Sorry, kein Empfang... Funkloch-Karte zeigt "weiße Flächen" auch im Vogelsberg

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Violett bedeutet überwiegend 4G, hellblau 2G und grün kein Empfang. Im Vogelsberg ist vor allem die Stadt Alsfeld gut versorgt. Drum herum ist es sehr unterschiedlich.

Seit gut einem Jahr kann jeder Handynutzer die Nichtverfügbarkeit von Mobilfunknetzen dokumentieren – mit der Breitbandmessung-App der Bundesnetzagentur, besser bekannt als Funkloch-App.

Vogelsberg. Seit Anfang November liegen Ergebnisse vor: Alle Daten, die Nutzer der Funkloch-App der Bundesnetzagentur bislang übermittelt haben, sind nun online und grafisch aufbereitet abrufbar. Ein Blick auf die Grafiken zeigt: Deutschland ist noch lange nicht flächendeckend mit schnellem Netz ausgestattet. Gesamt betrachtet ist das Netz laut der Auswertungen in Ostdeutschland langsamer als im Westen der Republik. Vor allem an der polnischen Grenze sowie in weiten Teilen der Mecklenburgischen Seenplatte sind Nutzer im Schnitt nur mit 2G unterwegs. In der Mitte Deutschlands sind das Ausnahmen. Zudem fällt auf, dass Ballungsgebiete wie der Ruhrpott oder das Rhein-Main-Gebiet fast ohne Ausnahmen in 4G unterwegs sind. „Weiße Flächen“ sind häufiger auf dem Land zu beobachten.

Die Auswertungen im Vogelsberg

Beim Hereinzoomen in die Karte bestätigt sich das. Denn auch im Vogelsberg – es wundert nicht – sind noch Funklöcher und schwache Netze zu finden. Während Nutzer in Alsfeld und naher Umgebung meistens mit 4G unterwegs sind (das ist auf der Karte violett eingefärbt), sieht es für die Nutzer in den Ortsteilen Hattendorf, Elbenrod, Berfa und Fischbach bereits ganz anders aus: 2G – wenn überhaupt – ist dort noch angesagt (blau eingefärbt).

Auch in Homberg/Ohm, Antrifttal, und Mücke ist viel blau eingefärbt – sprich: Die Nutzer surfen dort mit maximal 3G. Fast gar keinen Empfang haben der Karte nach etwa der Antrifttaler Ortsteil Bernsburg sowie der Homberger Ortsteil Erbenhausen. Das ist auf der Karte grün hinterlegt. Zumindest in Bernsburg könnte das demnächst Geschichte sein. Denn Antrifttals Gemeindevertreter haben jüngst beschlossen, dass die Telekom einen Mobilfunkmast auf dem Dorfgemeinschaftshaus in Bernsburg installieren kann.

Am grünsten ist es im Vogelsbergkreis auf dem Weg von Lingelbach nach Grebenau – dazwischen liegt Bieben, der Karte nach völlig abgeschnitten. Feldatal ist laut der Auswertung bis auf Teile von Köddingen gut abgedeckt – ebenso Romrod.

So arbeitet die Funkloch-App

Die Anwendung unterscheidet zwischen keinem Netz sowie der Verfügbarkeit von 2G (GSM), 3G (UMTS), 4G (LTE) oder 5G. Auf Grundlage der Messdaten soll dann mit den Mobilfunk-Anbietern erörtert werden, wo die Netze noch weiter verbessert werden müssen. Die Funkloch-App ist nach Angaben der Behörde bisher 187.000 Mal auf Smartphones installiert worden. Insgesamt er- und übermittelten die Nutzer knapp 160 Millionen Messpunkte als Basis für die Funklochkarte. Jedoch teilt die Bundesnetzagentur selbst mit, dass die Messpunkte nicht gleichmäßig über das Bundesgebiet verteilt sind. Wie aussagekräftig ein Ergebnis in der Region ist, hängt also davon ab, wie viele Messpunkte von unterschiedlichen Nutzern hinterlegt worden sind. Weiterhin sei zu berücksichtigen, dass die Kartendarstellung unter Umständen keine abschließende Auskunft über die vor Ort verfügbaren Netztechnologien eines Netzbetreibers gebe, weil die Messpunkte von Nutzern der App mit deren eigenen Endgeräten und Mobilfunkverträgen erzeugt worden sind.

