Sicherer Schulweg: Warum das Elterntaxi nicht die beste Wahl ist

+
Für die Kinder häufig die bessere Alternative zum „Elterntaxi“: Selbstständig zur Schule laufen.

Das Kind allein im öffentlichen Verkehr. Für manche Eltern eine Horrorvorstellung. Sie wollen die größtmögliche Sicherheit für die Kleinen. Deswegen fahren sie ihre Kinder mit dem Auto bis vor die Schultür. Dabei birgt das „Elterntaxi“ ebenso Risiken.

Zebrastreifen und Bushaltestellen werden zugeparkt, Verbotsschilder ignoriert, Wendemanöver auf engem Raum riskiert. Das ist in vielen großen Städten, wo der Verkehr stark und die Schülerzahl hoch ist, ein allmorgendliches Problem.

Doch auch im Vogelsbergkreis ist das Phänomen „Elterntaxi“ bekannt, wie Martin Fischer, Leiter des Regionalen Verkehrsdienstes, auf Anfrage dieser Zeitung mitteilt. In den letzten Jahren habe es Probleme in Romrod, Lauterbach und Schotten gegeben. Eltern oder Schulleitungen beschwerten sich wegen des Verkehrschaos vor Schulbeginn. Wolfgang Keller, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Osthessens sagt, es gebe wegen des Andrangs vor Schulbeginn wenige Parkmöglichkeiten für die Eltern.

Sie meinen es gut, aber...

Auch wenn es die Eltern gut meinen – Verkehrsexperten sind sich einig, dass der selbstständige Schulweg für das Kind der bessere sei. Aus Sicht der Unfallstatistik stellt die Mitfahrt im Pkw ein größeres Problem für Kinder von sechs bis neun Jahren dar als die Fortbewegung mit jedem anderen Verkehrsmittel. Das geht aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor.

Der ADAC weist zudem darauf hin, dass die tägliche Bewältigung des Schulwegs zu Fuß eine Reihe von positiven Effekten auf die kindliche Entwicklung hat. Dazu zählen eine höhere Konzentrationsfähigkeit im Unterricht, eine gesteigerte körperliche Fitness, der Abbau von Übergewicht sowie – bei gemeinsamer Bewältigung des Schulwegs mit anderen Kindern – die Verbesserung des Sozialverhaltens. Hinzu komme, dass Kinder dadurch frühzeitiger ein Bewusstsein für Gefahrensituationen im Straßenverkehr entwickeln und überhaupt erst in die Lage versetzt werden, ein räumliches Bild („geistige Landkarte“) der eigenen Stadt beziehungsweise des eigenen Schulwegs zu entwerfen. Das belegt eine wissenschaftliche Studie der Bergischen Universität Wuppertal, die 2014 im Auftrag des ADAC durchgeführt wurde.

„Elterntaxis stehenlassen!“

Claudia Neumann, Expertin für Spiel und Bewegung des Deutschen Kinderhilfswerkes sagt: „Ein eigenständig zurückgelegter Schulweg sorgt für mehr Bewegung im Alltag der Kinder, bringt Spaß, fördert die Selbstständigkeit und ist zudem gut für die Umwelt.“ Um das Elterntaxi überflüssig zu machen, greife das Kinderhilfswerk Eltern und Schulen gern mit konkreten Anregungen für die praktische Umsetzung vor Ort unter die Arme. Das stärke ihr Selbstbewusstsein – auch für andere Lebenssituationen, sagt Neumann. Kinder hingegen, die mit dem Auto zur Schule gebracht würden, können oft Entfernungen schlecht einschätzen und finden sich weniger gut in ihrer Umgebung zurecht. „Kindern auf der Rückbank des Elterntaxis fehlt das Erfolgserlebnis, ihren Schulweg eigenständig zurücklegen zu können. Eltern sollten ihren Kindern diese Chance nicht verwehren“, so die Expertin. Dennoch: Immer weniger Kinder in Deutschland gehen selbstständig zur Schule. In den Siebzigerjahren machten sich noch rund 90 Prozent der Grundschülerinnen und Grundschüler zu Fuß auf den Schulweg. Heute werden stattdessen immer mehr Kinder mit dem „Elterntaxi“ zur Schule gefahren. Laut der Studie „Mobilität in Deutschland“ von 2017 sind es heute 43 Prozent aller Schulkinder. Nur rund ein Drittel der Kinder geht zu Fuß, 13 Prozent kommen mit dem Fahrrad und zehn Prozent mit dem Bus.

