Wer tötete seine Bienen? 60.000 Insekten des Storndorfer Imkers Armin Gundrum wurden vergiftet

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Einst ein gesunder Bienenstock, jetzt ein Friedhof. Insgesamt sechs Bienenvölker wurden gezielt vergiftet – ein Bienenvolk bestand jeweils aus rund 10.000 Bienen.

Das Entsetzen ist Imker Armin Gundrum noch immer ins Gesicht geschrieben, wenn er die Deckel seiner sechs Bienenstöcke anhebt. Beziehungsweise: Wenn er die Deckel seiner ehemaligen Bienenstöcke anhebt. Jetzt sind es vielmehr Friedhöfe. 60.000 tote Bienen liegen dort – sie wurden vergiftet.

Schwalmtal/Storndorf. „Im November wollte ich diesen Stand um weitere Völker auffüllen. Doch dann stellte ich fest, dass alle Tiere der sechs Bienenvölker gestorben sind“, sagt Gundrum im Gespräch mit dieser Zeitung. Den plötzlichen Tod seiner sonst so fitten Bienenvölker auf einer frei zugänglichen Wiese an einem Waldstück nahe Storndorf konnte er sich nicht erklären. Am 26. November schaltete er die Polizei ein.

Imker Armin Gundrum aus Storndorf ist über die Tat entsetzt, möchte sich davon aber nicht unterkriegen lassen.

Die wiederum ermittelt seitdem und schickte Proben der verstorbenen Bienen an das Institut für Bienenschutz des Julius Kühn-Instituts mit Sitz in Braunschweig. Das Ergebnis: Die Insekten wurden gezielt getötet – mit einer Kombination aus Dichlorvos, Phenothrin, Prallethrin, Tetramethrin und Trichlorfon. Diese Wirkstoffe sind in zahlreichen Bioziden zur Insektenabwehr im häuslichen Bereich enthalten – zum Beispiel bei Insektensprays.
Nachgewiesen wurde zudem das als „bienengefährlich“ eingestufte Cypermethrin, das bei Fliegensprays eingesetzt wird und nicht auf blühende oder von Bienen beflogene Pflanzen ausgebracht werden darf. Das Institut für Bienenschutz schlussfolgert, dass die Bienen durch diese Insektizide gezielt getötet wurden. Die Experten schreiben in ihrer Analyse: „Die Wirkstoffe wurden vermutlich direkt in die betroffenen Völker eingebracht.“

Dass die Bienen diese Schadstoffe nicht selbst in ihre Völker einbrachten, dafür spricht auch, dass alle diese Wirkstoffe in Deutschland und der EU nicht als Pflanzenschutzmittel zugelassen sind – Landwirte sie also nicht auf ihren Feldern ausbringen. Davon geht auch Armin Gundrum aus. „Mein Honig hat erst im November wieder Bestnoten erhalten, er ist schadstofffrei.“ Die Analyse des Deutschen Imkerbundes bestätigt das: Bei voller Punktzahl, auch im Bereich der Sauberkeit, wurde der Honig von Armin Gundrum mit dem ersten Preis ausgezeichnet. „Das zeigt, dass die Landwirte in dieser Umgebung sämtliche Richtlinien einhalten, was den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln betrifft.“ Der Honig spiegele die Gesundheit der Natur wider, so Gundrum.

Die Analyse des Instituts für Bienenschutz, die Ergebnisse des Deutschen Imkerbundes und die Tatsache, dass Gundrum Ende November festellte, dass einige seiner Bienenstöcke falsch verschlossen worden sind – es spricht alles dafür, dass das Gift gezielt von einer oder mehreren Personen in die Bienenstöcke eingebracht wurde.
Ein Ergebnis, das Armin Gundrum geschockt hat. „Wieso schadet jemand in solchem Maße der Natur?“, fragt er sich immer wieder. Einen Verdacht, wer seine 60.000 Bienen vergiftet haben könnte, habe er nicht. Er geht auch nicht davon aus, dass ihm ein Imkerkollege schaden wolle. „Vielleicht möchte jemand mir und meiner Familie schaden“, überlegt er. Doch eigentlich traue er die Tat niemandem zu.

Honig wird hier nicht mehr entstehen – die Stöcke sind voller Gift.

Dabei geht es Gundrum weniger um den finanziellen Schaden, auch wenn dieser nicht unerheblich ist: 150 bis 200 Euro koste ein neues Bienenvolk mit jeweils etwa 10.000 Bienen. Den Kauf wolle er nicht überstürzen – schnell kaufe man sich kranke Bienenvölker ein. Das müsse sorgfältig geprüft werden. Es sei nicht leicht, gesunde und starke Bienenvölker zu finden. So stark und gesund wie eben jene, die jetzt vergiftet worden sind.
Finde er keine, so habe er zusätzlich ein Viertel weniger Honig in diesem Jahr, den er verkaufen könne. Der 67-Jährige besitzt jetzt „nur“ noch 18 Bienenstöcke. Im Mai und Juni wird Honig geerntet.

Der Imker mit der Bienenallergie

Unterkriegen wolle er sich nicht lassen – zu sehr hänge ihm die Imkerei am Herzen. Es tue ihm gesundheitlich sehr gut, sagt Gundrum, der das Imkern von seinem Vater übernahm. Und das, obwohl er eine Bienenallergie habe. „Ich bekomme alle vier Wochen eine Depot-Spritze zur Desensibilisierung. Dadurch kann ich mit den Bienen arbeiten und muss bei einem Stich nicht um mein Leben fürchten.“ Doch hätte selbst er als Imker nicht gewagt, im November die Stöcke zu öffnen und die Tiere aufzuscheuchen. Er gehe davon aus, dass sich der Täter entsprechend geschützt haben muss – insbesondere „wenn man bedenkt, wie panisch die Bienen werden, wenn sie mit Gift besprüht werden“, so Gundrum.
Er hofft, dass die Tat aufgeklärt wird. „Die Jäger in der nahen Umgebung haben mir versichert, die Augen offen zu halten“, sagt Gundrum, Jagdvorstand in Storndorf. Auch die Polizei hat einen Zeugenaufruf gestartet.
Doch egal, wie es ausgeht, Armin Gundrum möchte seinen Ruhestand mit dem Imkern verbringen. Das Arbeiten in der Natur und seinen Bienen halte ihn gesund. Und dieses Jahr habe er besonders feiern wollen – es ist sein 25-jähriges Jubiläum als Imker. Es kann nur besser werden.

Wer etwas Verdächtiges im Bereich des Waldrands oder in der Nähe der Bienenvölker bei Storndorf beobachtet hat, wendet sich bitte an die Polizei in Alsfeld unter der Telefonnummer 06631-9740, jede andere Polizeidienststelle oder die Onlinewache unter www.polizei.hessen.de.

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