Der Tausendsassa Dr. Jens Mischak

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Erster Kreisbeigeordneter und CDU-Kreisvorsitzender im Vogelsberg Dr. Jens Mischak ist seit drei Jahren für das „Dezernat II“ in der Kreisverwaltung zuständig – darunter fallen wichtige Ämter wie die für Wirtschaft, ländlicher Raum, Umwelt, Gesundheit und Jugend.

Halbzeit für Jens Mischak als Erster Kreisbeigeordneter des Vogelsbergkreises: Mit Alsfeld Aktuell zieht er Bilanz seiner ersten drei Jahre im Amt.

Lauterbach/Vogelsberg - Im Juli 2016 ist Jens Mischak (CDU) bei der Kreistagssitzung in Ulrichstein zum Stellvertreter des Landrats Manfred Görig (SPD) gewählt worden – seitdem ist der Jurist als Erster Kreisbeigeordneter für den Vogelsbergkreis hauptamtlich tätig.

Als Leiter des „Dezernats II“ begleitet Mischak in der Kreisverwaltung sechs Ämter – die für Bauen und Umwelt, Wirtschaft und ländlicher Raum, Volkshochschule, Gesundheit, Jugend und Rechtsamt. Es ist ein breites Spektrum, das der promovierte Jurist bearbeitet. Zudem ist er seit 2014 Kreisvorsitzender der CDU Vogelsberg. Ein ansehnlicher politischer Lebenslauf, den der ehemalige Richter am Amtsgericht Bad Hersfeld und am Landgericht in Fulda mit 40 Jahren bereits vorzuweisen hat. Überspitzt formuliert: Jens Mischak ist der Tausendsassa der Kreispolitik. Drei Jahre hat er im Amt nun hinter sich, drei weitere liegen vor ihm – Halbzeit für Mischak. Mit Alsfeld Aktuell zieht er Bilanz.

„Am wichtigsten für mich ist weiterhin die vernünftige Zusammenarbeit, die nicht von parteipolitischen Interessen geleitet ist. Das hat in den vergangenen drei Jahren bereits gut funktioniert“, sagt Mischak und meint damit vor allem die SPD als Koalitionspartner, die mit Manfred Görig den Landrat im Vogelsberg stellt. Nur so könne gemeinsam und zielbewusst die Region nach vorne gebracht werden.

Vogelsberg seit 2016 ohne Geburtenstation

Eine der schwierigsten Entscheidungen im Kreis habe es kurz nach seinem Amtsantritt gegeben, sagt Mischak. „Die Schließung der Geburtenstation im Kreiskrankenhaus Alsfeld bedeutete schließlich, dass es künftig keine Vogelsberger Kinder mehr gibt.“ Doch sei es dennoch der richtige Schritt gewesen. Um die letzte verbliebene Geburtenstation im Kreis wirtschaftlich halten zu können, hätten statt der jährlich rund 300 Geburten, mehr als doppelt so viele stattfinden müssen. „Doch bereits die 300 Geburten waren für die drei dort beschäftigten Ärzte nicht mehr zu schultern. Das ist der ausschlaggebende Punkt gewesen“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete. Zwar bestünde wirtschaftlich Potenzial für eine Vogelsberger Geburtenstation. Doch habe sich bereits vor Schließung der Station in Alsfeld gezeigt, dass viele werdende Eltern die Standorte Fulda und Bad Hersfeld wegen der angrenzenden Kinderkliniken vorgezogen hätten.

Auch wenn das Kreiskrankenhaus Alsfeld über keine Geburtenstation mehr verfüge, sei es für die Grundversorgung der Bürger weiterhin essenziell: „Wir haben den Auftrag, die gesundheitliche Versorgung im Kreis zu gewährleisten. Dem kommen wir unter anderem mit dem Kreiskrankenhaus nach.“ Einer Studie der Bertelsmanns-Stiftung, die die Schließung von weit mehr als der Hälfte aller Krankenhäuser in Deutschland forderte, kann Mischak nichts abgewinnen: „Im ländlichen Vogelsberg würde der Wegfall etwa des Kreiskrankenhauses eine riesige Versorgungslücke reißen“. Auch wenn bekannt sei, dass in den kommenden Jahren hohe Summen für Neuanschaffungen und Wartungen investiert werden müssten.

