Für Team Deutschland: Homberger Lars Seibert fährt als Vize Deutscher Meister zur WM

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Immer im Fokus – auch im Training. Der Homberger Lars Seibert bereitet sich derzeit in seiner Paradedisziplin, der Single Buck, für die Weltmeisterschaft der Stihl Timbersports in Prag vor.

Bei der diesjährigen Deutschen Meisterschaft am 31. August wurde er Vize-Meister. Zurzeit bereitet er sich auf das Highlight der internationalen Sportholzfäller-Saison vor: Bei der Stihl Timbersports Weltmeisterschaft tritt der Homberger Lars Seibert für Team Deutschland an.

Homberg/Ohm - Den rechten Fuß nimmt er noch wenige Zentimeter zurück, den linken einige nach vorne. Der richtige Stand ist entscheidend, ein Abrutschen unbedingt zu vermeiden. Dann geht Lars Seibert tief in die Hocke. Ein letztes Mal richtet er penibel sein Werkzeug aus. Wenn es um Sekunden geht, muss alles stimmen. Der kleinste Fehler kann bei einem Wettkampf die Niederlage bedeuten. Tief einatmen. Und ausatmen. Dann legt er los. Das knapp zwei Meter lange Sägeblatt arbeitet sich schnell tief in das entrindete Holz. Fingerlange Sägespäne fliegen durch die Luft. Die Säge kreischt. Acht Mal zieht sie Seibert mit voller Kraft durch den Stamm, dann fällt die Scheibe auf den Boden der Scheune. Seibert ist mit dem Trainingsdurchgang zufrieden. Zwölf Sekunden oder schneller ist in seiner Paradedisziplin, der sogenannten Single Buck, immer sein Ziel. Nicht nur bei der Vorbereitung in seiner Scheune im Homberger Ortsteil Schadenbach. Sondern auch bei der anstehenden Weltmeisterschaft in Prag.

Material, Kraft und Technik

Lars Seibert betreibt Timbersports. Der Homberger aus Schadenbach ist einer der besten Sportholzfäller Deutschlands. Bei der diesjährigen Deutschen Meisterschaft am 31. August wurde er Vize-Meister. Zurzeit bereitet er sich auf das Highlight der internationalen Sportholzfäller-Saison vor: Am 1. und 2. November trifft sich die Weltelite des Timbersports in Prag, um die Weltmeister 2019 zu küren (zu sehen im Live-Stream auf sport1.de).

In seiner zur Trainingshalle umfunktionierten Scheune stapeln sich die Überreste eines Timbersportlers. Zumindest kann Seibert das Holz privat zum Heizen verwenden – zum Verkauf ist das Holz nicht geeignet.

Anders als bei der Deutschen Meisterschaft, muss Seibert bei der Team-WM nicht alle sechs Disziplinen des Timbersports absolvieren. „Ich trete in meiner Paradedisziplin, der Single Buck an“, sagt Seibert. Dabei handelt es sich um eine Zugsäge, die von einem Athleten bedient wird. Im Fall von Seibert misst das Sägeblatt 195 Zentimeter, die Zähne sind mit knapp zehn Zentimetern etwa so lang wie ein Zeigefinger. Insgesamt wiegt das Werkzeug fünf Kilogramm. Für eine Wettkampfsäge zahlt Seibert rund 3000 Euro. Insgesamt vier Single Bucks besitzt der Homberger. Neben der Wettkampfsäge eine Ersatzsäge und Übungssägen. „Eine davon ist immer unterwegs in die USA“, sagt Seibert. Dort werden die Sägen vom Hersteller nachgeschliffen und zurückgeschickt. Die Materialpflege ist im Timbersports genauso entscheidend wie die Technik, die Kraft und die Ausdauer des Athleten. Denn Ersatz ist kurzfristig schwer zu bekommen. Die Lieferzeit für eine solche Säge beträgt derzeit etwa zweieinhalb Jahre.

Holz, Holz und Holz

Dass der Homberger in dieser Sportart aufblüht, verwundert nicht. Holz hat ihn immer umgeben. Schon seine Großeltern und Eltern hatten einen Forstbetrieb. Vor sechs Jahren übernahm er diesen schließlich und verkauft seitdem ofenfertiges Brennholz sowie weitere Holzprodukte zum Verbrennen. Seine beiden Neffen arbeiten ebenfalls auf dem Gelände in Schadenbach – sie sind Schreiner.

Dennoch kam Seibert spät zum Timbersports. 2013 nahm er im Alter von 30 Jahren an einem Schnupperkurs im deutschen Stützpunkt der Stihl Timbersports in der Rhön teil und war gleich entschlossen weiter zu machen. „Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig“, sagt Seibert auch heute noch. Dementsprechend schnell waren seine Fortschritte. Weil die Technik nicht nur entscheidend für gute Ergebnisse ist, sondern auch für die eigene Sicherheit – schließlich arbeiten die Athleten mit Sägen, Äxten und 80 PS starken Kettensägen – müssen alle Disziplinen im Stützpunkt abgenommen werden. Dafür erhalten die Sportler Urkunden, die zur Teilnahme an offiziellen Wettkämpfen berechtigen.

Seibert absolvierte diese Prüfungen flott. Bereits 2014 wurde er in der Beginner-Klasse „Rookie“ Deutscher Meister. Seit 2015 ist er in der Pro Series unterwegs und nimmt an den Deutschen Meisterschaften teil. Seit drei Jahren vertritt er Deutschland an der Single Buck bei den Weltmeisterschaften.

„Der Sport auf diesem Niveau erfordert viel Ehrgeiz, Schweiß, Training, Zeit und Kosten“, sagt Seibert, als er in seiner Scheune die Säge reinigt und wieder wegschließt. Den Dachboden seiner Scheune hat Seibert zu einer Trainingshalle ausgebaut. Dort türmen sich massenhaft Baumstämme, abgesägte Holzscheiben, abgeschlagene Holzreste und kiloweise Span. Zwei bis drei Mal in der Woche trainiert er – vor Wettkämpfen häufiger.

Profis vs. Voll-Profis

Im vergangenen Jahr legte er nur für den Sport über 30.000 Kilometer mit dem Auto zurück. Die Kosten für die Werkzeuge und ihre Pflege gehen in die Tausende. Leben können die besten Sportholzfäller in Deutschland von ihrem Sport nicht. „Wir müssen alle neben dem Sport arbeiten gehen. Wir sind Profis, die Athleten in Kanada, USA, Australien und Neuseeland sind Voll-Profis.“ So erklärt es Seibert, zweifacher Familienvater. Sein Ziel bei der Team-WM, wo er gemeinsam mit dem amtierenden Deutschen Meister Danny Mahr sowie Robert Ebner und Steffen Graf antritt: Das beste europäische Team zu werden.

Dafür bereitet sich Seibert intensiv vor. Neben der Technik, dem Material, der Kraft und der Ausdauer, ist es auch die mentale Stärke, die im Wettkampf entscheidend ist. „Man ist bei jedem Wettkampf angespannt, nervös. Auf der Bühne vor einem riesigen Publikum und den TV-Kameras darf man den Fokus nicht verlieren. Es geht um Millisekunden“, sagt Seibert, der sich bei seiner ersten Weltmeisterschaft mit der Säge in den Oberschenkel schnitt, den Wettkampf dennoch zu Ende brachte. Es sei seine bislang einzige ernsthafte Verletzung beim Sport, sagt er und klopft – natürlich – dreimal auf Holz.

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