Vogelsberger Landwirte verlieren bares Geld

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Von den Auswirkungen der Dürre 2018 waren viele Vogelsberger Gemarkungen stark betroffen. Dennoch könnten 34 von ihnen aus der Förderung der Ausgleichszahlungen herausfallen.

Vogelsberger Landwirte müssen zukünftig auf mehr als eine halbe Million Euro aus der Ausgleichszahlung (AGZ) für benachteiligte Gebiete verzichten.

Vogelsberg - Der Grund: Nach den Plänen des hessischen Landwirtschaftsministeriums soll es noch in diesem Jahr eine neue Richtlinie zur AGZ für benachteiligte Gebiete geben. Und nach der würden 34 Gemarkungen im Kreis aus der Förderung rausfallen. Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak kritisiert diese Entscheidung: „Wiesbaden will den Ausbau ökologischer Flächen steigern. Wenn man aber mit der Verringerung der Ausgleichszahlung eine Region trifft, in der überwiegend Öko-Landbau betrieben wird, schneidet man der Landwirtschaft ins Fleisch.“

Gemeinsam mit Anja Püchner, Leiterin des Amtes für Wirtschaft und ländlichen Raum, Kreislandwirt Andreas Kornmann und Stefanie Becker, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes, erörtert der Erste Kreisbeigeordnete die Problematik. Es gebe Betriebe, die bis zu 10.000 Euro verlieren. „Das ist Geld, das in der Kasse fehlt. Das kann im Betrieb auch nicht investiert werden. Solche Investitionen aber sind nötig, um den Betrieb interessant für den Nachfolger zu machen“, sagt Kornmann. „Wir haben im Vogelsbergkreis viele kleine Schläge und dadurch viele Saum- und Heckenstrukturen“, ergänzt Püchner. Auch sie würde der Wegfall der Ausgleichszahlung hart treffen. Dabei müsse es darum gehen, kleine Betriebe zu erhalten und somit auch die Biodiversität. „Auch für den Tourismus ist das wichtig.“

Zum Hintergrund: Nach dem Entwurf der neuen Richtlinie, über die noch nicht final abgestimmt wurde, fallen hessenweit 552 Gemarkungen aus der Benachteiligungskulisse heraus. 70 neue kämen hinzu. Nach derzeitigem Stand erfüllen im Vogelsbergkreis von den bisherigen 148 Gemarkungen nur noch 114 die erforderlichen Kriterien. 34 Gemarkungen erfüllen sie also nicht mehr. Neue Gemarkungen kämen nicht hinzu.

Politisches Ziel in Hessen ist es, einen möglichst hohen Anteil bisheriger Gebiete wieder in die neue Kulisse zurückzuholen und den Anteil neuer Gebiete möglichst niedrig zu halten. Hierfür soll die durch die EU ermöglichte Vorgabe genutzt werden, nach der maximal zehn Prozent der Landesfläche mit dem Kriterium „spezifische Gebiete“ definiert werden können. Das sind Gebiete, die aus besonderen Gründen – etwa der Erhaltung oder Verbesserung der Umwelt, der Erhaltung des ländlichen Lebensraums oder der Erhaltung des Fremdenverkehrspotenzials – benachteiligt sind. Allerdings sind die „spezifischen Gebiete“ noch nicht endgültig definiert. Aus diesem Grund haben sich Anfang des Jahres Vertreter der zuständigen Behörden mit den Ortslandwirten der im Vogelsberg betroffenen Gemarkungen zu einem Informationsaustausch getroffen. Zielsetzung dieses Treffens war, über den aktuellen Sachstand zu informieren und möglichst nach neuen, erfolgversprechenden Kriterien zu suchen. Dabei wurde eine Vielzahl von möglichen Kriterien diskutiert und eine Liste von Kriterien zur Weiterleitung an den Landesagrarausschuss erarbeitet.

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