Zwischenruf: Ein tragisches Schauspiel

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Acht Stunden habe ich am vergangenen Samstag in einer Spielhalle verbracht – oder wie ich es empfunden habe: in einer Spielhölle.

Ein tragisches Schauspiel, Männer und Frauen am helllichten Tag zu beobachten, wie sie in dudelnde Automaten eine Münze nach der anderen werfen. Selten spuckt die Glücksspielmaschine Geld wieder aus. Ein Beispiel hat mich besonders schockiert: Ein zweifacher Familienvater hat an dem Tag 300 Euro verloren, obwohl er zwischenzeitlich Gewinne von über 500 Euro gesammelt hatte. Er spielte solange weiter, bis das Geld weg war. „Ich habe eine Glückssträhne heute”, sagte er zwischenzeitlich. Wie falsch er damit lag. Das Glück „ist eine leichte Dirne, Und weilt nicht gern am selben Ort”, dichtete Heinrich Heine einmal. Wie zutreffend.

Deutlich zu beobachten war, welche Ausflüchte die Spieler immer wieder finden: „Ich habe eine Glückssträhne. Das muss ich ausnutzen.” „Ich muss das verlorene Geld wieder reinholen.” „Ich trinke nur noch den Kaffee aus.” „Bei dem Regen brauche ich keinen Fuß vor die Tür zu setzen. Ich spiele weiter.” So lauteten einige Gründe, um immer weiter dem Glück hinterherzujagen. Mehrere Stunden verbrachten die Frauen und Männer in der fensterlosen Spielhalle.

326.000 Menschen gelten aktuell in Deutschland als problematisch und 180.000 als pathologisch Spielende. Das zeigt eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Wolfgang Engelking, Experte auf dem Gebiet Glücksspielsucht, sagte mir einmal, Sucht entstehe in einer süchtigen Gesellschaft. Damit hat er Recht. Ist doch in jeder Kleinstadt mindestens eine Spielhalle vorhanden, besitzt doch die Kneipe nebenan stets ein bis zwei Automaten, laufen die Fußballspiele im Fernsehen doch nicht mehr ohne Werbung der zahlreichen Wettanbieter ab. Es scheint, als bestimme das Angebot die Nachfrage – und nicht umgekehrt. Das (Über-)Angebot weckt Bedürfnisse, die man eigentlich gar nicht hat. Als ich den Samstag in der Spielhalle verbracht habe, habe ich selbst zehn Euro in einen Automaten gesteckt. Ich wollte wissen: Was macht das mit mir? Recht flott habe ich acht Euro gewonnen. Das hat mich gefreut. Ich dachte, das gelingt mir bestimmt wieder. Ist es aber nicht. Die zehn Euro waren schnell verspielt. Ich ertappte mich bei einer kurzen Überlegung, es noch einmal zu probieren. Ich entschied mich dagegen. Doch innerhalb weniger Minuten hat das Glücksspiel in mir einen inneren Konflikt entfacht. Einerseits war mir zwar sehr wohl bewusst, dass am Ende immer die Automaten gewinnen. Doch andererseits hätte ich das in dem Moment gut verdrängen können – schließlich habe ich ja auch zwischenzeitlich gewonnen.

Ist man erst in dieser Spirale, fällt der Ausstieg schwer. Deswegen boomt die Glücksspielindustrie. Auf Kosten hunderttausender spielsüchtiger Menschen.

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