Rettung aus der Luft: Drohnenpilot aus Ottrau bewahrt Rehkitze vor dem Mähdrescher

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Vor dem Ausmähen bewahrt: Dieses junge Rehkitz konnte rechtzeitig lokalisiert werden und vor dem Ausmähen bewahrt werden.

Für Ricken ist hohes Gras der ideale Ort, ihre jungen Kitze sicher abzulegen, auch Junghasen verstecken sich hier gern. Wäre da nicht der Mähdrescher. Rund 10.000 Jungtiere fallen ihm jährlich zum Opfer. Um die Tiere zu retten, kommen verstärkt auch Drohnen mit Wärmebildkameras zum Einsatz.

Bad Zwesten/Ottrau. Für Ricken ist hohes Gras der ideale Ort, ihre jungen Kitze sicher abzulegen, auch Junghasen verstecken sich hier gern. Dagegen legen Rebhühner ihre Gelege bevorzugt in und an Randbereichen von Wiesen, Böschungen und sonstigen Übergangsstrukturen an. Die kürzlich bevorstehende Heumahd kann für die Jungtiere und Gelege von Bodenbrütern leicht zur tödlichen Falle werden, wenn sie noch so klein sind, dass sie sich drücken und noch nicht selbständig die Flucht ergreifen können. Nach Schätzungen des Vereins „Die Kitzretter e.V.“ werden in Deutschland jedes Jahr etwa 10.000 Rehkitze ausgemäht. Junghasen und Gelege werden beim Mähen meist gar nicht bemerkt –und das, obwohl von Landwirten und Jägern eine Vielzahl von Methoden angewendet werden, um dies zu vermeiden.

Drohnenflug als Spende für die Tierrettung

Um solche Verluste zu verhindern sollte auch in diesem Jahr wieder ein Drohnenflug mit Wärmebildkamera im Feldflurprojekt Bad Zwesten durchgeführt werden. Da Corona-bedingt kein Sponsor gefunden werden konnte, welcher die Kosten des Drohnenfluges übernehmen konnte, erklärte sich der Drohnenpilot Stefan Vones aus Ottrau spontan bereit, die Durchführung in diesem Jahr ohne Rechnungstellung stattfinden zu lassen, um damit das Feldflurprojekt Bad Zwesten zum Rebhuhnschutz aktiv zu unterstützen.

Seit einigen Jahren etabliert sich der Drohnenflug mit Wärmebildkamera immer mehr beim Einsatz zur Wildrettung. Anstelle einer „normalen“ Fotokamera wird hierbei eine Wärmebild-Kamera unter der Drohne befestigt. Die Wärmebildkamera zeichnet alle Temperaturunterschiede des abgesuchten Gebietes auf. Kältere Bereiche sind dunkler dargestellt, wärmere Bereiche hell bis weiß. So kann am Bildschirm genau geortet werden, wo sich eine Wärmequelle befindet.

Drohnenpilot Stefan Vones aus Ottrau bringt die Drohne in die Luft. Mithilfe einer an ihr befestigten Wärmebildkamera sollen junge Rehkitze im Gras aufgespürt werden.

Die Flugbahn der Drohne kann manuell gesteuert werden oder automatisiert nach vorheriger Eingabe der Außengrenzen der abzusuchenden Fläche. Die Flughöhe beträgt 10 bis 15 Meter. Taucht auf dem Bildschirm eine Wärmesignatur auf, kann ein Helfer vom Piloten gezielt zur Wärmequelle dirigiert werden, um nachzusehen, was die Ursache ist. Rehkitze und Junghasen werden vorsichtig herausgetragen, Gelege weiträumig markiert, der Landwirt kann seine Fläche gefahrlos mähen. So bleiben die Jungtiere am Leben und das Futter frei von giftigen Verunreinigungen.

Strenge Regeln für den Drohnenflug

Nicht überall darf mit einer Drohne geflogen werden: Naturschutzgebiete sind ebenso tabu wie unter anderen Kliniken, Krankenhäuser und Behördengebäude. Der Flug sollte bei der Polizei angemeldet und muss unbedingt von der Landesluftfahrtbehörde genehmigt werden. Auch ist die Einverständnis des Eigentümers der überflogenen Flächen einzuholen. Zukünftige Drohnenpiloten brauchen ab einem Drohnengewicht von zwei Kilogramm einen Sachkundenachweis, die Vorgaben der Drohnenverordnung sind zu beachten.

In den frühen Morgenstunden wurden diesmal drei zu mähende Wiesen und die hieran angrenzenden Wegränder und Böschungen zur Suche abgeflogen, insgesamt eine Fläche von rund vier Hektar. Auf zwei der beiden Wiesen gab es durch mehrfache Sichtungen von Rebhuhn-Paaren den Verdacht des Vorhandenseins eines Geleges. Die dritte Wiese grenzte mit Ihrer Längsseite direkt an eine der im Projekt speziell für die Rebhühner angelegten, mehrjährigen Blühfläche an. Die an die Blühfläche angrenzende Wiese zeigte mehrere frische Kitz-Betten; das zugehörige Kitz lag allerdings nebenan in der Blühfläche. Die erste Wiese mit Gelege-Verdacht wurde abgeflogen ohne eine Wärmesignatur zu finden.

In einem Bereich der Wiese mit sehr dichtem Bewuchs und Übergang in eine Hecke wurde zusätzlich zur Sicherheit noch mit einem Vorstehhund abgesucht –ebenfalls ohne Erfolg. Bei der einige Stunden später durchgeführten Mahd beobachtete der Landwirt jedoch einen Rebhahn und ließ in der Folge einen breiten Streifen Gras stehen, dort wo er das Gelege vermutete. Auf der zweiten Wiese mit Gelege-Verdacht fand sich im oberen Bereich im Übergang zur Böschung eine Wärmesignatur; der Bereich wurde markiert und bei der Mahd weiträumig vom Landwirt ausgespart.

Experiment mit Haushühnern

Da es bisher nahezu keine Erfahrungen zur Gelege-Rettung per Wärmebildkamera gibt und sich trotz Drohnenflug und Hundesuche ein Gelege in einer der abgesuchten Mähwiesen befand, nutzte Drohnenpilot Stefan Vones kurzerhand die Haushühner seiner Nachbarn für ein Wärmebild-Experiment. Aber auch die deutlich größeren Haushühner lieferten leider ebenfalls nur eine schwache Wärmesignatur.

Somit muss wohl leider davon ausgegangen werden, dass es fast nicht möglich ist, eine auf dem Nest sitzende Rebhenne per Wärmebild zu lokalisieren, da ihr Gefieder die Körperwärme zu gut abschirmt und sie somit keine sichtbare Wärmesignatur hinterlässt.

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