„Elterntaxi stehenlassen!“ Dazu ruft deshalb das Deutsche Kinderhilfswerk und der ökologische Verkehrsclub VCD zum Schulbeginn in Hessen alle Kinder auf. Nach Möglichkeit sollten sie den Schulweg zu Fuß, mit Roller oder Fahrrad zurückzulegen. Das Deutsche Kinderhilfswerk und der VCD geben Eltern, Erzieherinnen und Erziehern sowie Lehrkräften drei Tipps, wie Kinder sicher ohne Elterntaxi zur Schule und zum Kindergarten gelangen können (siehe unten: Drei Tipps für den Schulweg zu Fuß). Polizeipressesprecher Wolfgang Keller sagt, es sei vor allem wichtig, dass Eltern in Ruhe mit ihren Kindern den Schulweg mindestens einmal zusammen bewältigen, um die Kinder auf mögliche Gefahren hinzuweisen und sie für den Verkehr zu sensibilisieren.

„Blitz für Kids“

Im Vogelsberg werden wie in den vergangen Jahren in den ersten Wochen nach Schulbeginn Kontrollen und Aktionen vor den Schulen stattfinden, sagt Keller. Die genauen Termine stünden jedoch noch nicht fest. „Blitz für Kids“ heißt eine solche, die in Zusammenarbeit der Verkehrsbehörde, der Polizei und den Schulen stattfindet. Dabei dürfen Schüler selbst die Geschwindigkeiten der Autos messen und den Fahrern gegebenenfalls Lob oder Verwarnungen aussprechen. Je nachdem händigen die Schüler eine grüne oder gelbe Karte aus. „Damit möchten wir nicht nur die Autofahrer sensibilisieren, im Bereich der Schule langsam zu fahren. Auch die Kinder merken bei dieser Aktion, dass sie den Straßenverkehr immer im Auge haben sollten.“

Fahrplanänderungen zum Schuljahresbeginn

Zum neuen Schuljahr – ab dem 12. August – werden im Vogelsbergkreis kleinere Fahrplanänderungen umgesetzt, welche Auswirkungen auf die schulrelevanten Busfahrten haben. Hier gibt es einen Überblick:

VB-13 Auf Wunsch der Stadtschule erfolgt die Abfahrt im Anschluss an die 4. Stunde drei Minuten später. Die Schüler haben somit mehr Zeit, den Bus zu erreichen.

VB-16 Auf Wunsch der Gemeinde Schwalmtal wird in Rainrod die Haltestelle von der Brauerschwender Straße (L 3144) in die Hintergasse verlegt.

VB-28 Ab dem 12. August startet die Fahrt zur ersten Schulstunde in Rixfeld drei Minuten früher.

VB-71 Bei der morgendlichen Fahrt von Ehringshausen zum Bahnhof nach Nieder-Gemünden werden die Fahrtzeiten angepasst. Die Abfahrten an den Haltestellen „Torweg“ (6.07 Uhr) und „Friedhofstraße“ (6.09 Uhr) erfolgen dadurch zwei Minuten später. Alle anderen Haltestellen werden wie gewohnt angefahren. Die Reihenfolge der Haltestellen „Schule“ und „Bahnhof“ in Nieder-Gemünden wird bei der ersten morgendlichen Fahrt von Ehringshausen nach Homberg getauscht. Die kleine Änderung soll die Anschlusssicherheit für Fahrgäste, die auf die Vogelsbergbahn umsteigen, im Fall von Verspätungen erhöhen.

VB-77 Beide Fahrten der Linie VB-77 ab der Gesamtschule Nieder-Ohmen, die im Anschluss an die sechste Schulstunde in Richtung Feldatal stattfinden, halten zukünftig auch an der Haltestelle „Ruppertenrod Unterdorf“. Somit ergeben sich zwei zusätzliche Rückfahrtmöglichkeiten für Schüler aus Ruppertenrod. Dies soll die stark nachgefragte Fahrt der VB-78 entlasten. Bei der Rückfahrt nach der achten Schulstunde ab der Grundschule Groß-Felda in Richtung Stumpertenrod wurden die Fahrtzeiten ab der Haltestelle „Schellnhausen“ angepasst. Die Schüler sind in der Folge bis zu drei Minuten früher in ihren Wohnorten.

