Prozessauftakt im "Mordfall Johanna Bohnacker"

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Der Angeklagte wird in den Prozesssaal geführt.

Vor 18 Jahren soll er Johanna Bohnacker entführt, missbraucht und ermordet haben. Erst letztes Jahr wurde er gefasst. Heute stand er vor Gericht: Prozessauftakt im "Fall Johanna".

Der 42-jährige Angeklagte muss sich seit Freitag vor dem Landgericht Gießen wegen Mordes, sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung der damals acht Jahre alten Johanna Bohnacker sowie Besitz kinderpornografischer Schriften verantworten, verliest Staatsanwalt Thomas Hauburger die Anklageschrift. Der Angeklagte steht im Verdacht, Johanna am Nachmittag des 2. September 1999 im Bereich eines in Ranstadt-Bobenhausen gelegenen Radweges mit Chloroform betäubt, gewaltsam in sein Fahrzeug gezerrt und sich im Folgenden an dem Mädchen sexuell vergangen zu haben. Anschließend soll er das Kind mit "Panzertape" gefesselt und geknebelt haben, wodurch sein Opfer schließlich erstickt sein soll. Johannas Leichnam wurde in einem Waldstück in der Gemarkung Alsfeld-Lingelbach abgelegt, wo die sterblichen Überreste am 1. April 2000 gefunden wurden. Soweit die Anklage.

Der Angeklagte mit Verteidigung.

Die Verteidigung kündigte im Folgenden an, dass der Beschuldigte aussagen möchte. Seine Aussage ist für den 9. Mai vorgesehen. Der Angeklagte legte im Vorhinein ein Teilgeständnis ab: Er räumte den Missbrauch ein, stellte den Tod des Mädchens aber als Unfall dar. Im Prozess wird es demnach auch um die Frage gehen, ob der Mann vorsätzlich tötete oder den Tod "lediglich" billigend in Kauf genommen hat. Das Strafmaß würde bei einer Körperverletzung mit Todesfolge geringer ausfallen als bei Mord.

Festnahme nach 18 Jahren

Der arbeitslose und ledige Beschuldigte geriet durch einen Vorfall, der sich im August 2016 in einem Maisfeld bei Nidda ereignete, in den Fokus der Strafverfolgungsbehörden. Hier war der Mann zufällig von Passanten bei sexuell motivierten Fesselungsspielen mit einer 14 Jährigen ertappt worden. Im Zuge der daraufhin eingeleiteten Ermittlungen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen, konnten aufgrund des Umstands der Fesselung und des Verwendens von Klebeband Parallelen zum "Fall Johanna" hergestellt werden.

Nachdem die Wohnräume des Beschuldigten Mitte Februar 2017 anlässlich des Übergriffs im Maisfeld durchsucht worden waren, erhärteten sich die Verdachtsmomente. Denn bei dem Beschuldigten konnte umfangreiches kinderpornografisches Bildmaterial und weitere Beweismittel sichergestellt werden.

„Spur 11“ führt zum Erfolg

Die im Anschluss gegründete "SOKO Johanna 2017" initiierte umfangreiche Überwachungsmaßnahmen, tätigte zeitaufwändige digitalforensische Auswertungen, befragte eine Vielzahl von Zeugen und holte ergänzende Spurengutachten ein. Insbesondere wurde die sogenannte "Spur 11", also das auf einem am Leichenablageort aufgefundene Klebebandstück gesicherte Fingerspurenfragment, durch das Kriminaltechnische Institut des Bundeskriminalamts untersucht und mit den "neuen", seit 2017 vorliegenden Fingerabdrücken des Beschuldigten verglichen. Die Sachverständigen konnten feststellen, dass der Abdruck des linken Daumens des Beschuldigten im Vergleich mit der "Spur 11" mehrere Übereinstimmungen aufweist. Sämtliche erkennbaren Merkmale des am Klebeband befindlichen Teilabdrucks finden sich auch am linken Daumen des Tatverdächtigen wieder.

Des Weiteren konnten bei der bereits erwähnten Durchsuchung Anfang 2017 unter anderem auch Klebebänder in der Wohnung des Beschuldigten sichergestellt werden. Die Asservate wurden dem Hessischen Landeskriminalamt zur Untersuchung übersandt. Die Spurenexperten konnten hierbei feststellen, dass sich an den am Leichenablageort aufgefundenen Klebebandresten die gleichen Acrylfasern wie an den Klebebändern aus der Wohnung des Beschuldigten befinden.

Diese Sachbeweise, gepaart mit dem Umstand, dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt über einen "VW-Jetta" mit "HG-Kennzeichen" verfügte, begründet den dringenden Tatverdacht gegen den Angeklagten, der seitdem in der Justizvollzugsanstalt Gießen einsitzt.

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