der bis 1824 zur Aufbewahrung von menschlichen Gebeinen genutzt wurde. Die Geschichte dieses Kellers erforschte nun Stadtarchivar Norbert Hansen, nachdem ihm die Untersuchungsergebnisse des letzten Umbaus des Gebäudes in die Hände gefallen waren, und machte sie der Öffentlichkeit zugänglich.

Noch nie war Keller im Beinhaus zu besichtigen

„Beinhäuser gibt es auf der ganzen Welt“, erklärte Hansen. „Nach meinem Wissen war der Keller des Beinhauses noch nie zu besichtigen.“ Die Knochen der Verstorbenen seien in der frühen Christenheit heilig gewesen und sollten möglichst in der Erde belassen werden. Der Friedhof rund um die Alsfelder Walpurgiskirche sei jedoch spätestens im 12. bis 14. Jahrhundert zu eng geworden. Es gab Platzprobleme in der aufstrebenden Stadt. Wurden die Gräber neu verwendet, sei man auf zahlreiche Gebeine gestoßen. Dabei habe man die ausgegrabenen Knochen nicht weggeworfen, sondern üblicherweise in der Nähe der Kirche gelagert. Bereits eine Urkunde von 1368 erwähnt in einem Nebensatz ein Beinhaus in Alsfeld.

Mit der Reformation 1517 verloren Beinhäuser an Bedeutung. Diese Stätten seien nach diesem Zeitpunkt nicht mehr belegt worden, seien sich Historiker einig.

14 Wagenladungen Gebeine gen Friedhof

1824 beschlossen die Alsfelder Stadtväter, den Keller des Beinhauses von den Knochen zu befreien, um ihn anderweitig nutzen zu können. Die Rechnungsbücher aus dieser Zeit geben Aufschluss, wie dies vonstatten ging: Ganze 14 Wagenladungen Gebeine schafften ein „Johannes Etling und acht Konsorten“ bei Nacht und Nebel auf den Friedhof am Frauenberg. „Der Keller des Beinhaus muss randvoll gewesen sein“, mutmaßt Hansen.

Aufwändige Untersuchung des Kellerbodens

Für seine Recherchen fragte Hansen das Landesamt für Denkmalpflege an, Untersuchungen anzustellen, um weitere Hinweise zum Keller zu erhalten. Diese nutzten ein Bodenradar, um eventuell ein Fundament eines Vorgängerbaus zu finden, das sich jedoch nicht bestätigte. Das heutige Beinhaus kann aufgrund der Jahreszahl über dem Eingang auf 1510 datiert werden. Laut Untersuchung scheint der Keller ebenso alt zu sein. Deshalb sei heute völlig unklar, wo sich der Vorgängerbau befunden haben könnte, sollte er nicht die gleichen Maße wie das heutige Beinhaus haben.

Knochenreste von 1365 entdeckt

Eine Testgrabung an der Ostecke des Kellers brachte neue Erkenntnisse: „Mein Mann hat tagelang gegraben. Ganz allein, mühevoll“, berichtet Ehefrau Hansen von der anstrengenden Arbeit. Zum Vorschein kamen menschliche Knochen, Fußbodenplatten, Scherben und die Fundamente. Eine Altersbestimmung der Knochen ergab: Sie stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit von 1365. Damit sind sie deutlich älter als der Keller, in dem sie lange Zeit lagerten. Das Interesse an Hansens Ausführungen war groß, sodass er an diesem Tag bis in den späten Nachmittag den Interessierten seine Rechercheergebnisse nahebrachte.

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