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„Wir wollen nicht lange bleiben!“ 

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Erschöpft aber in Sicherheit. Dieser kleine Junge gehört zur ersten Gruppe von Flüchtlingen, die über Fagarasch in den Landkreis gekommen sind.
Erschöpft aber in Sicherheit. Dieser kleine Junge gehört zur ersten Gruppe von Flüchtlingen, die über Fagarasch in den Landkreis gekommen sind. © Krümler

Erste ukrainische Flüchtlingsfamilien aus Fagarasch in Nordhessen eingetroffen

Kassel. Der Kreis schließt sich. Vor gut einer Woche war ich zusammen mit den beiden Landwirten und langjährigen Hilfstransport-Organisatoren Ottmar Rudert und Günter Rüddenklau in Fagaras, wo Pfarrer Johannes Klein mit Kriegsausbruch ein nahegelegenes Ferienlager für Flüchtende frei geräumt hat, um sie aufzunehmen, zu betreuen und die Weiterreise zu organisieren. Aus eben dieser Unterkunft im Dorf Bekokten ist am Dienstag dieser Woche eine erste Gruppe in Kassel eingetroffen – Mütter, Kinder, Großmutter und ein kleiner Hund. Sie wurden von freiwilligen Helfern begrüßt und umgehend in ihre bereitstehenden Unterkünfte in Westuffeln und Ostheim gebracht.

Die Kirchengemeinde in Fagarasch konnte bereits einigen ukrainischen Familien bei der Weiterreise helfen. Mehrmals in der Woche bringen Busse – gesponsort von rumänischen Nahverkehrs- und Reiseunternehmen – Flüchtlinge kostenlos nach Deutschland oder in die Niederlande; die Fluglinie Wizz Air fliegt von den nahegelegenen Flugplätzen Sibiu und Targu Mures aus geflüchtete Ukrainer kostenlos nach Dortmund, nur das Gepäck muss bezahlt werden. Und auch per Zug ist die Weiterreise möglich.

„Das hört sich immer alles so toll an“, berichtet Pfarrersfrau Renate Klein, „die Flüchtlinge kommen über die Grenze, setzen sich in einen Zug und können kostenlos bis Deutschland fahren. Das stimmt zwar, aber der Teufel steckt im Detail.“ So mussten die Helferinnen und Helfer der rumänischen Kirchengemeinde noch zu Beginn der Planungen für die Weitereisen feststellen, dass die (kostenlosen) Tickets nur für das jeweilige Land gültig sind. „Konkret bedeutet das, dass die Flüchtlinge bei jedem Grenzübertritt im Bahnhof ein neues Ticket holen müssen – von uns aus gesehen also in Ungarn, der Slowakei oder Österreich und das alles ohne Sprachkenntnisse.“ Eine Bürokratie, welche in den betroffenen Ländern wohl auf dem kurzen Dienstweg abgeschafft wurde, zumindest die Gruppe, die jetzt in Kassel eingetroffen ist, gelangte relativ problemlos an ihr Ziel. „Unser Problem war selbst gemacht“, berichtet eine der Mütter.

„Wir haben uns in einem Bahnhof beim Umsteigen aus den Augen verloren und waren plötzlich zwei Gruppen.“ Dank Mobiltelefon konnte das Malheur behoben werden, an einem der nächsten Umsteigehalte waren die dreizehn Frauen und Kinder wieder vereint.

Sie alle sind überaus dankbar für die Unterstützung, die ihnen in Westuffeln und Ostheim entgegengebracht wird, wo ihnen Anwohner kostenlos Wohnungen zur Verfügung stellen und Hilfestellung geben. „Wir wollen auch nicht lange bleiben, sondern wieder nach Hause. Hoffentlich ist der Krieg bald vorbei.“

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