Baunataler Modellprojekt zieht bislang nur wenig in 
die Innenstadt – Händler hoffen auf Frühlingswetter

Natalie Thouef ist Auszubildende im zweiten Lehrjahr bei der Stadt Baunatal und beantwortet die Fragen der Passanten und klärt über den Umgang mit der Luca-App auf. Links Redakteurin Nadja Feldle. 
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Natalie Thouef ist Auszubildende im zweiten Lehrjahr bei der Stadt Baunatal und beantwortet die Fragen der Passanten und klärt über den Umgang mit der Luca-App auf. Links Redakteurin Nadja Feldle. 

Einfach mal wieder vor dem Lieblings-Café sitzen und den Innenstadt-Rummel beobachten – das geht seit Montag in Baunatal.

Baunatal. Die Stadt ist eine von drei Modellkommunen in Hessen und darf die Innenstadtöffnungen lockern. Von Trubel ist allerdings noch nichts zu spüren. Bislang ist das Projekt nur für Baunataler Bürger zugänglich. Nach einem negativen Schnelltest in einem der drei Testzentren in der Innenstadt gibt es ein farbiges Bändchen ans Handgelenk und dann darf man ein wenig shoppen gehen oder die Außengastronomie nutzen. Per QR-Scanner und mithilfe der Luca-App kann man sich in den Geschäften ein- und auschecken, wer kein Smartphone bedienen möchte, kann sich auch händisch an- und abmelden.

Giesela Sandgaard, Inhaberin der Janett Boutique: „Die Ware hängt und hängt. Dabei finanzieren wir mit dem Verkauf der Sommerware die nächste Kollektion – und die ist schon bestellt.“

„Noch sind die Baunataler verhalten, was aber sicher auch daran liegt, dass man noch vorsichtig ist und das Wetter nicht unbedingt zum Bummeln einlädt“, erzählt Baunatals Pressesprecherin Susanne Bräutigam, die wie die am Projekt beteiligten Mitarbeiter der Stadtverwaltung und der teilnehmenden Händler und Gastronomen in der Innenstadt getestet wird und ein buntes tagesaktuelles Bändchen erhält.

Viel Organisation steckt hinter dem Modellprojekt, welches gemeinsam mit Vertretern von Verwaltung, der Baunataler Wirtschaftsgemeinschaft, dem City Management Baunatal, Stadtmarketing, Verkehrsverein, und Polizei konzipiert wurde und in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt geführt wird und Hoffnung auf einen normaleren Alltag mit Corona machen soll. Ein Alltag, der es den getesteten Projekt-Teilnehmern ermöglicht, vor der Eisdiele zu sitzen, Schuhe zu kaufen oder ins Kino zu gehen.

Noch ist das Wetter ein bisschen ungemütlich, doch die Gastronomie-Betreiber rund um das Stadtzentrum haben ihre Außenbereiche schon aufbereitet, so dass sich ein Kaffee am Tisch trinken lässt. Wer Hilfe braucht oder Fragen hat, kann sich an die Auszubildenden der Stadt Baunatal wenden. Von 10 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr stehen sie gekennzeichnet mit grünen Warnwesten auf dem Marktplatz bereit. Bis zum 30. April ist das Projekt anberaumt – wenn keine bundeseinheitlicher Notbremse in Kraft tritt.

Dazu sagte Bürgermeisterin Silke Engler: „Wir werden uns danach richten, was in Bund und Land für den weiteren Umgang mit der Pandemie beschlossen wird. Die Entscheidung hierzu liegt nicht in unserer Hand.“

Nasser Asef vor dem Roxy am Marktplatz. Die Außenbestuhlung steht bereit und wartet auf die getesteten Baunataler Bürger. Wenn das Wetter wärmer ist, kommen auch mehr Menschen in die Innenstadt, so die Hoffnung vieler Händler.

Hoffnung setzen vor allem die Geschäftsleute der Baunataler Innenstadt in das Modellprojekt. „Seit Mitte Dezember sind wir geschlossen, im März durften für Click & Meet-Kunden, die sich vorher anmelden mussten, öffnen. Nun hoffen wir, dass die Leute bei schönerem Wetter und mit der Aussicht auf ein Eis in die Innenstadt kommen und vor Ort einkaufen“, erzählt Giesela Sandgaard, Inhaberin der Boutique Janett am Marktplatz. Denn die Ware hängt schon viel zu lange im Ladengeschäft.

Julia Hansmann von Hansmann Sports hofft, dass das Modellprojekt gut anläuft und vermehrt Baunataler in die Innenstadt zieht.

