Schwerer Schicksalsschlag: 32-Jähriger verliert sein linkes Bein

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Der Rollstuhl bleibt in Zukunft sein Begleiter.
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An den Anblick des neuen Stumpfes muss sich der 32-Jährige erst noch gewöhnen.
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Ein letzte Foto mit Bein, zwei Tage vor dem OP-Termin.
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Alsfeld Aktuell-Redakteurin mit Christopher Weitzel
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Ganze vier Jahre kämpfte Christopher Weitzel gegen die Folgen seiner Diabetes-Erkrankung. Jetzt verlor der 32-Jährige dabei sein linkes Bein.

Nachdem ein multiresistenter Keim in eine Wunde am linken Fuß eingedrungen war, Folge der langjährigen Diabetes 1- Erkrankung, musste das Bein nun letzte Woche amputiert werden.

ALSFELD AKTUELL besuchte Weitzel zwei Tage vor und fünf Tage nach der alles verändernden Operation.

Mit zehn Jahren diagnostizierten die Ärzte bei ihm Diabetes Typ 1, eine Krankheit, die seine Eltern überforderte. „Mit 14 Jahren kam ich ins Krankenhaus. Dort wurde mein Blutzuckerspiegel gemessen. Der Wert lag bei stolzen 980. Da haben mich die Ärzte sofort dabehalten, der Wert war außergewöhnlich hoch.” Ein Wert bis 160 mg/dl sei normal.

Daraufhin brachte ihn die Kinderklinik Marburg in einem Kinderheim unter. Doch auch da kümmerte sich niemand darum, dass der Junge auf einen konstanten Blutzuckerwert eingestellt wurde und regelmäßig seine Medikamente einnahm.

„Erst als junger Erwachsener habe ich kapiert, wie wichtig eine regelmäßige Medikamenteneinnahme ist”, erklärt Weitzel. Er ist ein fröhlicher Mensch, nichts bringt ihn so leicht aus der Ruhe. Bekannt ist er durch seine Moderationen als Christopher Din auf den Bühnen in Alsfeld in Verbindung mit dem Vogelsbergradio geworden. Dorthin humpelte er meist mit der großen Schiene an seinem linken Bein, die es vor Verletzungen schützen sollte, und verbreitete gute Laune. Auch Charity-Projekte, wie etwa für die kleine Summer, begleitete er. Jetzt ist er selber hilfsbedürftig geworden.

Mehrere Blutvergiftungen sind lebensbedrohlich

„Meine Zehen spüre ich schon lange nicht mehr. Wenn ich mich am Fuß verletze, merke ich das gar nicht”, erzählt er. So kam es immer wieder zu offenen Wunden am linken Fuß. Die Infektionen griffen auf die Knochen über, manche Zehe konnte nicht mehr gerettet werden. „In den letzten vier Jahren war ich etwa anderthalb Jahre im Krankenhaus. Es ist für mich schon normal, hier zu sein”, sagt er, auf der Bettkante seines Krankenhausbettes sitzend. Bald schon drang in die Wunde an seinem Fuß ein aggressiver multiresistenter Keim ein, zahlreiche gefährliche Blutvergiftungen folgten und das war lebensgefährlich. „

Plötzlich habe ich hohes Fieber bekommen. Da wusste ich, dass ich schnell wieder ins Krankenhaus muss. Schmerzen hatte ich ja nie, dafür waren die Nerven schon zu sehr geschädigt.” Eine MRT-Aufnahme zeigte dann die Katastrophe: Der aggressive Keim hat die Knochen des Fußes durchlöchert wie ein Sieb. Um ein Ausbreiten zu verhindern, kam die schlimme Nachricht: Das Bein muss ab. „Das war für mich natürlich erst mal ein Schock. Allerdings habe ich mich damit getröstet, dass ich dann hoffentlich die Krankenhäuser erst mal hinter mir lassen und endlich wieder was unternehmen kann”; sagt der 32-Jährige zuversichtlich.