Positives und Negatives aus der Wirtschaft

Nahezu Vollbeschäftigung weist der Vogelsberg auf – das sei prinzipiell etwas Gutes. Doch bei genauerer Betrachtung müsse man dazu sagen, „dass der Vogelsberg ein negatives Pendlersaldo hat“, sagt Mischak. Bedeutet: Täglich fahren mehr Vogelsberger in benachbarte Kreise als umgekehrt. Vor allem ziehe es die Erwerbstätigen nach Gießen und Fulda. Das Rhein-Main-Gebiet stehe an dritter Stelle. Schwer habe es der Vogelsberg bei Neuansiedlungen für Gewerbe – Potenzial gebe es am ehesten an großen Verkehrsachsen. Die Firma Nordfrost zum Beispiel errichtet an der A5 in Mücke einen neuen Standort – die Bauarbeiten dafür laufen seit dem vergangenem Jahr.

Zum Ziel hat sich Mischak die Fachkräftesicherung gemacht. Denn die im Vogelsberg bereits ansässigen 4500 Unternehmen rechnen in den kommenden Jahren mit tausenden fehlenden Arbeitskräften. Es fehlen schlichtweg (gut ausgebildete) Bewerber. „Dem stellen wir uns entgegen. Wir müssen Fachkräfte gewinnen und sie halten“, sagt Mischak. Dafür sei – neben attraktiver Arbeitgeber – insbesondere guter Wohnraum wichtig. In seinen drei Jahren Amtszeit sei diesbezüglich einiges passiert: Viel Geld habe der Kreis in den Kita-Ausbau inklusive der für erwerbstätige Eltern wichtigen U3-Betreuung investiert. Viel investiere der Kreis weiterhin, um in jeder Kommune eine Grundschule erhalten zu können. Viel, „wenn auch noch nicht genug“, sei bei dem Thema Breitbandausbau passiert.

Zudem stoß Mischak ein neues Standortmarketing für die Region, unter anderem mit einem neuen Internetauftritt, an, das aktiv junge Familien und Fachkräfte ansprechen soll. Wichtig sei es in Zukunft, wieder mehr Auszubildende in der Region zu halten. Weil im Vogelsberg die Mindestgröße von 15 Schülern je Ausbildungsklasse häufig nicht erreicht werde, müssten die Vogelsberger Auszubildenden durch Zusammenlegungen zu Bezirks- oder gar Landesklassen nach Fulda fahren. In die umgekehrte Richtung passiere das selten. Mischak fordert deshalb, die Schülermindestzahl für Regionen wie den Vogelsberg zu reduzieren. Zuständig dafür ist das Hessische Kultusministerium.

Drei Dinge liegen ihm besonders am Herzen

Drei Jahre als Erster Kreisbeigeordneter liegen mindestens noch vor ihm – es ziehe ihn nach wie vor nicht nach Wiesbaden. „Ich möchte und kann im Vogelsberg noch viel gestalten“, sagt Mischak, der selbst von sich sagt, sehr heimatverbunden zu sein. Drei Dinge werden Mischak in den kommenden drei Jahren weiterhin besonders beschäftigen: „Vor allem am Herzen liegen mir die Direktvermarktung der Region mit dem Aufbau einer eigenen ‚Vogelsberg-Marke‘, die Sicherstellung der medizinischen Versorgung und die durch meinen Vorgänger ins Leben gerufene sozialraumorientierte Jugendhilfe. Die möchte ich weiter stärken.“ In der Jugendhilfe sei der Vogelsberg hessenweite Spitze. Mischak möchte das bewahren – und in anderen Bereichen weiter aufholen. „Den Vogelsberg voranbringen“, das sind häufig seine Worte. Die Worte eines Tausendsassas.

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