Zwischenruf zum Thema "Leerstand in Alsfeld": Nicht die Stadt hat die Schuld

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In der Obergasse stehen viele Geschäfte leer.

Dass viele Wirte und Ladenbesitzer in Alsfeld nur kurze Gastspiele bestreiten können, ist bedauernswert.

Wenn ein Laden dicht macht, kann das diverse Gründe haben: Das Angebot stimmte nicht, die Preise waren zu hoch oder der Service unfreundlich. Manch einer hat sich vielleicht auch schlicht mit der Selbstständigkeit übernommen. Aber es sind in Alsfeld keine Einzelfälle: Kenan Günay etwa, der im März vergangenen Jahres das Restaurant „Zum Pranger“ in Alsfelds Toplage direkt am Marktplatz eröffnete, musste ein gutes halbes Jahr später wieder schließen. „Unitymedia“ zum Beispiel blieb kein Jahr lang in der Alsfelder Obergasse bestehen – „das lohnt sich hier nicht“, sagte der Filialleiter Steven Bulteel damals. Ebenso öffnete „United Colors of Benetton“ im vergangenen Jahr das letzte Mal die Türen. Damals teilte das Unternehmen mit, es gebe in Alsfeld „ein Frequenzproblem“. „Ledermoden Loos“ schloss ebenfalls zum Jahresende – auch wenn es sich hier anders verhält, denn Herbert Loos führte den Laden an diesem Standort zwei Jahrzehnte. Doch ein Nachfolger konnte bisher nicht gefunden werden. Auch der „Rockkeller“ oder die „Clubbar Plan B“ haben 2017 die Schotten dicht gemacht.

Wo die Ursache darin liegt, das ist gewiss keine leichte Frage. Doch Fakt ist: Gewerbetreibende haben es hier nicht leicht. Vor allem die Obergasse verliert an ihrer Bedeutung als Einkaufsstraße – auch wenn sich Alsfeld mehr als Tourismus- als Einkaufsstadt definiert: leere Gassen mag niemand.

Günay macht auch der Stadt Vorwürfe: Die Dreharbeiten für einen Kinofilm in der Innenstadt hätten im Herbst zu massiven finanziellen Einbußen geführt, die er nicht mehr auffangen konnte. Die Stadt habe ihm einen geringen dreistelligen Betrag als Schadenersatz geboten. Verloren hat er dadurch nach eigenen Angaben einen fünfstelligen Betrag. Andere Gewerbetreibende machen sich schon jetzt Sorgen wegen der bevorstehenden Umbaumaßnahmen am Markt- und Kirchplatz.

Die Stadt allerdings bemüht sich sichtlich, den Leerstand so gering wie möglich zu halten – etwa mit dem Förderprogramm „Mietfreies Startquartal“, wodurch den Gewerbetreibenden die ersten drei Monatsmieten erlassen werden. Zudem ist die Stadt behutsam mit der nun mal notwendigen Planung einer Marktplatzsanierung vorgegangen; stand immer in engem Kontakt zu Gewerbetreibenden und Bürgern. Um das klar zu sagen: Nicht die Stadt Alsfeld ist schuld daran, dass viele Läden schließen müssen. Zumal das Problem in den meisten anderen Kleinstädten ebenfalls bekannt ist.

Am wahrscheinlichsten ist doch das Offensichtlichste: Der Online-Einkauf hat den Einkauf in der Innenstadt entbehrlich gemacht. Da darf sich jeder Einzelne mal fragen, wie viele Weihnachtsgeschenke er im Internet und wie viele er in den Geschäften in Alsfeld gekauft hat.

Klar: Das Shopping von der Couch aus ist bequem: Preise können verglichen, die Pakete kostenfrei geliefert und zurückgeschickt werden. Dass darauf immer mehr Menschen gerne zurückgreifen, das bekommen die Einzelhändler eben auch in Alsfeld zu spüren. So weit so logisch. Doch wie lässt sich das ändern? An diese Frage stößt man letztlich in vielen Debatten – etwa bei der Tierhaltung oder dem Umweltschutz. Da heißt es dann oft: „Wenn sich etwas ändern soll, dann muss sich erst etwas in den Köpfen der Konsumenten ändern.“ Es ist zu befürchten, dass es sich beim Thema Einzelhandel ganz genauso verhält.

Einen Anfang für mich persönlich habe ich in der vergangenen Weihnachtszeit gemacht. Ich beschloss ohne Post und Paketdienst auszukommen. Und siehe da: In Alsfeld konnte ich sämtliche Geschenke erwerben – zu Fuß und mit freundlicher Beratung. Und ganz ehrlich: Dieses Einkaufen macht viel mehr Spaß als der Einkauf im Netz.

Lesen Sie hier den Bericht zu dem Thema: "Stirbt die Alsfelder Innenstadt aus?"

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