"Wie guter Wein" - 2018 wird es keinen Mangel an Weihnachtsbäumen geben

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Heute schon an Weihnachten denken. Dirk Hill zeichnet aktuell die schönsten Bäume in seiner Kultur aus. Die A-Ware verkauft Hill nur im Vogelsberg.

Seit einigen Wochen ereilen Dirk Hill aus Ohmes ungewöhnlich viele Mails. Er ist Forstwirtschaftsmeister und betreibt eine Tannenbaumkultur am Rande des Antrifttaler Ortsteils Ohmes. Die Menschen, die ihn aktuell kontaktieren, sind verunsichert.

Sie fragen: „Gibt es dieses Jahr Weihnachtsbäume? Oder benötige ich einen Plastikbaum?“

Hill steht inmitten seiner Tannenbaumkultur. Saftig grün sind sie – die Tannen, rund 6000 an der Zahl. Entgegen einiger Medienberichte, die vor einem Weihnachtsbaum-Mangel an diesem Weihnachten regelrecht warnten, sagt Hill: „Die Vogelsberger müssen sich keine Sorgen machen: Dieses Jahr wird es eine gute Ernte geben mit wunderschönen Bäumen. Sie sind wie guter Wein.“ Dass seine Tannen den heißen Sommer weitestgehend unbeschadet überstanden haben, hat mehrere Faktoren. Einerseits liegt die Kultur im Wald, der vor heißen Winden und somit vor einem Austrocknen des Bodens schützt. Zudem betreibt der Antrifttaler einen Öko-Landbau. Bedeutet: Zwischen den Baumreihen wachsen Gräser, die ebenfalls vor dem Austrocknen schützen. „Das Wasser aus dem Boden kann dadurch nicht so einfach verdunsten“, sagt Hill während er durch die Baumreihen wandert und jede einzelne Pflanze unter die Lupe nimmt. Einige besonders schöne Bäume zeichnet er mit blau-weißen Markierungen aus – die A-Ware, die er auch nur im Vogelsberg verkaufe, so Hill.

Die Trockenheit hat Folgen

An diesem Weihnachten muss also niemand auf einen Tannenbaum verzichten. Aber: Die langanhaltende Trockenheit hat Folgen für Hills Kultur. „In sechs bis acht Jahren wird es einen Engpass geben“, sagt Hill. Denn die Bäume, die er dieses Jahr gepflanzt hat – mit rund 2000 mehr als üblich – und in etwa sechs bis acht Jahren erntereif hätten sein sollen, sind zu 80 bis 90 Prozent vertrocknet. Das hat eine einfache Erklärung: Die Wurzeln der etwa vier Jahre alten Bäume reichen noch nicht tief genug, um sich mit Grundwasser zu versorgen. Ohne Niederschlag vertrocknen sie. Ältere Tannen hingegen überstehen dank ihrer langen Wurzeln – sogenannten Pfahlwurzeln – auch längere Trockenperioden.

Nordmanntannen (vorne rechts) haben kein großes Problem mit der Trockenheit. Sie sind Pfahlwurzler und haben daher Anschluss an das Grundwasser. Anders sieht es bei den Blaufichten (Bildmitte) aus: Sie sind Flachwurzler und sind teilweise vertrocknet.

Fichten allerdings nicht. Sie sind Flachwurzler und haben einen schweren Stand in diesem Jahr. Ein Großteil von Hills Blaufichten ist vertrocknet. EU-beihilfeberechtigt ist er als Forstwirt nicht. „Bei Ernteausfällen gehen wir komplett leer aus“, sagt Hill. Auf die Frage, wie er in Zukunft auf solche extremen Wetterlagen reagieren würde, antwortet Hill: „Es gibt die Überlegung, noch robustere Nordmanntannen zu pflanzen. Aber es überwiegt die Hoffnung, dass die Trockenheit in diesem Sommer eine Ausnahme war.“

Doch erstmal freue er sich über eine gute Ernte in diesem Winter. „Unter diesem Baum dort würde ich auch gerne Weihnachten feiern“, ruft Hill aus, als er auf eine kerzengerade, buschige und saftig grüne Nordmanntanne zugeht und eine blau-weiße Markierung aus seiner Hosentasche herausholt.

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