Zwischenruf zum Jahresende: Vom Großen ins Kleine

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Redakteur Maximilian Gerten schaut auf das Jahr 2018 zurück und stellt fest: Wie wir die vergangenen zwölf Monate bewerten, hängt maßgeblich davon ab, in welchem Rahmen wir es betrachten - ob im Großen oder im Kleinen.

Einen Jahresrückblick auf einige wenige Zeilen zu brechen, ist schier nicht machbar. Dennoch macht es Sinn, die letzten zwölf Monate für sich Revue passieren zu lassen. Was lief gut, was weniger? Worauf möchte ich in der Zukunft mehr achten? Dabei geht es nicht nur darum, sich ein Mal mehr mit einigen guten Vorsätzen für das neue Jahr zu geißeln. Sondern vielmehr geht es darum einzuordnen, was einem wichtig ist, was man vernachlässigt hat, was schön war. Dabei drängt sich eine Erkenntnis auf – insbesondere im Rückblick auf 2018: Wie wir das Jahr bewerten, hängt doch maßgeblich davon ab, in welchem Rahmen wir es betrachten – ob im Großen oder im Kleinen.

Im Großen, also global betrachtet, hat 2018 viel Unruhe geherrscht. In den USA sind unter Trump, der mehr Sicherheit versprach, 40.000 Menschen durch Schusswaffen gestorben – so viele wie seit den frühen Neunzigern nicht mehr – da nutzen auch Einreiseverbote und Grenzmauer nicht. Brasilien hat mit Bolsonaro einen Mann an die Spitze des Landes gewählt, der die Militärdiktatur verherrlicht. Im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul ist der Journalist Jamal Khashoggi ermordet worden.

Eine Ebene kleiner ist ein Europa zu sehen, das in so vielen Teilen gespalten ist wie lange nicht mehr: In Frankreich versucht Macron das Chaos, das die Gelbwesten auf die Straßen brachten, aufzuräumen und das Land irgendwie zusammenzuhalten. In Großbritannien versucht Theresa May den nicht zu bewältigenden Brexit zu bewältigen und einen Kompromiss zwischen nicht kompromissbereiten Parteien zu schaffen. In Polen führen Regierung und Opposition eine Art politischen Glaubenskrieg, in Italien sind linke und rechte Radikale an die Stelle von Sozialdemokraten und Konservativen getreten. Es ist keine Spaltung zwischen Ost- und Westeuropa, zwischen Nord- und Südeuropa. Die Spaltung, sie vollzieht sich vielmehr durch die einzelnen Länder selbst.

Deutschland ist in diesem Jahr keine Ausnahme: Die CDU ist in sich zerstritten und hat mit ihrem Koalitionspartner weniger regiert als vielmehr gezankt. Das hat die Deutschen genervt und wurde in den Umfragen sowie in den Landtagswahlen in Bayern und Hessen abgestraft.

Apropos: Beim Blick auf Hessen sticht natürlich die Landtagswahl in diesem Jahr hervor. Während die Volksparteien – namentlich SPD und CDU – mit enormen Stimmverlusten rechnen mussten, konnten die Grünen ihr bestes Ergebnis einfahren. Was im Großen nicht gut funktioniert, funktioniert im kleineren Hessen deutlich besser: Die Regierung aus CDU und Grüne hat in der vergangenen Amtsperiode ihre Hausaufgaben gemacht und effektiv und vor allem ohne große Querelen zusammengearbeitet. Gedankt wurde das den Grünen, die weiterhin mit der CDU regieren können.

Noch kleiner: Im Vogelsbergkreis scheint die Uhr oftmals etwas langsamer zu ticken. Das ist in einem hektischen Jahr, in dem so viel passiert ist, fast schon wie Urlaub. In Feldatal und in Kirtorf sind neue Bürgermeister gewählt worden. Mit Leopold Bach und Andreas Fey stimmten die Bürger jeweils für die parteiunabhängigen Kandidaten. Beide Wahlkämpfe wurden auf sachlicher Ebene geführt. Was im Großen nicht geht, ist im Kleinen eben möglich (einen Jahresrückblick für den Vogelsberg lesen Sie hier).

Was am Ende bei einem Jahresrückblick aber wirklich zählt, ist das noch Kleinere: das Private. Da kann sich jeder selbst fragen, was gut und was weniger gut war – unabhängig von dem großen Drumherum. In einer Zeit, wo Nachrichten aus aller Welt auf einen einprasseln, ist es oftmals schwierig, den Überblick zu behalten. Das macht die Welt chaotisch. Mein Tipp deswegen für das neue Jahr: Öfter mal den Blick vom Großen abwenden und ihn stattdessen auf das Kleine – das Lokale und das Private – richten.

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