Corona-Schnelltests nun Pflicht an Schulen – doch 
wie soll das in den Grundschulen funktionieren?

Katja Groh von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. 
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Katja Groh von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. 

Am Montag geht sie wieder los – die Schule startet nach den Osterferien. Wie es ablaufen soll...

Region. Es werden, wie Montag vom Kultusministerium bekanntgegeben wurde, genau wie vor den Ferien, nur die Klassen 1 bis 6 im Präsenzunterricht im Wechselmodell beschult. Es gibt jedoch auch Änderungen, denn ab sofort müssen sich Schüler zwei Mal die Woche auf Covid schnelltesten oder ein maximal 72 Stunden altes negatives Testergebnis vorlegen können. Wie das genau umgesetzt werden soll, darüber sind die Lehrkräfte bis dato ratlos. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert das Vorgehen des Kultusministeriums. Besonders an den Grundschulen ist die vorgegeben Teststrategie kaum umsetzbar.

„Wer sich nicht privat in einem Testzentrum testen lässt, muss sich zwei Mal die Woche vor dem Unterricht, aber ja bereits im Schulgebäude testen. Doch wie sollen sich Kinder im Alter zwischen sechs und elf Jahren selbstständig und hygienisch einwandfrei testen? Und wie sollen wir Lehrerinnen dies beaufsichtigen?“, fragt sich Katja Groh vom Vorsitzendenteam der GEW-Bezirksfachgruppe Grundschule Nordhessen. „Wird ein Kind positiv getestet, muss es isoliert werden, es müssen die Eltern benachrichtigt werden, es kann mit diesem Ergebnis nicht allein auf den Flur geschickt werden, da es vielleicht Angst bekommt und weint. Das Kultusministerium schreibt in seinem Elternbrief vom 12. April zur Teststrategie: ‚Für den Fall, dass Kinder und Jugendliche in der Schule positiv getestet werden sollten, wurden von der Schule Vorkehrungen getroffen, dass die betroffene Schülerin/der betroffene Schüler behutsam begleitet wird, bis Sie ihr Kind in der Schule abholen.‘ Doch zusätzliches Personal oder Hilfskräfte sind für die Testungen nicht vorgesehen, geschweige denn eine räumliche Möglichkeit. Während der Tests müssen die Kinder ihre Masken abnehmen – und dann sitzen doch wieder alle in einem Raum. Damit widerspricht unser Dienstherr massiv den Regeln zum Arbeits- und Gesundheitsschutz, aber das sind wir leider gewohnt.“, sagt Katja Groh. Von Datenschutz kann so ‚beim Gegenmittel geniale Teststrategie‘ keine Rede sein, wissen doch sofort alle in der Klasse, wer die Schule verlassen muss und warum. „Die ohnehin um die Hälfte reduzierte Unterrichtszeit wird damit weiter drastisch verkürzt. Wer soll all das wann durchführen, kontrollieren, melden? Und wer unterrichtet die positiv getesteten Kinder im Distanzunterricht? Die Lehrkräfte sind mit ihrem Stundenkontingent im Präsenzunterricht eingesetzt“, fragt sich die GEW.

Erstmalig revidiert Kultusminister Alexander Lorz in seinem neuesten Elternbrief, dass der Distanz- mit dem Präsenzunterricht vergleichbar ist. „Das hat er unlängst zu unser aller Entsetzen noch behauptet. Da scheint er immerhin dazu gelernt zu haben.“ Auch Elternbeiräte seien fassungslos über so viel Unfähigkeit der politisch Verantwortlichen, heißt es.

Ob bis Montag zum Schulbeginn genügend Material und Schutzkleidung für Lehrkräfte und Schüler vorhanden sein werden, weiß man bislang auch noch nicht.

„In den Testzentren hatten sich so viele freiwillige Helfer gemeldet, dass man gar nicht alle einsetzen konnte. Warum kann man nicht diese Helfer für die Schulen einsetzen und nimmt Geld in die Hand – zugunsten der Sicherung der Bildung unserer Kinder?“, so Katja Groh.

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