Prozess nach Messerattacke: Opfer aus Alsfeld schildert Tatgeschehen

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Angeklagt ist ein 17-jähriger Alsfelder vor dem Gießener Landgericht wegen versuchten Totschlags.

Beim Prozess vor dem Jugendschöffengericht Gießen wegen versuchten Totschlags kamen nun die ersten Zeugen zu Wort. Angeklagt sind ein 17-jähriger Alsfelder wegen versuchten Totschlags sowie sein 15-jähriger Bruder und ein 27-jähriger Verwandter wegen schwerer Körperverletzung. Sie sollen am 11. Juni vergangenen Jahres einen 23-jährigen Eritreer mit Gürtel geschlagen haben. Anschließend soll der 17-Jährige Alsfelder ihm mit einem Messer einen 25 Zentimeter langen Schnitt quer über den Bauch zugefügt haben, weshalb sein Opfer lebensgefährliche Verletzungen erlitt. Die Mutter des mutmaßlichen Täters verweigerte die Aussage.

Aus Versehen an Fahrrad gestoßen

Als weiterer Zeuge wurde der 20-jährige Freund des Opfers angehört. Der Eritreer bekam einen Übersetzer an die Seite gestellt. Trotzdem erschwerte die Sprachbarriere die Befragung massiv. Er berichtete, dass er, das spätere Opfer des Messerstechers sowie zwei weitere Bekannte gegen 22.30 Uhr durch die Stadt spazierten. An einer Engstelle des Bürgersteigs sei ein Fahrrad an einem Verkehrsschild festgekettet gewesen. Beim Vorbeigehen sei einer von ihnen aus Versehen gegen das Rad gestoßen, das daraufhin leicht in Schräglage geriet. Aus dem Fenster des dahinter befindlichen Wohnhauses habe eine Frau für die Eritreer unverständliche Worte gerufen. Die Gruppe habe ohne Beachtung ihren Weg fortgesetzt, sei dann jedoch von der Frau und ihren drei Begleitern sowie zwei kleineren Kindern eingeholt worden. Wieder habe es einen Wortwechsel gegeben, den die Vierergruppe nicht verstand. Dann habe sich die Auseinandersetzung plötzlich auf das spätere Opfer konzentriert, der davonlief. Er sei von den beiden älteren Angeklagten verfolgt worden. Als die Gruppe ihren Freund in der Schillerstraße erreichte, habe dieser bereits schwer verletzt auf dem Boden gelegen.

Ähnliches schilderte der Eritreer, der durch den Messerstich schwer verletzt wurde. Er konnte nicht mit Sicherheit sagen, ob überhaupt er gegen das Fahrrad gestoßen sei. Absichtlich sei dies jedenfalls nicht passiert. Er berichtete über eine lautstarke Diskussion, wobei auch er die Worte nicht verstand. Er sei jedoch überzeugt gewesen, dass es dabei um das Fahrrad ging. Nie habe er vorher mit den Personen des Hauses zu tun gehabt. Vor Gericht zeigte er die lange Bauchnarbe sowie eine Narbe am Kinn von einem Schlag mit dem Gürtel. Weitere Schläge hätten ihm am Rücken getroffen. Wer von den beiden älteren Angeklagten ihn mit dem Messer verletzt habe, konnte er nicht sagen. Noch heute leide er unter Schmerzen im Bauch, die ihn bei der Arbeit einschränken. Auch habe er Ängste entwickelt, das Haus zu verlassen, da er wieder Opfer einer Attacke werden könnte. Bei dem nächsten Verhandlungstermin am kommenden Montag werden weitere Zeugen gehört.

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