Selbstversuch: Mit dem Blindenstock durch Alsfeld

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An Fußgängerübergängen, auf Wegen, vor Treppen: Dort sind die weißen Rillen- und Noppenplatten zu finden, die Blinden und Sehbehinderten den Gang durch die Stadt erleichtern sollen.

Wie das genau funktioniert und wo noch Verbesserungsbedarf in Alsfeld besteht, erklärten Werner Auth, Doris und Rudolf Kratz vom Blindenbund Bezirksgruppe Osthessen in Zusammenarbeit mit der Vorsitzenden des Vereins Barrierefreie Stadt Alsfeld, Gerlinde Grebe. Erste Kritik übten die Betroffenen am Eingangsbereich des Alsfelder Bahnhofs: „Laut DIN 32984 ,Bodenindikatoren im öffentlichen Raum‘ sollen Aufmerksamkeitsfelder aus Noppen vor Treppen warnen. Und zwar über die ganze Breite“, erklärte Auth. Dies sei am Eingang des Bahnhofs nicht der Fall. Geradezu gefährlich könne die kleine Rampe für Rollstuhlfahrer für Sehbehinderte werden, da sie, ganz ohne Markierung, überhaupt nicht wahrzunehmen sei.

Um zu vermitteln, inwieweit die Sicht zum Beispiel durch einen Grauen oder Grünen Star eingeschränkt ist, brachte er Simulationsbrillen mit. Dabei zeigte sich, dass gerade der Wechsel in dunkle Räume für Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit zur Herausforderung werden kann. Auch das gläserne Wartehäuschen vor dem Bahnhof sei verbesserungswürdig, so die Beteiligten. Nähert sich ein Sehbehinderter, wandere der Blindenstock durch die hohe Aussparung unter dem Glas hindurch, ohne aufgehalten zu werden. Deshalb könne sich der im Sehen Eingeschränkte den Kopf am für ihn unsichtbaren Glas anschlagen. Der weit in den Gehweg reinragende Mülleimer an dieser Stelle sei ebenfalls nicht einfach zu umgehen. Weiter ging die Tour zur Ampelanlage unterhalb des Bahnhofs.

Auth erklärte: „Die Rillen an der Straße zeigen dem Blinden den rechtwinkligen Überweg an, um auf schnellstem Wege die andere Gehwegseite zu erreichen. Diese Rillen zeigen jedoch mitten auf die viel befahrene Kreuzung.“ Dies könne Blinde in Gefahr bringen.

Die Stadt Alsfeld nahm dazu folgendermaßen Stellung: „Leider gibt es für behindertengerechte Fußgängerüberwege keine einheitlichen rechtlichen Normungen und Vorschriften nach denen beispielsweise die Leitsysteme verbaut werden müssen, die Anordnung der verschiedenen Leiteinrichtungen vorzusehen sind, oder ähnliches. Das kann man an einer Vielzahl von derartigen Einrichtungen überall im gesamten Bundesgebiet erkennen. Insbesondere in den größeren Städten ist dies besonders gut erkennbar, da hier an unterschiedlichen Kreuzungsbereichen unterschiedliche Systeme der Leiteinrichtungen umgesetzt werden. Das Land Hessen hat bereits seit mehreren Jahren ein Leitfaden herausgegeben, der sich allerdings schon des Öfteren grundlegend geändert hat und darüber hinaus keine rechtsverbindliche Umsetzungspflicht darstellt.“ Und weiter: „Die bereits durch Hessen Mobil umgebauten Fußgängerüberwege an der B 62 weichen vom heutigen Stand sehr weit ab und wurden schon mehrfach bemängelt. Der Umbau der Anlagen an der B 62 / Schellengasse soll aber auch hier ab dem nächsten Jahr entsprechend dem „Alsfelder System“ umgestaltet werden, da hier auch umfangreiche Kanal- und Straßenbauarbeiten erfolgen werden. Darüber hinaus werden auch bei künftigen Baumaßnahmen so umgesetzt.“

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