Wie präsentiert sich Alsfeld zum 800. Stadtjubiläum in 2022?

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2022 feiert die Stadt Alsfeld ihren 800. Geburtstag. Bis dahin stehen einige große Investitionen an.

Im Jahr 2022 feiert die Stadt Alsfeld ihren 800. Geburtstag. Über das gesamte Jubiläumsjahr verteilt sollen mehrere Veranstaltungen sowie ein großes Festwochenende stattfinden – Alsfeld möchte sich gebührend präsentieren. So sollen bis dahin die wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen abgeschlossen sein.

Alsfeld. Bürgermeister Stephan Paule spricht im Gespräch mit dieser Zeitung von „riesigen Investitionen in die Infrastruktur, die nun endlich getätigt werden.“ Es ist demnach nicht überraschend, dass in einigen Ortsteilen wie auch in der Kernstadt und der Schellengasse große Baustellen anstehen.

Die Obergasse

Es ist ein bekanntes und ebenso leidiges Thema: Der zunehmende Leerstand in der Obergasse. Zwölf Objekte stehen leer. Viele Pächter bestreiten nur kurze Gastspiele – jüngstes Beispiel: das Blumen-Geschäft „Zeit für Schönes“. Es gebe keine allgemein geltenden Gründe für die Leerstände und Schließungen in der Obergasse, sagt Paule. „Es verhält sich bei jedem Laden individuell.“ In einem Fall wolle der Eigentümer kein Geschäft in seiner Immobilie, in einem Fall sei der Umsatz zu schwach, in einem Fall kümmere sich der Eigentümer nicht um die Immobilie, in einem Fall gebe es Differenzen zwischen Eigentümer und Pächter, in einem Fall wolle der Eigentümer das Objekt nicht verkaufen, in einem Fall sei die Miete zu hoch. Es zeigt: Die Ursachen für den Leerstand sind vielfältig – dementsprechend schwierig ist es, Lösungen zu finden.

Bürgermeister Stephan Paule spricht von großen Investitionen in die Infrastruktur. Die größten Reparaturmaßnahmen werden pünktlich zum 800. Stadtjubiläum abgeschlossen sein

Der Stadt Alsfeld selbst gehört nur ein leerstehendes Objekt in der Obergasse: das Weinhaus, in dem das Restaurant „Zum Pranger“ nach einem Dreivierteljahr Ende 2018 schließen musste. Einen Nachfolger gibt es bislang nicht. Jedoch gebe es immer wieder Interessenten, so Paule. Kriterien, welche Art von Gastronomie dort einziehen solle, lege man nicht fest. „Das Gesamtkonzept muss uns überzeugen“, sagt Paule und ergänzt: „Es wäre schön, wenn es ein Angebot wäre, das es in Alsfeld noch nicht oder nicht so häufig gibt.“

Das Ratseck

Nur wenige Meter weiter wird für den Alsfelder „Kartoffelsack“ am Ratseck ein Nachfolger gesucht. Eine Institution, die im Januar das letzte Mal geöffnet hatte und die auch touristisch von zentraler Bedeutung für die Alsfelder Innenstadt ist. Uwe Eifert, Wirtschaftsförderer der Stadt, sagte bereits im Dezember vergangenen Jahres: „Es gibt in der Alsfelder Innenstadt kein anderes Restaurant, das eine solche Zahl an Touristen und Besuchern bewirtschaften kann.“ Bürgermeister Stephan Paule sieht es ähnlich und bedauert die Schließung, die so nicht hätte stattfinden müssen. Verkaufen möchte der Eigentümer die Immobilie nicht.

