20 Jahre im Amt: Gespräch mit Manfred Helfrich über Ehre und Verantwortung eines Bürgermeisters

Poppenhausens Bürgermeister Manfred Helfrich (rechts) im Gespräch mit FULDA AKTUELL-Redaktionsleiter Bertram Lenz
+
Poppenhausens Bürgermeister Manfred Helfrich (rechts) im Gespräch mit FULDA AKTUELL-Redaktionsleiter Bertram Lenz

Bürgermeister zu sein ist für Manfred Helfrich „kein Spaß und kein Job“, sondern vielmehr eine „Ehre und Freude“. Seit nunmehr 20 Jahren ist er hauptamtlich für seine Heimatgemeinde Poppenhausen am Fuße der Wasserkuppe tätig und somit neben Brigitte Kram (Ebersburg) und Hermann-Josef Scheich (Eiterfeld) einer der dienstältesten Verwaltungschefs im Kreis Fulda.

Poppenhausen/Wasserkuppe Gerne war der 64-Jährige einer Einladung von FULDA AKTUELL zum redaktionellen Gespräch gefolgt. In den zwei Stunden wurde eines deutlich: Poppenhausen steht in vielen Belangen sehr gut da.

Als „Bauernjunge“, gebürtig aus Poppenhausen-Steinwand, sei es ihm eigentlich nicht „in die Wiege“ gelegt worden, in seiner Heimat einmal als Bürgermeister zu wirken. Auch der Besuch einer „höheren Schule“ sei eher ungewöhnlich gewesen, erinnert sich Helfrich und führt zudem den schwierigen Schulweg mit der drei Kilometer entfernten Busverbindung an, die ihn aus Poppenhausen zunächst an die Winfriedschule und dann ans Wirtschaftsgymnasium nach Fulda brachte.

Erst entschied er sich 1977 für eine Laufbahn bei der Hessischen Polizei, wo er von 1989 bis 1991 ein Studium an der „Verwaltungsfachhochschule Wiesbaden“ mit dem Abschluss Diplom-Verwaltungswirt (FH) absolvierte. In seinem „ersten Berufsleben“ war Helfrich zuletzt als Polizeihauptkommissar in der Funktion eines Dienstgruppenleiters bei der Polizeistation Gelnhausen tätig.

Mit seiner Frau Regina war er zunächst in Obertshausen wohnhaft, bevor sie in Poppenhausen ein Grundstück gekauft und 1983/1984 ein Haus für die junge Familie gebaut haben. Und Helfrich gesteht schmunzelnd, 1987 unter anderem auch deshalb in die CDU eingetreten zu sein, um vielleicht mit Hilfe von politischen Kontakten zu einer heimatnahen Dienststelle versetzt werden zu können.

Sein ehrenamtliches Engagement für Poppenhausen begann 1989 mit dem Ortsbeirat, bis er im März 1991 Erster Beigeordneter und zehn Jahre später zum Nachfolger von Wolfgang Wehner ins Rathaus gewählt wurde. Seither hat es drei weitere Direktwahlen gegeben, zuletzt im Mai 2019. Der 64-Jährige gibt in der Rückschau zu, damals ein Risiko eingegangen zu sein, sich quasi „ohne Rückfahrkarte“ als Beamter auf Lebenszeit aus dem Polizeidienst in ein Beamtenverhältnis auf Dauer der Wahlperiode verabschiedet zu haben. Doch trotz des persönlichen Risikos zeigte Helfrich bereits vor 20 Jahren eine Eigenschaft, die künftig sein Wirken in der Rhöngemeinde begleiten sollte: „Verantwortung für die Heimat zeigen und sich mit Herzblut den unterschiedlichsten Themen der Daseinsvorsorge widmen.“

Fit für die Zukunft entwickelt

Die Kombination dieser Leitgedanken hat dazu geführt, dass viele Projekte in gemeinsamer Anstrengung mit den gemeindlichen Gremien, den Mitarbeiter*innen aus dem Rathaus, dem Bauhof und der aktiven Bürgerschaft realisiert werden konnten. „Mit unserer Finanzausstattung waren wir nie verwöhnt. Vielmehr mussten wir immer sehen, wie wir zurechtkommen. Doch mit pragmatischer Vorgehensweise ist es uns meist gelungen, trotz knapper Kasse eine hohe Wertschöpfung zu generieren“.

Die Luftkurortgemeinde Poppenhausen hat sich zukunftsfähig entwickelt, wobei Helfrich darauf Wert legt, dass „nicht nur der Kernort im Auge behalten wird, sondern auch die Ortsteile und Weiler“. Die Gesamtgemeinde hat derzeit übrigens rund 2.750 Einwohner – mit leicht steigender Tendenz, was auch daran liegt, dass sich dank der guten Infrastruktur in allen Belangen junge Familien niederlassen. „Sie alle schätzen unsere attraktive Lage am Fuße der Wasserkuppe“, schwärmt Helfrich, der nicht erst im Zusammenhang mit Corona generell eine neue Lust festgestellt hat, sich auf dem Land anzusiedeln.

