Schweres Leben der Räuber in Oberhessen: Vortrag Historiker Reif

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Die „Vogelsberger Bande“ trieb in Oberhessen im 19. Jahrhundert ihr Unwesen.

Gar nicht zimperlich ging es zu, als Anfang des 19. Jahrhunderts Räuberbanden durch Oberhessen zogen. Deren Geschichte erforschte Historiker Dr. Sascha Reif und informierte damit eine große Zuschauerzahl in einem kurzweiligen Vortrag.

Bis auf den letzten Platz war die alte Synagoge in Ober-Gleen besetzt, auf der Empore standen ebenfalls Zuschauer, um Reifs Ausführungen zu folgen. „Räuberbanden waren ein weit verbreitetes Phänomen“, informierte Reif. Diese hatten im 18./19. Jahrhundert ihre Blütezeit. Und gerade in Oberhessen waren sie weit verbreitet. Doch wie kam das zustande? „Hessen war das Land der armen Leute. Oberhessen hatte keine reichen Bevölkerungsschichten“, so Reif. Deshalb lebten fünf bis zehn Prozent der Menschen in Deutschland auf der Straße. Das waren 300.000 bis 500.000 Menschen.

Historiker Dr. Sascha Reif beim Vortrag.

Händler, Krämer, Tagelöhner, Abdecker, Schausteller und ehemalige Soldaten gehörten zu den vagabundierenden Unterschichten. Deshalb waren viele auf den Diebstahl angewiesen, um zu überleben. Und Oberhessen bot sich als Transitland geradezu an. Wichtige Handelsstraßen führten durch die Gegend, die noch dazu zwischen verschiedenen Grafschaften und Fürstentümern aufgeteilt war. Und eine Strafverfolgung endete an den innerdeutschen Grenzen. Große Waldgebiete boten obendrein gute Versteckmöglichkeiten. Die „Vogelsberger Bande“ bestand aus 160 Männern mit den dazugehörenden Frauen.

 Fahndungslisten mit gezeichneten Porträts sollten helfen, die Diebe, die es vorwiegend auf Kupferkessel und Lebensmittel abgesehen hatten, zu ergreifen. Wer erwischt wurde, hatte mit harten Strafen zu rechnen. Die „peinliche Gerichtsordnung“, wobei es bei Pein um Schmerzen geht, folterte bis zum Geständnis. „Lieber wurde ein Unschuldiger gehängt als niemand“, erklärte Reif. Einen „Robin Hood“ gab es im Vogelsberg nicht. Geraubt wurde wohl vor allem aus der Not heraus. Ab 1850 gab es eine bessere Armenversorgung und Polizeidiener, wodurch sich das Problem mit den Diebstählen in Oberhessen langsam entspannte. Armin Becker vom Heimatverein dankte für den gelungenen Vortrag mit Flaschen von Schmer und Kienöl.

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