VB-65 Die Linie verkehrt ab dem 1. Juli wieder nach dem Regelfahrplan. Für den letzten Bauabschnitt wird jedoch –voraussichtlich ab Oktober – nochmals ein Baustellenfahrplan notwendig.

VB-76 und VB-79 Da die Straßensperrung zwischen Ilsdorf und der B 49 in den Sommerferien aufgehoben wurde, können die Linien VB-76 und VB-79 zum ersten Schultag wieder nach dem Regelfahrplan verkehren.

Drei Tipps für den Schulweg zu Fuß vom Deutschen Kinderhilfswerk

Tipp 1: Laufgemeinschaften bilden Für den Weg zur Schule können Eltern oder auch Kinder selbst sogenannte Laufbusse organisieren. Hierbei werden an unterschiedlichen Stellen vor Ort Haltestellen vereinbart, an denen sich die Kinder aus der Nachbarschaft verabreden, um von dort aus gemeinsam zur Schule zu gehen. Kinder, die zusammen mit Freunden den Schulweg zurücklegen, lernen, auf andere aufzupassen. Ihr soziales Verhalten wird gefördert und sie können auf dem Weg zur Schule Freundschaften pflegen oder schließen.

Tipp 2: Roller- und Fahrradständer bauen Ist der Schulweg zu lang zum Laufen, sind Tretroller oder Fahrräder eine gute Alternative. Roller- und Fahrradständer vor Schulen und Kitas helfen den Kindern, ihre Fortbewegungsmittel sicher und ordentlich abzuschließen. Dabei lernen sie außerdem, sich eigenverantwortlich um ihre Roller und Fahrräder zu kümmern. Zunächst sollten Eltern den Kontakt mit der Schulleitung aufnehmen, um den Bedarf abzuklären. Ist dieser geregelt, ist es oft hilfreich, wenn sich die Schulleitung oder eine Gruppe von Eltern um einen lokalen Sponsor bemüht. Gemeinsam kann Material angeschafft und die Montage vorgenommen werden.

Tipp 3: Schulstraßen beantragen Um die unübersichtlichen und gefährlichen Situationen durch Elterntaxis vor Schulen und Kitas in den Griff zu bekommen, haben Eltern die Möglichkeit, einen Brief an ihre Schulleitung zu schreiben. Schulleitungen können sich wiederum an die Kommunen wenden und diese dazu auffordern, die Straße vor der Schule oder Kita als Schulstraße mit temporären Durchfahrtsbeschränkungen auszuweisen, wenn es die Lage der Schule erlaubt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Fensterscheiben eingeworfen in Feldatal/Stumpertenrod

An einem Einfamilienhaus in der Ulrichsteiner Straße im Feldataler Ortsteil Stumpertenrod warfen unbekannte Täter am Samstag, 17. August, gegen 3.15 Uhr, an mehreren …
Fensterscheiben eingeworfen in Feldatal/Stumpertenrod

Alsfeld: Einbruch in Einfamilienhaus

Bislang unbekannte Täter brachen in ein Einfamilienhaus in der Liebigstraße am Freitag, 16. August, zwischen 19.30 Uhr und 23.30 Uhr, ein.
Alsfeld: Einbruch in Einfamilienhaus

Leserfoto: Heupferdchen fasziniert

„Viele ekeln sich davor, ich finde sie faszinierend und schön, die Heupferdchen“, schreibt Alsfeld Aktuell-Leserin Cornelia Eltzner aus Romrod zu ihrem schönen Leserfoto …
Leserfoto: Heupferdchen fasziniert

Bauernhof als Klassenzimmer: Schulunterricht mit Lamas, Alpakas und Eseln

„Bauernhof als Klassenzimmer“ ist eine Initiative des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, des Hessischen …
Bauernhof als Klassenzimmer: Schulunterricht mit Lamas, Alpakas und Eseln

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.