Apropos Corona: In allen Bereichen sei die Gemeinde dankenswerter Weise bislang „erstaunlich gut“ durch die Pandemie gekommen. Es habe zwar vereinzelt Fälle von Erkrankungen gegeben, doch habe man weder Rathaus, noch Bauhof oder die Kindertagessstätten schließen müssen. Der Verwaltungschef: „Das liegt auch an einer funktionierenden Mischung aus Eigenverantwortung und vernünftiger Gelassenheit, mit der wir dieser Situation begegnen“.

Sichtlich zufrieden verweist Helfrich darauf, dass es 1.650 „heimatnahe“ Arbeitsplätze in der Gemeinde gibt. Dies nicht zuletzt dank des größten Paletten-Herstellers in Europa, einem großen Lebensmittelproduzenten, mehreren Bauunternehmen, Handwerksbetrieben und Dienstleistern. Auch dies sei eine gute Mischung, die sich positiv auf die Gewerbesteuer auswirke. Derzeit gibt es Pläne und erste Vorbereitungen der Bäckerei „Pappert“, den Betrieb nach Eichenzell, an den Rand des Industrieparks Rhön zu verlagern. Bei Realisierung dieses Vorhabens wäre dies „ein herber Verlust“, zumal Poppenhausen ja Stammsitz des Unternehmens sei und seitens der Gemeinde immer unterstützt wurde. Zum einen ginge Steuerkraft verloren, zum anderen eine große Anzahl der erwähnten heimatnahen Arbeitsplätze.

Viel Bürgersinn

Apropos Stolz: Dass „seine“ Gemeinde viel Bürgersinn zeigt, beweisen auch die vielen Vereine und die Feuerwehren, auf die immer Verlass sei. „Poppenhausen ist ein Lebensraum, wo die Verantwortlichen für Menschen einer jeden Generation da sind. Hier findet man eine bedarfsgerechte Infrastruktur, eine ausreichende Nahversorgung, eine medizinische Versorgung sowie eine Kinderbetreuung und Kinderbildung von Anfang an. Von Bedeutung ist zudem das soziale Engagement, was beispielsweise an dem Projekt ,Leben und Arbeiten in Poppenhausen‘ zur Förderung der Inklusion deutlich wird. Weitere Bausteine sind die Ansiedlung einer Senioren-Tagesstätte und die Beschäftigung von Menschen mit einem Handikap am gemeindlichen Bauhof“.

Im Wirtschaftsfaktor Tourismus zählte man vor Beginn der Pandemie rund 115.000 Übernachtungen jährlich und verfüge damit über die „größte Tourismusintensität“ im Dreiländereck Hessen-Franken-Thüringen. „Seit geraumer Zeit präsentieren wir uns authentisch als ‚Die Natursportgemeinde im Biosphärenreservat Rhön‘, die ihren Gästen Wandern, Nordic Walking, Bergsteigen, Klettern, Mountain-Biking, Paragliding, Segelflug und Schwimmen im Naturbadesee Guckai-See bietet und verschiedene Themenwege angelegt hat. Sich in intakter Natur und herrlicher Landschaft aktiv und sportiv bewegen zu können – damit verbindet der Erholungssuchende ein besonderes Glücksgefühl“. Wenn der Poppenhausener Bürgermeister manchmal „Rhön-Kanzler“ genannt wird, ist dies mit einem Augenzwinkern vielleicht ein wertschätzender Titel, der ihn aber eher etwas verlegen macht.

Die in den letzten Jahren zum Teil emotional und kontrovers geführte Diskussion um eine Erweiterung des bestehenden katholischen Kindergartens oder einen Neubau in kommunaler Trägerschaft belastete die Bürgergemeinschaft erheblich und belastete auch den Bürgermeister. Bei seiner begründeten Vorgehensweise zu diesem Thema hätte er sich etwas mehr Grundvertrauen gewünscht. Erfreulicher Weise hielt die Kommunalpolitik in dieser schwierigen Zeit stets zusammen, und es konnte einen für beide Seiten tragfähiger Kompromiss gefunden werden.

In der Zusammenfassung der Zwischenbilanz ist der Poppenhausener Bürgermeister sehr zufrieden, die vergangenen 20 Jahre hätten ihn gefordert und erfüllt. Er ist froh und dankbar, dass er mit Unterstützung vieler Mitstreiter seinen Beitrag dazu leisten konnte, damit es sich in seiner Gemeinde ganz gut leben lässt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Eine Gemeinde wird 50 Jahre alt
Fulda

Eine Gemeinde wird 50 Jahre alt

Künzell feiert Geburtstag mit Aktionen und sucht Zeitzeugen
Eine Gemeinde wird 50 Jahre alt
„reisewelt“ und die neu entdeckte Lust am Verreisen
Fulda

„reisewelt“ und die neu entdeckte Lust am Verreisen

Trotz der anhaltenden Corona-Pandemie scheint es für die Reisebranche Licht am Horizont zu geben. „Wir gehen den Weg der Erholung“, sagt Dennis Krug von der …
„reisewelt“ und die neu entdeckte Lust am Verreisen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.