Die Mainzer Gasse

Viele Jahre lang war eher die Mainzer Gasse das „Problemkind“ der Alsfelder Innenstadt – das hat sich sichtlich geändert. Dort sind heute keine Leerstände mehr zu sehen. Das strebe man auch in der Obergasse an, so Paule. Deswegen werde man in naher Zukunft mit den Eigentümern leerstehender Gebäude an einem runden Tisch zusammenkommen, um einen Konsens zu erarbeiten. Denn Fakt ist: Schmutzige und leere Schaufenster schaden dem Stadtbild. „Insbesondere der Abschnitt zwischen Kaplaneigasse und Schaufußgasse ist eine Leerstand-Ecke mit großen leeren Schaufenstern“, sagt Paule. Ein Problem, das man dringend angehe wolle.

Die „Lokale Ökonomie“

Die Stadt Alsfeld unterstützt Gewerbetreibende zum Beispiel mit einem „Mietfreien Startquartal“. Zusätzlich konnte die Stadt in das EU-Programm „Lokale Ökonomie“ aufgenommen werden. Investitionen der Unternehmen in der Alsfelder Altstadt – etwa in Umbaumaßnahmen, Innenausstattung oder die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen – werden in diesem Rahmen bis zu 50 Prozent gefördert. Die Stadt versuche Gewerbetreibende so gut wie eben möglich zu unterstützen. „Eines können wir aber nicht geben: Rentabilität“, sagt Paule. Die Förderprogramme könnten nur gesunden Unternehmen dienen. Einige von ihnen hätten bereits auch Fördermittel aus dem Programm „Lokale Ökonomie“ erhalten.

Der Marktplatz

Die Marktplatz-Sanierung inklusive der Obergasse am Schwälmer Brunnen soll Ende dieses Jahres, spätestens im Frühjahr kommenden Jahres, abgeschlossen sein. Optisch wird sich der sanierte Marktplatz wenig zum alten abheben. Doch technisch sei er nach den Baumaßnahmen auf dem neusten Stand – und barrierefrei, so Paule. Dann stünde er wieder für sämtliche Veranstaltungen und somit auch für die Jubiläumsfeierlichkeiten in 2022 zur Verfügung. Auch wolle die Stadt den Wochenmarkt nach Fertigstellung des Marktplatzes neu aufstellen – mit den Schwerpunkten Regionalität und Originalität. Ob der Wochenmarkt in Zukunft auf einen anderen Tag verschoben wird, zum Beispiel auf den Samstag, kann Paule zum jetzigen Zeitpunkt nicht endgültig sagen. Es gebe viele Ideen, mehr sei derzeit noch nicht spruchreif. Auch könne sich Paule gut vorstellen, dass jährlich wieder ein Marktspiel stattfinde. „Das waren tolle Veranstaltungen und Zuschauermagneten.“

Die Schellengasse

Der Aufschrei ließ nicht lange auf sich warten als bekannt wurde, dass ab April dieses Jahres die Schellengasse für über ein Jahr saniert werden soll. Am 20. April gehen die Bauarbeiten auf und unter der Schellengasse los – zunächst auf dem Abschnitt zwischen Ludwigsplatz und Zufahrt „Rossmann“ und „Tedi“. Vier weitere Bauabschnitte wird es geben, die dann jeweils vollgesperrt sein werden. Auf einer dazu anberaumten Infoveranstaltung in der vergangenen Woche konnte Hessen Mobil erste Wogen glätten: Denn jedes Geschäft wird zu jedem Zeitpunkt erreichbar sein. Auch die LKW-Umleitung soll nach den Plänen weiträumig um Alsfeld entlangführen. „Die Maßnahmen an der Schellengasse sind minutiös vorbereitet, sodass die Einschränkungen so gering wie möglich sind“, sagt Paule. Doch klar sei – das sagte er bereits bei der Infoveranstaltung zu den rund 80 Anwesenden: „Solche Baumaßnahmen finden nicht ohne Beeinträchtigungen statt.“ Auf insgesamt 700 Metern wird die Schellengasse erneuert – auf den ersten drei Bauabschnitten noch in diesem, auf den letzten beiden im kommenden Jahr. „Im Winter wird alles abgebaut, die ersten drei Abschnitte sind fertig und die Schellengasse befahrbar“, erklärt Paule. Dass die Fahrbahn auf der Schellengasse in keinem guten Zustand ist, verwundert nicht: Laut Hessen Mobil nutzen durchschnittlich 11473 Kraftfahrzeuge, davon über 1000 Lkw, täglich die Straße. Deutlich mehr seien es, wenn auf der A5 Stau sei.

