Stirbt die Alsfelder Innenstadt aus?

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In der Obergasse stehen viele Objekte leer. Die Stadt kämpft dagegen an.

Liebevoll nannten manche Alsfelder die Obergasse die „Zeil“ von Alsfeld. Doch angesichts der zahlreichen Leerstände in der ehemals besten Einkaufsstraße der Stadt ziehen manche Einkaufswillige lange Gesichter.

Alsfeld - Unrenoviert, trostlos und ungepflegt kommt so manche verlassene Immobilie daher. Potenzielle Gewerbetreibende zieht das sicher nicht gerade an. Vermutungen wurden geäußert, dass die bevorstehende Renovierung des Marktplatzes mit verantwortlich für den vermehrten Leerstand sein kann.

Doch was können Politik, Handel und Kunden tun, damit Alsfeld attraktiver wird? Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule und Wirtschaftsförderer Uwe Eifert bei einem Gespräch mit Alsfeld Aktuell: „Wir haben verschiedene Ladenbesitzer schon angesprochen, um bei der Suche nach einem Mieter behilflich zu sein. Das wird teilweise gerne angenommen. Manche Ladenbesitzer sind jedoch noch unschlüssig, wie es mit ihrer Immobilie weitergehen soll und vermieten derzeit (noch) nicht.“

Verschiedene Programme unterstützen Gewerbetreibende, um den Start in die Selbstständigkeit zu erleichtern, wie etwa das „Mietfreie Startquartal“. In einem Zeitraum von drei Monaten übernimmt die Stadt Alsfeld 50 Prozent der Kaltmiete unter der Bedingung, dass der Vermieter die restliche Miete trägt. Verschiedene Veranstaltungen wie Feste, die Eisbahn und Überlegungen zu neuen Parkplatzkonzepten würden die Innenstadt ebenfalls interessant für Kunden wie Gewerbetreibende machen. Nicht zuletzt die Umgestaltung des Alsfelder Marktplatzes sei eine Chance zu einer enormen Attraktivitätssteigerung der Innenstadt. Dabei werde sich nicht ein großes Loch auftun, und der Marktplatz sei ein Jahr lang nicht betretbar. Im Gegensatz dazu werde dafür gesorgt, dass der Marktplatz stückweise saniert werde und zu großen Teilen begehbar sei. „Es ist wichtig, dass die Händler auch den Kunden gegenüber positiv der Baustelle entgegen sehen“, so Paule.

Eine Umfrage bei den Geschäftsleuten zeigte folgendes Bild: Einige Läden haben Unterschriftenlisten ausliegen. Dort können sich Kunden eintragen, die ihren Wunsch nach Parkplätzen auf dem Marktplatz ausdrücken möchten. „Gefühlt 99 Prozent unserer Kunden legen Wert darauf und tragen sich gerne in die Liste ein“, erzählt Harald Linker aus dem gleichnamigen Haushaltswarengeschäft in der Untergasse. Die Renovierung des Marktplatzes sieht er positiv, denn die Bevölkerung in Alsfeld werde immer älter. Eine gute Begehbarkeit sei daher wichtig. Und die Älteren würden auch keine weiten Wege zu Fuß auf sich nehmen, um in der Innenstadt einzukaufen.

Auch die Besitzerin des Restaurants Kartoffelsack, das direkt am Marktplatz liegt, macht sich keine Sorgen um die Umgestaltung des Markplatzes. Martina Becker: „Die Zeit geht auch um. Wir machen einfach weiter.“ Gerüchte, der Kartoffelsack würde schließen, seien ihr zu Ohren gekommen. Diese seien jedoch unwahr, stellt sie heraus. Nach 20 Jahren hat zum Jahresende Ledermoden Loos sein Geschäft geschlossen. „Mit 77 Jahren war sein Rentenalter einfach erreicht“, berichtet die Vermieterin des Ladens, Lucie Waschkewitz. „Meine Räume in der Obergasse sind in einer hervorragenden Lage“, so Waschkewitz. Viele Interessenten hätten sich schon gemeldet, um ein Geschäft zu eröffnen. „Von Sorgen wegen der Renovierung des Marktplatzes oder wegen Leerstände in der Obergasse gibt es keine Spur“, ist sie überzeugt. Einzig die starke Konkurrenz durch umliegende Discounter und das Internetgeschäft würde die kleinen Läden gefährden.

Über die Zukunft der kleinen Läden in der Alsfelder Innenstadt wird letztendlich das Kaufverhalten der Kunden entscheiden.

Lesen Sie hier den Zwischenruf zu dem Thema: Nicht die Stadt ist schuld

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