Pilotprojekt Sprachmittler setzt neue Standards in Verständigung

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Sprachbarrieren überwinden, kulturelle Unterschiede erklären: Professionell werden dazu überwiegend Geflüchtete geschult, um ihre Tätigkeit als Sprach- und Kulturmittler in Behörden, Schulen, Krankenhäusern oder bei Ämtern anzubieten.

Dazu führen seit Juni dieses Jahres die Diakonie Hessen und das Evangelische Dekanat Alsfeld einen „Zertifikatskurs Sprach- und Kulturmittler/in“ als hessisches Pilotprojekt durch. Mit 140 Unterrichtsstunden handelt es sich um die größte Maßnahme in Hessen. Die 22 Teilnehmenden kommen etwa zur Hälfte aus dem Vogelsbergkreis, die andere Hälfte verteilt sich auf die Regionen Marburg, Gießen und Frankfurt. Schon vor zwei Jahren wurde vom Landkreis zur besseren Verständigung ein Sprachmittlerpool aufgebaut. Schnell übernahm das Dekanat Alsfeld die Fortführung des Projekts und baute es kontinuierlich aus. Sogar eine IHK-Qualifizierung scheint möglich, so Ralf Müller, Referent für Bildung und Ökumene im Dekanat Alsfeld. Die ersten Sprachmittler seien einfach ins kalte Wasser geworfen worden, so Müller.

Doch ziemlich schnell wurde klar, dass eine professionelle Schulung dringend nötig sei. Wichtig dabei: Kulturelle Unterschiede zu erkennen und zu benennen, um etwaige Klippen im Gespräch wahrzunehmen und transparent zu machen. „Allein die Frage eines deutschen Arztes ‘Was fehlt Ihnen?’ ist manchen ungewohnt. Andernorts stellt der Arzt die Diagnose, ohne den Patienten miteinzubeziehen“, erklärt Müller. Auch einige Wörter gebe es in anderen Sprachen überhaupt nicht, stellt Dozentin Yasmin Reppe fest. Das Wort Jugendamt werde in vielen Sprachen so übernommen, da es ein Jugendamt w

eder in Eritrea, Irak, Syrien oder der Türkei gebe, wie die Teilnehmer der Schulung gemeinsam lachend feststellen. Also sei es wichtig eventuell mithilfe des Jugendamtsmitarbeiters zu dem Sprachunkundigen zu erklären, was ein Jugendamt sei und welche Aufgaben es habe. Überhaupt ist die Stimmung während der Schulung, die teilweise in Rollenspielen gezielt auf die neue Tätigkeit vorbereitet, freundschaftlich, offen und gelöst.

Severina Schulz aus Ulrichstein ist eine der Teilnehmerinnen beim Zertifikatskurs. Sie stammt ursprünglich aus Bulgarien und arbeitet schon seit drei Jahren als Dolmetscher für die Polizei. Gerade der Fokus auf die kulturellen Vermittlungen freut sie beim Kurs. Sie möchte als Dolmetscher gerne unter Leute kommen und beschreibt die Zeit mit ihren Kurskollegen als sehr wertvoll.

Saida-Abdi Mohamed aus Gießen flüchtete mit ihren Eltern aus Somalia. Seit 2005 lebt sie in Deutschland und hat sich schon freiwillig als Übersetzerin engagiert. Dadurch wurde sie angesprochen, diese Qualifizierungsmaßnahme durchzuführen. Die dreifache Mutter hofft, durch diese Maßnahme einen Einstieg in das Berufsleben zu finden. Dass ihre Chancen dafür gut stehen, diese Erfahrung hat Müller im Umgang mit den Übersetzern schon gemacht.

Am Freitag, 7. Dezember, findet in Gießen die Zertifikatsverleihung nach bestandener Prüfung statt, sodass die neuen Sprach- und Kulturmittler ihre Arbeit noch professioneller fortführen können.

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