Das Thema "Fusion" ist erstmal auf Eis gelegt

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Den Bürgerentscheid für eine mögliche Fusion zwischen den Gemeinden Antrifttal und Kirtorf wird es nicht geben.

Es ist Dienstagmittag, als wir einen aufgebrachten, nahezu hektischen Bürgermeister im Kirtorfer Rathaus zum Gespräch treffen. Ulrich Künz, dienstältester Rathauschef im Land, läuft aufgeregt hin und her.

Antrifttal/Kirtorf - Immer wieder lässt er unsere Redaktion in seinem Büro zurück, um dringliche Anliegen mit seinen Mitarbeitern zu besprechen. Zwischen Tür und Angel beantwortet er unsere Fragen. Am nächsten Tag wird Künz sich bereits auf dem Weg in den Sommerurlaub befinden. Den dürfte er auch bitter nötig haben. Immerhin ereilte den Christdemokraten am Freitagabend vergangener Woche eine echte Hiobsbotschaft: Die Mandatsträger in der Antrifttaler Gemeindevertretung legten ihre Fusionspläne mit der Stadt Kirtorf vorerst auf Eis. Die Parlamente in Kirtorf und Antrifttal hatten darüber abzustimmen, ob es im Oktober einen Bürgerentscheid geben wird. Dieser wiederum solle den Einwohnern beider Kommunen ermöglichen, über eine Fusion von Stadt und Gemeinde abzustimmen (wir berichteten).

Während die Abgeordneten in Kirtorf einstimmig beschlossen, einen solchen Bürgerentscheid auf den 28. Oktober zu terminieren, entschied das hohe Haus in Antrifttal, das Thema gänzlich ruhen zu lassen. „Eine böse Überraschung. Ich bin völlig enttäuscht“, bringt es Ulrich Künz auf den Punkt. Aber was genau war eigentlich passiert? Antrifttals Bürgermeister Dietmar Krist hatte vor der Abstimmung in der Gemeindevertretung seinen Kirtorfer Amtskollegen und dessen Mitarbeiter kritisiert. Die Zahlen aus dem städtischen Haushalt seien nicht transparent. Erst auf Nachfragen aus Antrifftal seien wichtige Daten wiederholt korrigiert worden – keine Grundlage für eine gelingende Zusammenarbeit. Ein hörbar angeschlagener Dietmar Krist sagte unserer Zeitung am Dienstag, es sei die schwerste aller Entscheidungen gewesen. Aber in seinen Augen die richtige: „Es gab zu viele offene Fragen, ich konnte die Bürger nicht vollumfänglich informieren, ihnen die Entscheidung nicht überlassen. Die Zeit war zu knapp bemessen”, sagte Krist. Er habe das Gefühl, dass nicht mit offenen Karten gespielt wurde.

Für die Kritik zeigt Ulrich Künz im Gespräch mit unserer Zeitung keinerlei Verständnis. „Die ecom21 hat ein ausführliches Gutachten erstellt. Mit unserer Zustimmung hatte sie Zugriff auf alle Zahlen und Haushaltsdaten. Das ist sehr wohl transparent“, so Künz. Sein Antrifftaler Amtskollege habe die eigene persönliche Meinung den Abgeordneten aufgezwängt. „Das ist aber nicht die Meinung des Gemeindevorstandes“, ist sich Künz sicher. Seine Mutmaßung: Christ habe die Taktik bewusst gewählt, um die Entscheidung über die geplante Fusion zu verzögern.

Vom Tisch sei das Thema für Künz damit aber noch lange nicht. „Ich halte die Fusion für den einzig richtigen Weg. Deshalb erkläre ich den Dialog nicht für beendet. Das Signal muss künftig aber aus Antrifttal kommen“, lässt Künz keinen Zweifel an seiner Überzeugung. Krist hingegen erklärte am Dienstag, es habe seit Freitag noch keinen Kontakt zwischen ihm und seinem Amtskollegen gegeben. Doch auch er wolle die Fusion jetzt nicht abschreiben. „Erstmal muss etwas Zeit ins Land streichen. Dann müssen wir uns in Ruhe und sachlich mit dem Thema neu befassen”, sagte Krist. Für Künz wäre die Fusion mit Antrifttal nach mehr als 40 Jahren im Chefsessel des Kirtorfer Rathauses, „das i-Tüpfelchen“, ehe der Bürgermeister am 11. März des kommenden Jahres aus Altersgründen aus seinem Amt scheiden wird.

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