Zwischenruf: Kein Klo, nirgends!

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Ein Reisender aus Fulda musste vergangenes Wochenende auf die Toilette. Obwohl er nicht zu Hause war. Das soll vorkommen. Meist kein allzu großes Problem. Am Alsfelder Bahnhof aber schon, wie er uns mitteilte.

Denn weder im, noch außerhalb des Bahnhofsgebäudes ist eine öffentliche Toilette zu finden. Und so verzweifelte der Bedauernswerte mit zusammengekniffenen Beinen zunehmend auf der Suche nach dem erlösenden WC. Die rettende Auskunft erhielt er im DB Center: Er könne die Kundentoilette des nahegelegenen Baumarktes aufsuchen. Moment Mal. Ernsthaft?

„Wir sind ein recht kleiner Bahnhof und haben daher keine öffentlichen Toiletten”, bestätigt eine Mitarbeiterin im DB Center des Alsfelder Bahnhofes. Außerdem sei man nur Mieter in diesem Gebäude. Und ja, Reisende, die auf der Suche nach dem stillen Örtchen sind, schicke man zum Herkules Baumarkt. „Das ist die traurige Realität”, sagt auch Ursula Felger, Leiterin des Baumarktes. Die Putzfrauen klagten bereits des Öfteren über die starke Verschmutzung in den Kundentoiletten. „Spritzen und Kondome haben wir auch schon gefunden”, so Felger. Schwer vorstellbar sei es für sie, dass dies Hinterlassenschaften ihrer Kundschaft sind.

Klingt nach Bahnhof Zoo, ist aber Bahnhof Alsfeld. Wir stellen fest: Auch an kleinen Bahnhöfen müssen Reisende ihre Notdurft verrichten (Was fällt denen eigentlich ein!?). Und: Auch kleine Bahnhöfe locken Bahnhofsklientel an. Aber das spielt hier keine Rolle. Es geht schließlich nicht um fehlende Automaten für steriles Fixer-Besteck, sondern um Toiletten für jedermann – unabhängig des Geschlechts, Alters oder Drogenkonsums.

Ich denke: Der Kulanz des Baumarktes ist es zu verdanken, dass der Bahnhof nicht komplett im Dreck versinkt. „Wir schicken niemanden weg, der auf die Toilette muss”, erklärt Felger vom Baumarkt. Dafür sollte sich die 3-S-Zentrale der DB (3 S steht für das Konzept der Bahn: Service, Sauberkeit, Sicherheit) aber mal mit einem ganz großen Blumenstrauß bedanken. Oder mit einem neuen Seifenspender für die Kundentoilette. Wie auch immer. Es geht um die nette Geste.

Doch ist der Baumarkt am späteren Abend oder an einem Sonntag keine Option für die Bedürfnisse der Bahnreisenden. Wo diese Bedürfnisse dann landen – man kann es sich vorstellen. „Es kommt hin und wieder vor, dass wir Verschmutzungen dieser Art im Bahnhof haben”, teilt die Mitarbeiterin im DB Center mit. Allerdings gehe sie davon aus, dass die meisten ihre Notdurft außerhalb des Bahnhofes verrichten.

Das ist schön zu hören. So ganz glücklich macht es mich aber nicht. Mein Vorschlag: Stadt oder DB stellt öffentliche Toiletten zur Verfügung. Oder günstiger: Bahnverkehr am Alsfelder Bahnhof nur noch zu den Öffnungszeiten des Baumarktes!

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