„Es ist nun schon die zweite Saison, in der die Umsätze fehlen. Die neue Kollektion muss lange im Voraus bestellt werden und wird durch den Verkauf der aktuellen Sommerware finanziert. Eine zweite schlechte Saison schafft man vielleicht noch, aber eine dritte... “ Ein paar Geschäfte weiter bedient Julia Hansmann bei Hansmann Sports wieder Kunden, überwiegend Ältere kämen in das Sportbekleidungsgeschäft. „Auch für uns war es Montag erst einmal spannend. Wie müssen wir uns verhalten? Wie reagieren die Kunden? Doch die waren alle sehr glücklich, dass sie zu uns kommen konnten. Ein Kunde kaufte direkt zwei Paar Schuhe und kam extra deswegen zu uns, da seine ‚aus dem Leim gegangen seien‘. Das freut uns natürlich. Neu für uns Verkäufer ist, dass auch wir jeden Tag getestet werden“, so Hansmann.

So treffe ich vormittags auch Nasser Asef von der Bar Roxy im Hotel Scirocco, das momentan das Testzentrum für die Mitarbeiter der Stadt und der Geschäfte beherbergt. Auch er hofft auf bessere Bedingungen für die Außenbewirtung: „Die Bilanz der ersten Tage ist eher schlecht. Es war sehr ruhig, aufgrund des kalten Wetters. Da setzt sich natürlich niemand raus. Wir hoffen aber, dass der Frühling zurückkehrt, denn wir vermissen unsere Gäste und den Alltag.“

EXTRA INFO: Welche Voraussetzungen gibt es vor Ort?

Voraussetzung für das Angebot, das bislang nur für Baunataler Bürger gilt, ist ein tagesaktueller negativer Coronatest. Es werden nur Schnelltests anerkannt, die in einer eingerichteten Teststationen unter Einsatz von medizinisch geschultem Personal durchgeführt wurden.

Ebenfalls berechtigt, an dem Modellprojekt teilzunehmen sind vollständig geimpfte Personen, 15 Tage nach Erhalt der zweiten Imfpung, da diese dann ebenfalls als negativ gelten. Auch die teilnehmenden Geschäftsleute, Gastronomen und Kulturbetreiber sowie deren Mitarbeiter müssen sich täglich testen und auf die Einhaltung der Bestimmungen achten. Zwingend ist zudem für Anbieter und Kunden die Teilnehmer an der Luca-App, die das Land Hessen eingeführt hat.

Als Tagesticket ist ein Festivalbändchen vorgesehen, dass täglich farblich wechselt. Mit dieser „Eintrittskarte“ können die zusätzlich geöffneten Geschäfte, Gastronomie- sowie Kultureinrichtungen einen Tag lang genutzt werden.
Die bestehenden Hygiene- und Abstandsregeln sowie die Maskenpflicht gelten weiterhin.

Weitere Infos dazu auch unter www.baunatal.de

Das sagt die Stadt zum Modellprojekt: Mehr Testungen für ein Stück weit mehr an Normalität

Nach vier Tagen Modellprojekt zieht Baunatals Bürgermeisterin Silke Engler ein erstes Fazit: „Das Angebot wird gut angenommen“, auch wenn die Baunataler*innen sich in den ersten Tagen noch recht verhalten zeigten und das Wetter nicht unbedingt zum Verweilen in der Innenstadt einlädt.“ 

Das Modellprojekt Baunatal erfolgte mit der Öffnung von Einzelhandel, Außengastronomie, und gestern bundesweit mit dem einzigen Kino, in kleinen Schritten, zunächst nur für Baunataler Bürger*innen mit einem negativen Schnelltest.

Rund 1.300 Personen haben sich in dieser Zeit testen lassen. „Dies ist als ein überaus positives Zeichen zu bewerten. Erzielen wir durch das Angebot wieder Shoppen, die Gastronomie nutzen und ins Kino gehen zu können, ein hohes Maß an Testungen, die sonst nicht erfolgt wären“, führt Bürgermeisterin Silke Engler aus. Somit konnten auch einzelne symptomfreie Corona-positive Personen ausgemacht werden, die nun nicht mehr als Träger des Virus weiterhin ihrem gewohnten Alltag mit allen Kontakten nachgehen.

Die aktuelle Lage in der Stadt wird anhand des kreisweiten, allgemeinen Pandemiegeschehens täglich beobachtet und bewertet. Dies erfolgt stets in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt Region Kassel, die für heute (Freitag) eine Inzidenzzahl für den Landkreis Kassel von 140 gemeldet haben.

Ein Abbruch des Projektes, wie heute in der zweiten Modellkommune Alsfeld erfolgt, ist aufgrund der aktuellen Zahlen im Landkreis Kassel bislang nicht vorgesehen. Dieser wäre nach den durch das Land Hessen definierten Abbruchkriterien umzusetzen, unter anderen bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 200 im Landkreis an drei aufeinanderfolgenden Tagen, oder wenn die Kontaktpersonennachverfolgung durch das Gesundheitsamt nicht mehr vollständig gewährleistet werden kann.

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