Die OP selbst verlief komplikationslos. Weitzel: „In der Nacht, als ich alleine war, habe ich mich zum ersten Mal getraut, die Bettdecke wegzuschlagen und mir mein Bein anzuschauen. Das war schon ein komisches Gefühl. Aber es sah weniger schlimm aus, als ich dachte.” Den Stumpf selbst findet er ganz gut gelungen: „Das Ende sieht aus wie ein Boxsack. Die Narbe ist ganz ordentlich und gerade am unteren Rand und heilt gut.”

Um die starken Schmerzen ertragen zu können, haben ihm die Ärzte ein Betäubungsmittel gegeben. „Was ich vollkommen unterschätzt habe, sind die Phantomschmerzen. Da ich meine Zehen schon lange nicht mehr gespürt habe, dachte ich, ich bleibe davon verschont. Jetzt spüre ich sie wieder, und nachts tun sie dann auch richtig weh. Wenn ich auf der Bettkante sitze, habe ich das Gefühl, mein Fuß steht auf dem Boden, obwohl er gar nicht mehr da ist”, erklärt Weitzel. Zuversicht wechsle sich mit Momenten tiefster Depression ab. Diesen traumatischen Eingriff emotional zu verarbeiten, wäre ein Kraftakt.

Der Rollstuhl verändert nun sein Leben

Nun ist Weitzel auf einen Rollstuhl angewiesen. Ungewohnt für einen jungen Menschen, der sich bisher frei bewegen konnte. „Ich muss mich erst daran gewöhnen, dass ich andere Menschen um Hilfe bitten muss, wenn ich irgendwo hin will. Du glaubst ja gar nicht, wie anstrengend das ist, mit nur einem Bein aufzustehen oder sich irgendwo hinzusetzen. Und die Kraft in den Armen, um mich irgendwo hinzuschieben, ist auch noch nicht ausreichend. Das ist neu für mich, so hilflos zu sein”, erklärt der 32-Jährige nachdenklich. „In meine Wohnung kann ich nicht zurück. Da komme ich mit einen Rollstuhl gar nicht hin mit den beiden Treppen.” Er hofft nun, bald eine behindertengerechte Wohnung zu finden.

Doch Weitzel sieht auch die positiven Seiten: „Jetzt bin ich endlich keimfrei. Ich hoffe, nun fängt ein neues Leben jenseits der Krankenhäuser für mich an.” Und er hofft, gerade Jugendliche auf Gefahren der Krankheit aufmerksam machen zu können.

Kurz-Info: Ursache, Symptome, Folgen, Behandlung

Ursache des Typ-1-Diabetes ist fast immer eine Autoimmunreaktion. Die genauen Hintergründe sind nicht bekannt. Möglicherweise fördern bestimmte Umweltfaktoren oder Virusinfektionen die Entstehung eines Typ-1-Diabetes.

Symptome sind:

• häufiger Harndrang

• starker Durst

• Müdigkeit und Abgeschlagenheit

• trockene, juckende Haut

• Gewichtsverlust

• Azetongeruch der Atemluft

• Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen

Hohe Blutzuckerwerte fördern die Entstehung von Verkalkungen an den Gefäßinnenwänden. Sie können auch die Nervenzellen angreifen und beispielsweise Taubheit und Kribbeln hervorrufen. Schädigungen der Netzhaut gehören zu den häufigsten Folgen von Diabetes. Sie können bis hin zur Erblindung führen. Zu den besonders gefährdeten Körperregionen bei Diabetes gehören die Füße. Kleine Verletzungen können sich hier schnell zu Geschwüren entwickeln, sodass unter Umständen sogar eine Amputation notwendig wird.

Im Wesentlichen setzt sich die Behandlung eines Typ-1-Diabetes aus drei Bausteinen zusammen:

• Zuckerwerte kontrollieren

• Insulin spritzen

• Kohlenhydrate im Essen berechnen

Quelle: Apothekenumschau

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