Der lange Weg zum schnellen Internet

Warum aber hinkt Deutschland im EU-Vergleich beim Netzausbau so hinterher? Eine Antwort will in dieser Woche der Digitalverband „Bitkom“ gefunden haben. Die Ergebnisse stellt er ebenfalls in einer interaktiven Karte vor. Das Ziel: den Ausbau des Mobilfunknetzes zu beschleunigen und für mehr Transparenz bei den Problemen sorgen. Mehr als 1200 Problemstandorte sind in der Karte vermerkt.

Vor allem zwei Probleme führt „Bitkom“ beim Bau von Mobilfunkanlagen auf: „Behördliche Verfahren oder fehlende Standorte für den Bau von Mobilfunkanlagen führen allzu oft dazu, dass Funklöcher nicht geschlossen werden können“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder am Dienstag dieser Woche. Die größten Hemmnisse bei der Suche nach geeigneten Standorten liegen demnach in einer schleppenden Standortabstimmung, in aufwendigen Bauanträgen sowie langwierigen Genehmigungsverfahren – etwa aus Gründen des Bau- und Naturschutzes oder des Denkmalschutzes.

Bereits bei der Standortsuche sei es oftmals sehr aufwendig, Eigentümer zu finden, die ihr Gelände oder Gebäude für den Bau eines Funkmasten bereitstellen würden, sagte Rohleder. An mehr als 537 Orten fehlten den Netzbetreibern passende Grundstücke oder Gebäude.

Im Vogelsberg gibt es laut der Auswertung von Bitkom zwei „Problemkinder“: Gemünden-Rülfenrod an der A5 sowie in Grebenau-Schwarz. In beiden Fällen hapere es bei der Standortbestimmung der neuen Anlagen. In beiden Fällen dauere das Verfahren bereits mehr als ein Jahr. Laut „Bitkom“ sei oft die Erschließung der Infrastruktur aufwendig. So müssten die Standorte auch mit Energie versorgt werden. „Funklöcher lassen sich nun einmal nur mit Funkstationen schließen.“

Die Mobilfunkstrategie der Bundesregierung

Für diese möchte jetzt die Bundesregierung für Verständnis werben. Die Regierung beschloss Anfang dieser Woche ihre Mobilfunkstrategie. Damit will sie den Internet- und Handyempfang in den kommenden Jahren grundlegend verbessern. Dazu will die Regierung eine Informationskampagne für mehr Akzeptanz von Mobilfunkanlagen starten. Zudem sollen Planungsverfahren beim Ausbau der Mobilfunk-Infrastruktur schneller werden.

Notfalls möchte der Staat selbst Standorte errichten, wenn sie für Betreiber unwirtschaftlich sind – ein Problem vor allem auf dem Land, wo es noch immer viele „weiße Flecken“ beim schnellen Mobilfunk gibt. Um hier Funklöcher zu schließen, will auch die Bundesregierung mehr als eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen. Ein flächendeckender 4G-Ausbau soll die Grundlage bilden für den Aufbau der superschnellen Mobilfunkgeneration 5G, die vor allem in der Industrie oder der Landwirtschaft zum Einsatz kommen soll.

Extra-Info: Die Funkloch-App

Die Bundesnetzagentur hat am 30. Oktober 2018 im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur die um eine Netzverfügbarkeits-/Funklocherfassung erweiterte BreitbandmessungApp veröffentlicht. Mit der App können Nutzer protokollieren, ob ein Funkloch vorliegt, eine Mobilfunkanbindung verfügbar ist und welche Mobilfunktechnologie (2G, 3G, 4G, 5G) genutzt wird. Die Breitbandmessung/Funkloch-App wurde von der zafaco GmbH im Auftrag der Bundesnetzagentur entwickelt und steht für Android und iOS kostenlos im jeweiligen Store zur Verfügung.

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