Hier, zwischen Ludwigsplatz und der Zufahrt zu Rossmann und Tedi, geht es am 20. April mit den umfangreichen Bauarbeiten an der Schellengasse los.

Das hohe Verkehrsaufkommen wirkt sich auch auf die Stickstoffdioxid-Belastung (NO2) aus – erste nicht amtliche Messungen ergaben im Frühjahr 2018, dass der Langzeitgrenzwert für Stickstoffdioxid von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft teilweise deutlich überschritten wurde. Es hieß sogar, nirgends sei die Luft in Hessen schlechter. Amtliche Messungen, die in der Folge aufgenommen wurden, zeigen auch, „dass die Grenzwerte tendenziell überschritten werden“ – so äußerte sich vergangene Woche ein Vertreter von Hessen Mobil. Um dem Problem der Stickstoffdioxid-Belastung entgegenzutreten, wird das Bauprojekt Schellengasse ein Pilotprojekt in Mittelhessen: Mit einem speziellen Titandioxid-Granulat, dem sogenannten „Airclean Granulat“ soll die Asphaltdecke ausgestattet werden. Laut Hersteller wird die Straße dadurch nicht nur heller als herkömmliche, sondern vor allem klimafreundlicher: Zehn bis 15 Prozent der Stickstoffdioxide könne das Granulat binden. Im Jubiläumsjahr wird sich die Schellengasse somit auf dem neuesten Stand der Technik und runderneuert präsentieren.

Der Maßnahmenplan des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts.

Die Stadteingänge

Am Ludwigsplatz, am Mainzer Tor und an der Lutherstraße sollen zudem die Eingänge zur Altstadt attraktiver und offensichtlicher gestaltet werden. „Wir werden keine Stadttore bauen“, sagt Paule. Vielmehr gehe es darum mit einer Begrünung und mit weiteren baulichen und künstlerischen Mitteln zu signalisieren: Hier beginnt die historische Altstadt. Mit diesen Maßnahmen wolle man ebenfalls noch in diesem Jahr beginnen.

Das Regionalmuseum

Der Geschichts- und Museumsverein Alsfeld arbeitet anlässlich des 800-jährigen Jubiläums der Stadt bereits an einer Festschrift. Und pünktlich zum Festjahr soll auch ein Teil des Regionalmuseums wieder für Besucher geöffnet werden. Im Herbst dieses Jahres sollen die Arbeiten am Neurathhaus, das seit 2015 saniert wird, abgeschlossen sein, sodass dieser Teil zum Stadtjubiläum öffnen kann.

Kommentar

Von Maximilian Gerten

Es sind große Maßnahmen, die derzeit in Alsfeld unternommen werden, „dringend notwendige Infrastrukturmaßnahmen, die sich im Laufe der Jahre angestaut haben“, wie sie Bürgermeister Stephan Paule bezeichnet. Es sind Maßnahmen, die nicht das Stadtbild grundsätzlich ändern, aber doch nachhaltig prägen werden. Schellengasse, Marktplatz, diverse Ortsdurchfahrten – da wird den Alsfelder schon einiges abverlangt. Viel positiver: Da wird eine Menge in die Alsfelder investiert. Investitionen sind ein Zeichen des Fortschritts – das Gegenteil des Stillstands. Darüber dürfen sich die Alsfelder Bürgerinnen und Bürger freuen. Es tut sich was. Denn das ist für eine Kleinstadt wie Alsfeld, die sich in der Rangliste Hessens größter Städte auf Platz 84 befindet, leider keine Selbstverständlichkeit.

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