Verfahren am Alsfelder Amtsgericht eingestellt - Schiedsrichter erhält dennoch ein Schmerzensgeld

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Im Amtsgericht Alsfeld blieben in diesem Fall viele Fragen offen.

Das Fußballspiel zwischen Hattendorf und Schwalmtal vor rund eineinhalb Jahren hat eine lange Nachspielzeit gehabt. Am Dienstag fand sie vor dem Amtsgericht Alsfeld ein Ende. Angeklagt war ein Vorstandsmitglied der Hattendorfer, der den Schiedsrichter in der Kabine attackiert haben soll.

Am Ende blieben viele Fragezeichen. Was war am 21. März 2017 nach dem A-Liga-Spiel in den Umkleideräumen der SV Hattendorf wirklich passiert? Hat das Vorstandsmitglied der Heimmannschaft den Schiedsrichter aus dem Raum Fulda attackiert und verletzt? Diese Fragen konnten auch im Amtsgericht Alsfeld nicht geklärt werden. Deswegen stellte die Richterin auf Antrag der Staatsanwaltschaft das Verfahren nach Paragraf 153a Strafprozessordnung ein.

Angeklagter beteuert seine Unschuld

Der Angeklagte stimmte dem zu, muss aber dennoch Schmerzensgeld zahlen – das sieht das „a“ im Paragrafen vor. Der 57-Jährige muss insgesamt 5000 Euro zahlen – 1500 Euro Schmerzensgeld an den Schiedsrichter, der als Nebenkläger auftrat, und 3500 Euro an die Lauterbacher Tafel. Verurteilt und schuldig gesprochen wurde der Angeklagte somit nicht. Seine Unschuld beteuerte der Hattendorfer auch am Ende des Verfahrens: „Ich möchte einfach Ruhe in der Sache haben.“ Und er blieb bei seiner Aussage: „Ich habe den Schiedsrichter nicht geschlagen.“

Widersprüchliche Aussagen

Ob das stimmt, das konnte das Gericht auch nach Vernehmung von Zeugen nicht klären. Die Hattendorfer erklärten, von einer körperlichen Auseinandersetzung nichts mitbekommen zu haben. Der Schiedsrichter schilderte das Geschehen anders. Er sei von dem Angeklagten nach dem Spiel in der Kabine ins Gesicht und in den Bauch geschlagen worden. Er habe nachts noch eine Klinik in Fulda aufsuchen müssen, wo ihm eine Schläfenprellung attestiert worden sei.

Ob sich der Schiedsrichter noch am Abend des 21. März 2017 in einer Disko in Bad Salzschlirf aufhielt, wie ein Zeuge im Mai vor einem Sportgericht noch aussagte, ließ sich ebenfalls nicht klären.

Wegen der vielen Widersprüche in den Zeugenaussagen sei die Einstellung des Verfahrens vertretbar. Zudem sei die Schuld, wenn überhaupt, eine geringe, sagte die Richterin nach einer knapp dreiviertelstündigen Unterbrechung, in der sich der Angeklagte mit seinem Verteidiger intensiv beraten hatte. Letztlich stimmte er der Zahlung der insgesamt 5000 Euro zu. Die Richterin riet den Beteiligten am Ende: „In Zukunft sollte wieder der schöne Sport im Vordergrund stehen.“

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