Mit Schlagstock attackiert: Drei junge Männer in Alsfeld verurteilt

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Mit Schlagstock und Schlagring gingen sie auf zwei Syrer los. Dafür wurden die drei Männer vor dem Alsfelder Amtsgericht jetzt verurteilt.

Erdrückend war die Beweislast gegen drei junge Deutsche im Alter von 20 bis 22 Jahren. Sie wurden vor dem Alsfelder Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung gegen zwei junge Syrer angeklagt. Die drei Männer sollen mit einem Schlagstock und einem Schlagring die zwei Syrer attackiert haben.

Nur dem mehr oder weniger umfänglichen Einräumen der Tat war es zu verdanken, dass sie mit Verwarnungen und Geldstrafen davonkamen. Hätten sie, wie zu Beginn des Prozesses, weiterhin ihre Tat verharmlost, wären auch Haftstrafen drin gewesen, so der Richter.

Vor Gericht stellte sich die Tat, die sich vor einem Jahr auf der Zauberhaften Nacht in Alsfeld ereignete, wie folgt dar: Die drei Angeklagten fuhren mit dem Auto durch Alsfeld und wollen bemerkt haben, wie zwei Syrer auf ihr Auto spuckten. Ob dies tatsächlich geschah, ließ sich nicht abschließend klären. Der Autobesitzer fühlte sich offensichtlich provoziert und stieg, mit einem Schlagstock bewaffnet, aus. Ihm folgte ein weiterer Jugendlicher mit Schlagring. Während sie die zwei Syrer angriffen, suchte deren Fahrer eine Parkmöglichkeit. Jede Menge Schläge kassierte der kleinere der beiden Syrer ein, bevor er den Schlagstock entwenden und zusammen mit seinem Freund flüchten konnte. Folge der Schläge waren zwei Tage Bettruhe, wobei er sich nicht bewegen konnte. Auch für den größeren Syrer blieb die Tat nicht folgenlos: Dieser traute sich zwei Wochen nicht aus dem Haus und verpasste dadurch seinen Integrationskurs. Daraufhin musste er kräftige Leistungskürzungen vonseiten des Jobcenters erdulden.

Als die Jugendlichen bemerkten, dass sie die Syrer aus den Augen verloren, verfolgten sie diese mit dem Auto. Dass dem so war, bewies der Richter mit dem Abspielen einer Voicemail, die währen der Fahrt aufgenommen wurde. Worte wie „Junge, denen hau ich so die Schnauze ein“, „deshalb habe ich Schlagring“, „guck mal, ob die hier sind“ und „da sind sie net, da sind sie net“ klangen durch den Gerichtssaal. Daraufhin gab der Richter den drei Angeklagten die Möglichkeit, in einer Sitzungsunterbrechung ihre Strategie zu überdenken und eventuell ein Geständnis abzulegen. Dies geschah dann auch. Sie gaben zu, die Syrer mit dem Auto verfolgt zu haben. Diese Teilgeständnisse wirkten sich denn auch strafmildernd aus. In der Altenburger Straße Ecke Jahnstraße in Alsfeld trafen die Angeklagten erneut auf die Syrer. Diesmal soll der Autobesitzer einen pistolenähnlichen Gegenstand in der Hand gehalten haben. Die Syrer flüchteten in Richtung einer Polizeistreife, woraufhin das Auto mit den drei Insassen flüchtete.

Folgende Urteile fand der Richter für die drei Angeklagten: Der 22-jährige Besitzer des Wagens wurde nach Erwachsenenstrafrecht wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung zu einer Geldstrafe von 2400 Euro verurteilt. Sein 20-jähriger Freund, der ihm mit einem Schlagring zu Hilfe kam, wurde nach Jugendstrafrecht beurteilt. Er hat 1200 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen und an einem Antiaggressionstraining teilzunehmen. Für den Fahrer des Trios beantragte dessen Verteidiger, es lediglich bei einer Verwarnung zu belassen, da dieser sich nicht an den Schlägen beteiligt hätte. Der Richter sah jedoch auch bei ihm eine Mitschuld: „Ihr Beitrag ist umso wesentlicher, denn ohne Auto wäre die Tat so nicht möglich gewesen.“ Er hätte, gerade, weil er als einziger keinen Alkohol getrunken hatte, die moralische Verpflichtung als Freund gehabt, diese Jagd zu beenden. Auch er muss 1200 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

Einen rechtsradikalen Hintergrund der Tat sah das Gericht nicht gegeben.

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