"Ohne Solidarität geht es nicht", meint Ute Eisenach vom gleichnamigen Modehaus in Alsfeld

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Weniger Geschäfte, weniger Menschen, weniger Gastronomie. Soll diese Abwärtsspirale verhindert werden, ist Solidarität gefragt. Davon ist Ute Eisenach, Inhaberin des Haus der Mode in Alsfeld, überzeugt. Sie fürchtet nicht nur um ihren eigenen Laden, sondern auch um das gesellschaftliche Leben in Alsfeld.

Viele Unternehmerinnen und Unternehmer fürchten das wirtschaftliche Aus. In Alsfeld ergeht es den Gewerbetreibenden nicht anders. „Das Fragezeichen ist groß. Sollte unser Geschäft über den 19. April hinaus geschlossen bleiben müssen, wird das Fragezeichen gigantisch“, sagt Ute Eisenach.

Alsfeld. Die Arbeit von Ute Eisenach hat sich in den vergangenen Tagen grundlegend geändert. Ihr Geschäft, das Haus der Mode in der Alsfelder Obergasse, ist seit dem 18. März geschlossen. Kein Kunde hat seitdem den Laden betreten. Stattdessen werden Kleidung und Gutscheine telefonisch oder per E-Mail bestellt. Auch per Whats App ist das Modehaus erreichbar. Die Devise: „Weiterhin mit den Kunden in Kontakt stehen“.

Die Corona-Pandemie trifft die deutsche Wirtschaft hart. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer fürchten das wirtschaftliche Aus. In Alsfeld ergeht es den Gewerbetreibenden nicht anders. „Das Fragezeichen ist groß. Sollte unser Geschäft über den 19. April hinaus geschlossen bleiben müssen, wird das Fragezeichen gigantisch“, sagt Ute Eisenach. Maximal acht Wochen könne das Geschäft geschlossen bleiben. Dann „gehen die Lichter aus“.

Ute Eisenach bangt nicht nur um ihren eigenen Laden. Für sie steht letzten Endes nicht mehr und nicht weniger als das gesellschaftliche Leben in den Innenstädten auf dem Spiel. „Falls Geschäfte und Restaurants die Krise nicht überstehen, haben die Menschen keinen Grund mehr auf die Straßen zu gehen. Die Innenstadt bleibt leer, das gesellschaftliche Zusammenleben bleibt aus“, sagt Eisenach. Das Bild, das sich jetzt während der Regelungen aufgrund der Corona-Pandemie in der Alsfelder Innenstadt zeichnet, sei dann nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall.

Verhindern ließe sich dieses Szenario nur gemeinsam. Es zähle jeder einzelne. „Wir müssen uns bewusst machen, lokale Geschäfte und Unternehmen zu unterstützen – gerade jetzt aber auch darüber hinaus“, ist Eisenach überzeugt. Sie hofft, dass in der Krise etwas Positives steckt und die Menschen in Zukunft wieder häufiger die lokalen Läden dem Internethandel vorziehen. „Falls die Geschäfte in Alsfeld diese Zeit überstehen und wieder öffnen dürfen, müssen die Kunden wieder kommen. Ich habe die Hoffnung, dass die Krise vielen bewusst macht, worauf es ankommt – nämlich die eigene Stadt zu unterstützen. Damit Alsfeld lebenswert bleibt.“

Solidarität spüren Eisenach und ihre 14 Mitarbeiter im Haus der Mode schon jetzt. Einige Kunden kaufen trotz geschlossener Ladentür telefonisch und per Mail Gutscheine oder auch Kleidung. Dafür sei Eisenach jedem einzelnen sehr dankbar. Dennoch lasse sich so nur ein Bruchteil des Üblichen erwirtschaften. Selbst die Soforthilfe des Bundes, die die wirtschaftlichen Schäden der Unternehmen aufgrund der Corona-Pandemie auffangen soll und die das Land Hessen nochmals aufstockte, sei wie ein Tropfen auf den heißen Stein. „Es ist viel Geld, das fließt. Das ist auch schön und gut. Aber es deckt nicht ansatzweise unsere Kosten“, sagt Eisenach. Sie ist sicher: „Für uns, wie auch die meisten anderen, kann es so nicht mehr lange weitergehen.“

Eisenach setzt auf die Solidarität der Alsfelder und darauf, dass die Geschäfte nach Ostern wieder öffnen dürfen. Bis dahin bleibt das Haus der Mode weiterhin telefonisch unter 06631-961913 oder unter 0171-6444649 (auch per Whats App) oder per E-Mail an ute-eisenach@eisenach-gmbh.de für seine Kunden da.

Kommentar von Maximilian Gerten: Solidarität ist das Gebot der Stunde

Von überall her weht der Ruf – aus allen Gemeinden, aus Alsfeld, aus Feldatal, aus Mücke und aus Homberg. Der Ruf nach Solidarität. In einer Krisenzeit, in der alle die Sorge um die eigene Gesundheit und die der Familie und Freunde teilen, nehmen zusätzlich die Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu. Es sind existenzielle Fragen, die Gastronomen, Einzelhändler aber auch Angestellte kleiner, mittelständischer und großer Unternehmen plagen. Ein Allheilmittel dagegen gibt es nicht – selbst das größte finanzielle Hilfsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, das in Hessen seit Anfang dieser Woche beantragt werden kann, wird für den einzelnen eventuell nicht ausreichend sein.

Neben der Hoffnung, dass ihre Geschäfte so schnell wie eben möglich wieder öffnen können, setzen die Gewerbetreibenden vor allem auf eines: auf die Solidarität in ihren Gemeinden. Ute Eisenach vom gleichnamigen Modehaus in der Obergasse dramatisiert nicht, wenn sie sich letztlich nicht mehr und nicht weniger als um das gesellschaftliche Leben in Alsfeld fürchtet, sollten Geschäfte, Gastronomen und Unternehmen die Krise nicht überstehen. Wo Geschäfte fehlen, fehlen Menschen. Wo Menschen fehlen, fehlen Gäste in der Gastronomie. Wo Gastronomie fehlt, fehlt das gesellschaftliche Leben. Wenn Gewerbetreibende für Solidarität werben, werben sie nicht nur für das Fortbestehen ihres eigenen Unternehmens. Sie werben damit auch für das Fortbestehen einer lebenswerten Stadt.

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