Spannender Theatermonolog: "Judas" in Romröder Synagoge aufgeführt

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Am vergangenen Freitagabend spielte der Koblenzer Schauspieler Bruno Lehan in der ehemaligen Synagoge in Romrod „Judas“, einen Schauspielmonolog von Lot Vekemans.

Judas ist eingegangen in die Geschichte als der Prototyp eines Verräters: Judas Iskarioth, der Jesus aus Geldgier für 30 Silberlinge an seine Feinde auslieferte. Judas hat etwas zu erzählen; er arbeitet gewissermaßen an seinem Image. Seine Darbietung kostet Eintritt, dessen ist der Mann sich bewusst: Deshalb redet er zunächst einmal jenem anonymen Zuschauer ins Gewissen, von dem er glaubt, er hätte nicht bezahlt. Natürlich ergebnislos. Ehrlichkeit ist diesem Selbstdarsteller wichtig.

Er spricht das Publikum direkt an, erzählt seine eigene, die unbekannte Geschichte der Verbindung und vielleicht sogar Freundschaft zwischen ihm und Jesus. Er schildert mit einfachen, doch eindringlichen Worten seinen Werdegang bis zur historischen Tat. Entscheidend aber sind die Reflexionen zu eben dieser Tat – denn in der Motivation für den Verrat verbirgt sich der Sprengstoff.

Judas sucht den Kontakt zum Publikum, verstrickt es in seine Überlegungen, bis deutlich wird: Wir alle könnten dieser Judas sein, sein Schicksal ist auch unsere Tragödie. So thematisiert er den Gegensatz zwischen Glauben und Zweifel. Ein sehr dichter und spannender Theatermonolog, der mit wenigen Mitteln die Zuschauer packt und in eindringlicher Weise mit elementaren Fragen konfrontiert. Die Darbietung an diesem Abend hatte wegen der Örtlichkeit in der ehemaligen Synagoge einen ganz besonderen Reiz, darin war sich das begeisterte Publikum einig. Beim anschließenden Umtrunk nahmen die Zuschauer die Gelegenheit war, direkt mit dem Schauspieler über das Stück und sein Spiel zu reden.

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