Der den Wolf schnitzt: Kunstwerke aus Holz, mehr als ein Hobby

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Liebevoll bemalt ist der kleine Bär, der angestrengt die Holzbank hält, auf der Praetz Platz genommen hat.

Ein ungewöhnliches Hobby hat Jörg Uwe Praetz aus Maar: Er schnitzt kunstvolle Figuren mit der Kettensäge.

Seit drei Jahren lässt ihn das „Fieber“ gar nicht mehr los. Der gelernte Forstwirt bekommt seine Ideen beim Spazieren gehen mit seiner Hündin. „Bei mir muss es dann schnell gehen. Zum Malen bin ich viel zu ungeduldig“, erklärt Praetz schmunzelnd.

Höchstens grobe Skizzen oder wenige Details als Gedächtnisstütze fertigt er im Vorfeld an. Mit seiner Idee sucht er sich dann ein passendes Stück Holz aus und legt einfach los. „Dabei könnte ich nicht mal ein Regal bauen, dazu bin ich viel zu ungenau. Ich mache das alles nach Intuition“, erklärt er. Den Auslöser für die Idee zum Schnitzen war ein Schwedenurlaub.

Der heulende Wolf ist eines von Jörg Uwe Praetz neuesten Projekten.

Dort sah er vor vielen Geschäften Marterpfähle stehen, ein schöner Anblick. Das wollte er auch haben. Und zwar selbst gemacht. Und so begann er nach der Heimkehr spontan mit seinem ersten Stück, einen Marterpfahl für den heimischen Garten. Darauf folgte ein ausgehöhlter Stamm als Blumenkübel für seine Frau. Und die obligatorischen Holzpilze für den Garten, an denen sich schon so mancher Holzschnitzer probiert hat.

 So richtig gepackt hat es ihn dann vor drei Jahren. Der Vorstand vom Kindergarten „Sandhasen“ sprach ihn an und wollte eine passende Skulptur. Die niedlichen Häschen schmücken nun den Eingangsbereich. Dafür haben ihm die Kindergartenkinder ein Ständchen gebracht, die Erwachsenen haben ihm einen Wurstkorb übergeben. Das machte Praetz so viel Freude, dass er seitdem gar nicht mehr aufhören kann, immer neue Kreationen zu entwickeln. Also wurde die Kettensäge rausgeholt und kräftig gewerkelt. Nach keltischen Symbolen und Büsten stellte er immer komplexere Statuen her: Adler, die eine Schlange in den Fängen halten, Bären, die Bänke stemmen, heulende Wölfe, riesige Pelikane, einen Esel, auf dem Kinder sitzen können, kunstvolle Briefkastenhalter, LED-geschmückte Holzsäulen, witzige Skulpturen, die hinter einer Klappe einen Zwerg verbergen – Praetz Fantasie kennt schier keine Grenzen.

„Zum Glück habe ich gute Nachbarn, die sich über meinen Lärm nicht beschweren“, lacht Praetz. Er freut sich, wenn die Rentner bei ihm vorbeischauen und nachsehen, was er gerade wieder werkelt. Verletzt hat er sich bei seiner Arbeit aber noch nie. Nach einer Hüft-Op hängte er seinen Forstberuf an den Nagel und verkauft ein wenig Brennholz von Zuhause aus.

Doch seine Begeisterung gehört dem Hobby. Seine Werke kann man auf Märkten in der Nähe bewundern, so etwa auf dem Weihnachtsmarkt „In der alten Molkerei“ am 16. Dezember in Alsfeld. Vielleicht bietet er auch mal Sägeschnitzkurse für Anfänger an, überlegt er. Es mache schließlich Spaß, Gleichgesinnte zu treffen.

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