Zu Walzerklängen gegen die Demenz: Neuer Sportkurs in Homberg

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Bald gibt es in Homberg eine Demens-Sportgruppe. Den Ausbildungskurs leitet Barbara Heinz (Mitte) auf Initiative des Turnvereins Homberg 1862, vertreten durch Ute Dietz (Zweite von rechts)

„Nicht lange reden. Wir machen gleich praktische Übungen“, führte Tanzpädagogin Barbara Heinz in die Fortbildung „Bewegung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen“ ein.

Motiviert hatten sich die knapp 20 Pflegepersonen im Homberger Familienzentrum eingefunden. Sie alle nahmen an dem Qualifikationskurs zur Gründung von „moment!“-Gruppen (motorisches und mentales Training für Menschen mit Demenz) teil, um selber eine Demenzsportgruppe leiten zu können.

Viel Spaß beim Ausprobieren der Übungen haben die Teilnehmer des Qualifikationskurses in Homberg.

Eingeladen dazu hatte der Turnverein 1862 Homberg, der ab nächstem Frühjahr eine eigene Demenz-Sport-Gruppe in den Räumlichkeiten des Familienzentrums anbieten möchte, so Ute Dietz, Initiatorin beim Turnverein. Gekonnt führte Bewegungs- und Tanzpädagogin Barbara Heinz aus Schwalmtal in die Grundlagen des neuen Projekts ein. Bei fröhlicher Walzermusik probierten die Teilnehmer die ersten Übungen selbst aus. Zusehends befreiten die Übungen auch eher zurückhaltende Personen, bis sich überall Lachen und gute Stimmung im Saal breitmachte. „Bewegung ist stimmungsaufhellend“, erklärte Heinz, „schauen sie bei ihren demenzkranken Teilnehmern, welche Bewegungen noch gehen und halten Sie nicht daran fest, was nicht mehr geht. Das ist ganz wichtig.“ Bei bekannten Hits wie „Sun of Jamaica“ stellte die 70-Jährige verschiedene Übungen im Stehen und im Sitzen vor. Gab den Übungen eingängige Namen wie „Wickelarme“, „Wellen“ oder „Regentropfen“.

Anschließend durften die Teilnehmer in kleinen Gruppen eigene kleine Geschichten zu Bewegungen kreieren. Wie fantasievoll die Bilder mit passenden Bewegungen entstanden, beeindruckte auch Heinz. Eine Gruppe zeigte Bewegungen aus dem Haushalt, eine andere hatte das Thema Natur, wieder andere Teilnehmer entführten gedanklich zu einer Geschichte auf einem Bauernhof, wo nicht nur Holz gesägt, sondern auch eine Kuh gemolken wurde. Diese Übungen brachten viel Spaß, die Kreativität kannte keine Grenzen. Dass sich jeder der Teilnehmer vorstellen konnte, eine eigene Sportgruppe zu leiten, wurde nur allzu deutlich. Die Idee, eine Demenzsportgruppe in Homberg anzubieten, hatte Dietz zusammen mit Cordula Kirchert, ebenfalls im Turnverein Homberg aktiv, die einen demenzkranken Angehörigen zu Hause betreut. Auf ihre Anfrage sei der Landessportbund bereit gewesen, die Fortbildung zum Bewegungstrainer für Demenzkranke in Homberg anzubieten. Diese sei im Dezember nach zahlreichen Ausbildungsstunden beendet.

Dietz: „Wir möchten mit der Demenzgruppe nicht nur die Kranken durch die Bewegung fördern, sondern auch gezielt für die pflegenden Angehörigen Freiräume schaffen, damit sie auch einmal zwei bis drei Stunden für sich haben.“ Finanziert werde das Angebot im kommenden Jahr komplett über die Pflegeversicherung des Erkrankten. Auch müssten Teilnehmer kein Mitglied im Turnverein sein, informiert Dietz. Auch sie selbst habe bereits eine Angehörige gepflegt, die an Demenz erkrankt sei. Unterstütz werde der Turnverein mit ihrem Angebot von der Stadt Homberg, die die Räumlichkeiten zur Verfügung stelle.

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