Positiv durchs Leben - mit HIV

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Dieses Jahr erhielt er die Diagnose: HIV-positiv. Was das für den 27-Jährigen bedeutet, erzählt er im Interview.

Weltweit leben etwa 36,7 Millionen Menschen mit HIV. Rund 1,8 Millionen kommen pro Jahr dazu. Noch lange haben nicht alle Zugang zu den lebensnotwendigen Medikamenten. Und noch immer erleben Betroffene Ausgrenzung und Stigmatisierung.

Am 1. Dezember findet deshalb jedes Jahr der Welt-Aids-Tag statt. In Deutschland sind rund 88.400 Menschen HIV-positiv. Einer von ihnen ist Robert (Name geändert), der im Februar dieses Jahres die Diagnose erhielt. ALSFELD AKTUELL trifft den 27-Jährigen zu einem Interview.

ALSFELD AKTUELL: Was waren die ersten Gedanken, als Sie die Diagnose HIV-positv erhalten haben?

Robert: Es war kein Fallen in ein Loch. Ich war gut aufgeklärt und wusste, dass diese Diagnose nicht das Ende der Welt bedeutet.

HIV-positive Menschen haben heute bei rechtzeitiger Behandlung eine nahezu normale Lebenserwartung.

Ganz genau. Das ist vielen noch nicht klar. Das meine ich etwa mit aufgeklärt sein. Und was die meisten auch nicht wissen: Ich bin nicht ansteckend, solange ich meine Medikamente nehme. Vielen zeichnet sich noch das Schreckensbild von den unzähligen Aids-Toten ab. Meine Generation hat ein anderes Verständnis von Aids und HIV – nämlich, dass es therapierbar ist und man damit ein normales Leben haben kann. Wir sind sozusagen die Nachkriegsgeneration.

Besteht da nicht die Gefahr, diese Krankheit zu verharmlosen?

Doch, auf jeden Fall. Das darf nicht vergessen werden. Wir müssen aufklären, dass HIV kein Todesurteil mehr bedeutet und kein Grund besteht, HIV-positive Menschen zu diskriminieren. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, welche Konsequenzen eine Aids-Erkrankung hat. Mir ist bereits aufgefallen, dass es jüngeren HIV-positiven Menschen schwerer fällt, an ihre tägliche Medikamenteneinnahme zu denken, als älteren. Vielleicht, weil die Angst nicht so allgegenwärtig ist.

Was würden Sie sagen: Haben Sie einen Alltag mit HIV oder einfach einen Alltag wie vor der Diagnose auch?

Beides ist wahr. Mein Alltag hat sich schon verändert. Alleine durch die Tatsache, dass ich meine Medikamente nehmen muss. Zudem hat sich meine Lebenseinstellung geändert, mache mehr Sport, achte mehr auf mich. Das sind allerdings Sachen, die man auch ohne die Krankheit tun sollte (lacht).

Sie sagen, Ihre Lebenseinstellung habe sich verändert. Wie meinen Sie das genau?

Ich bin einfach offener geworden. Gehe auf Menschen zu. Gerade auch auf Menschen, die vor kurzem ihre Diagnose bekommen haben. Ich möchte ihnen die Angst nehmen, gehe mit ihnen zur Beratung oder Selbst-Hilfe-Gruppe.

Dabei haben Sie auch erst vor etwa neun Monaten erfahren, dass Sie HIV positiv sind. Was hat Ihnen am meisten geholfen, damit umzugehen?

Insbesondere die Unterstützung aus der Community, der Freunde und meines Partners. Vor allem meines Partners, der das super aufgenommen hat und mich von Anfang an unterstützt.

Ihr Tipp also für Neuinfizierte?

Ich empfehle jedem zur Aids-Hilfe zu gehen, mit anderen Betroffenen in Kontakt und Gespräche zu kommen. Zu fragen, „Was bieten Sie an”, und sich einen guten Schwerpunktarzt zu suchen. Und dann ein mündiger Patient sein. Mein erster Tipp setzt aber früher an: Sich testen lassen. Es kann jeden treffen.

Wieso haben Sie einen Aids-Test bei sich machen lassen?

Ich hatte über Monate hinweg geschwollene Lymphknoten. Bin also auf Verdacht zur Aids-Hilfe und habe für 15 Euro einen Schnelltest machen lassen. Das läuft übrigens anonym – auch wenn man positiv getestet wird.

Und warum sind Sie nicht zum Hausarzt gegangen?

Ich komme vom Land und wollte deswegen nicht zum Hausarzt gehen. Da kennt jeder jeden. Zudem gibt es bei der Aids-Hilfe geschulte Betreuer. Man begibt man sich dort in beste Hände. Seitdem ich positiv bin, habe ich auch keinen Hausarzt mehr in diesem Sinne. Ich gehe zu einem Schwerpunktarzt, der mich und meine Krankheit kennt.

Reden Sie offen über Ihre Krankheit?

Nein, also zumindest nicht mit jedem. Warum auch? Jemand mit einer Allergie stellt sicht ja auch nicht mit seiner Allergie vor. Es tangiert schließlich keinen. Ich bin ja nicht ansteckend. Was nervt Sie denn am meisten an dieser Krankheit? Einerseits das Tablettennehmen. Andererseits die ständige Frage: „Wie geht es dir?”. Das ist wahrscheinlich gut gemeint, aber es ist albern. Mir geht es gut. Einige scheinen das nicht zu begreifen.

„Positiv zusammen leben” lautet das Motto des diesjährigen Welt-Aids-Tages. Wie verstehen Sie diesen Satz?

Auf zwei Ebenen. Einerseits, dass es um die Unterstützung innerhalb der Community geht. Andererseits geht es darum, dass HIV-positive Menschen genauso zu der Gesellschaft dazugehören, wie alle anderen auch. Wir alle also positiv zusammenleben.

HIV in 20 Jahren: Was wünschen Sie sich?

Dass es nicht nur therapierbar, sondern auch heilbar ist. Aber realistisch: Depot-Medikamente wären eine tolle Errungenschaft, sodass die tägliche Medikamenteneinnahme nicht mehr nötig ist. Dennoch: Die Situation, in der wir sind, ist gut. Das ist nicht überall so.

Beispiel Russland. Dort steigt die Zahl der Infektionen schneller als in allen anderen Ländern der Welt.

Weil es tabuisiert wird. In Deutschland sind wir auf einem guten Weg. Weltweit muss sich noch einiges tun. Das fängt beim Zugang zu den lebenswichtigen Medikamenten an.

Die AIDS-Hilfe Fulda e.V. bietet jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat zwischen 15 und 16 Uhr im Gesundheitsamt des Vogelsbergkreises in Lauterbach eine Sprechstunde zum Thema HIV und Aids an. Die Beratung ist kostenlos. Gegen eine Gebühr von zehn Euro besteht die Möglichkeit zur Durchführung eines HIV-Antikörpertests. Zudem liegen Info-Broschüren bereit.

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