Parkplatznot um Alsfeld: belegt, laut, schmutzig und teuer

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Parken im Industriegebiet Ost vor den Toren Alsfelds: Rund um die Stadt sind die Brummifahrer auf der Suche nach geeigneten Schlafplätzen.

Zu wenige Parkplätze für zu viele Lkws - die Brummifahrer verzweifeln abends bei der Suche nach einem geeigneten Stellplatz. Einige von ihnen haben mit ALSFELD AKTUELL über ihre Situation gesprochen und berichten von den Problemen außerhalb offizieller Parkplätze.

Das allabendliche Bild in Alsfeld: Große Lkws bahnen sich den Weg durch die Industriegebiete, der Rasthof Pfefferhöhe ist so belagert, dass ein Durchkommen nach Liederbach erschwert ist. An der Hessenhalle zeugen waghalsige Wendemanöver von der Schwierigkeit für die Brummifahrer, einen geeigneten Schlafplatz für die Nacht zu ergattern. ALSFELD AKTUELL sprach mit einigen Berufskraftfahrern über ihre Parkplatzsuche um Alsfeld.

Einen der begehrten Parkplätze auf dem regulären Parkplatz an der Pfefferhöhe hat Albin Jokiel aus Hilders ergattert. Er hilft einem polnischen Kollegen bei der Einweisung auf den Parkplatz neben ihm. Kein einfaches Unterfangen, denn das Ganze muss rückwärts geschehen. Ein anderer Kollege hat nämlich sein Gefährt quer hinter dem Parkplatz abgestellt – Durchkommen unmöglich. „Für mich ist die Pfefferhöhe die letzte Möglichkeit vor Köln zum Parken. Und hier musst du schon um 16 Uhr ankommen. Nach 17 Uhr ist kein Parkplatz mehr zu bekommen”, erklärt der 65-Jährige. Er hat große Papierrollen geladen, eine dünne Plane schützt die Ladung vor neugierigen Blicken. Für ihn kommt ein Parken in Industriegebieten nicht infrage. Viel zu unsicher.

Um Ruhe vom stressigen Arbeitsalltag zu finden, haben die Kollegen Daniel Antrack und Karl-Heinz Stark ihre Lkw im Industriegebiet abgestellt.

Und tatsächlich. Der Blick von seinem Lkw auf die gegenüberliegenden Hecks zeigt, dass von den sechs dort abgestellten Fahrzeugen mit Planen drei bereits Spuren von Planenschlitzern zeigen: zwei Mal kleine kreisförmige Flicken und ein großer vertikaler an einem anderen. Dafür zahlt Jokiel auf den Autohöfen sieben Euro pro Nacht, ein Preis, den sich osteuropäische Kollegen nicht leisten könnten. Dazu komme das Duschen, drei Euro, und die Toilettengebühr für jeweils 70 Cent bis einem Euro. Einen Spaziergang durch die umliegende Natur verkneift er sich inzwischen: „Zu viele menschliche Tretminen”, winkt er ab. Er liebe seinen Beruf und möchte noch bis zum 70. Geburtstag auf seinem Bock sitzen.

Die Runde um die Pfefferhöhe haben sich die beiden Kollegen Daniel Antrack und Karl-Heinz „Obelix” Stark aus Meissen gleich gespart. Sie transportieren Ton für Keramik bis nach Osnabrück. „Seit zehn Jahren hat der Lkw-Verkehr stetig zugenommen. Gerade die Kollegen aus dem Ostblock parken die Rastplätze zu”, schildert Stark die Situation. Dort sei es laut, menschliche Hinterlassenschaften an jeder Ecke und Müll werde einfach aus den Fenstern geworfen. Kein Platz, um Erholung für die nächste Fahrt zu finden. Sie parken nun im Industriepark Ost. Es sei an dieser Stelle schön ruhig, saubere Natur in der Nähe und man könne den Lkw gut wenden.

Sein Kollege Antrack hofft, dass sie dort nicht in naher Zukunft verscheucht würden, denn morgens kämen viele Autos mit Firmenangehörigen, die sich vielleicht über die geparkten Lkw ärgern könnten. „Ich hoffe, sie haben Verständnis mit uns Brummifahrern”, sagen Antrack und Stark unisono. Denn wer bis 16 Uhr keinen Parkplatz auf einem Rasthof gefunden hätte, dem stünde eine schwierige Suche bevor. Und bei Nichtgelingen empfindliche Strafen.

Zwischenruf von Daniela Eichelberger:

Verständnis für Brummifahrer!

Dass deutlich zu wenige Parkplätze für die Brummifahrer zu Verfügung stehen, ist nicht nur ein Phänomen an der A 5. Die Not durch die vom ADAC geschätzten 10.000 fehlenden Plätze istdeutlich in den Abendstunden um Alsfeld zu spüren. Nicht nur im Industriepark Ost, auch im gesamten Areal um die Hessenhalle herum, auf der Landstraße Richtung Liederbach an der Pfefferhöhe und auch auf den Parkplätzen auf der Bundesstraße Richtung Lauterbach stehen unzählige Lkw, deren Fahrer ein wenig Ruhe für die nächste Etappe suchen. Selbst Plätze, die letztes Jahr noch Lkw-frei waren, werden nun belagert. Gefühlt stehen die großen Maschinen nun überall.

Beim Überschreiten der zugelassenen Lenkzeit warten Strafen auf die Fahrer: Sie zahlen 30 Euro für eine Stunde zu langer Fahrtzeit. Das erhöht sich bei jeder angefangenen Stunde um weitere 30 Euro. Das ist bei dem nicht so üppigen Verdienst viel Geld, die Suche nach Parkplätzen in Industrie- und sogar Wohngebieten natürlich verständlich. Seit dem 25. Mai ist auch noch das geänderte Fahrpersonalgesetz in Kraft getreten, wonach Lkw-Fahrer ihre regelmäßige wöchentliche Ruhezeit nicht mehr im Fahrzeug oder an einem anderen Ort ohne geeignete Schlafmöglichkeit verbringen dürfen. Durch die Neuregelung will die Bundesregierung Fahrer vor menschenunwürdigen Verhältnissen schützen und die Verkehrssicherheit erhöhen. Auf die Fahrer würden Strafen von 500 Euro zukommen. Doch wer kontrolliert das?

Und wer passt dann auf den Lkw auf? Für die Sicherheit auf unseren Straßen bleibt zu hoffen, dass die Bedingungen für die Brummifahrer verbessert werden. Denn wer nicht ausgeruht ist, kann am nächsten Tag auch nicht konzentriert weiterfahren. Und das geht uns alle an.

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