2G im Einzelhandel: Shopping-Bremse für das Weihnachtsgeschäft

Ein Klima der Ungerechtigkeit sehen die Hünfelder Innenstadthändler durch die 2G-Regelung. Systemrelevante Geschäfte und Märkte böten teilweise die gleichen Artikel an, wie die Fachgeschäfte vor Ort.
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Ein Klima der Ungerechtigkeit sehen die Hünfelder Innenstadthändler durch die 2G-Regelung. Systemrelevante Geschäfte und Märkte böten teilweise die gleichen Artikel an, wie die Fachgeschäfte vor Ort.

Reginald Bukel und Isabel Heller, „Citymarketing“-Verantwortliche aus Fulda und Hünfeld, sprechen über gesetzliche Regeln beim Weihnachts-Shopping

Osthessen Seit dem 5. Dezember gilt in ganz Hessen (und darüber hinaus), die sogenannte 2G-Regelung im Einzelhandel. Das heißt, dass nur geimpfte oder genesene Personen – jeweils mit Nachweis – Geschäfte betreten dürfen.

Dies gilt für sämtliche Branchen, ausgenommen sind lediglich Geschäfte mit Waren für den täglichen Bedarf. Dazu gehören Lebensmittelhandel, Wochen- und Spezialmärkte, Getränkemärkte, Reformhäuser, Babyfachmärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Optiker, Hörakustiker, Buchhandlungen, Stellen des Zeitungsverkaufs, Blumenfachgeschäfte, Tierbedarfsmärkte, Futtermittelmärkte, Bau- und Gartenmärkte, Poststellen, Banken, Sparkassen, Tankstellen und Wäschereien wir berichteten).

„Die 2G-Regelung wird von den Kundinnen und Kunden erstaunlich gut akzeptiert und es gibt kaum Diskussionen“, sagt Reginald Bukel, Vorsitzender des „Citymarketing Fulda“ im Gespräch mit „FULDA AKTUELL“. Dennoch sieht er eine Tendenz zu deutlichen Umsatzeinbußen für die Händler der Innenstadt, denn es seien sehr viel weniger Menschen unterwegs, als in Jahren ohne Corona.

Eigenes Personal für die Kontrollen

Für die Kontrollen setzen die Geschäfte laut Bukel überwiegend eigenes Personal ein. Dazu werde beispielsweise oft die „Covpass Check App“ eingesetzt, so dass die Kontrollen durchgeführt werden können, ohne dass die Smartphones der Kunden in die Hand genommen werden müssen. Die zusätzlichen Kontrollen hätten jedoch zwei Nachteile: Zum einen müsse dabei bei fallenden Einnahmen mehr Personal bezahlt werden. Zum anderen schmälere das Procedere laut Bukel den Shopping-Genuss der Kundschaft. „Die Menschen gehen gezielt in ein Geschäft, weil sie dort etwas besorgen möchten. Das Bummeln und Stöbern entfällt fast völlig, da viele nicht in jedem Geschäft kontrolliert werden möchten“, so der Fuldaer „Citymarketing“-Chef. „Das verhagelt das Weihnachtsgeschäft.“

Ein wenig anders zeigt sich die Lage in Hünfeld: „Bisher sieht es mit dem Weihnachtsgeschäft in den Hünfelder Läden ganz gut aus“, sagt Isabel Heller, Geschäftsführerin des „Citymarketing Hünfeld“, im Gespräch mit „FULDA AKTUELL“. Ob das Geschäft im Vergleich mit den Jahren ohne Coronavirus rückläufig sei, könne man für Hünfeld derzeit nicht sagen. Für die Kontrollen von Impfpässen und Ausweisen sind die Inhaber und das Personal zuständig: „In Hünfeld wurden keine Zusatzfirmen für die Kontrollen engagiert“, so Heller. Die Kunden seien verständig und vernünftig. Mit Geduld und Akribie würden die gesetzlichen Vorgaben umgesetzt. „Es hat auch in diesem Zusammenhang noch keine Vorfälle mit Kunden gegeben“, sagt Heller.

Der Vorstand des „Citymarketing Hünfeld“, Gitta Grafe-Hodes und Dimitra Siebert, bemängeln, dass die Politik versäumt habe, den stationären Einzelhandel mit der 2G-Regelung ausreichend zu unterstützen. Es sei nicht vorausschauend gehandelt worden, so die Meinung des Hünfelder Händler. Zudem stoße das Thema Ungerechtigkeit den Geschäftsinhabern auf: „In Lebensmittelmärkten und Drogerien stehen sich die Kunden auf den Füßen. Die Einzelhändler haben hingegen perfektionierte Abstands- und Hygienekonzepte für ihre Läden entwickelt“, sagt Heller. Dass beispielsweise in Drogerien und Supermärkten Kleidung und Spielwaren angeboten würden, ginge mit Umsatzeinbußen zu Lasten der Fachgeschäfte. „Jetzt werden die Socken und Spielwaren eben in der Drogerie gekauft und nicht im Bekleidungsgeschäft“, moniert die „Citymarketing“-Geschäftsführerin. „Damit hat die Politik wieder ein Klima der Ungerechtigkeit geschaffen.“ Ein Lob hat Heller für die Hünfelder Kundschaft: „Viele Leute sind geimpft und warten geduldig, bis alles kontrolliert ist. Die Menschen sind sehr vernünftig.“

Neuer Lockdown wäre der „Katastrophenfall“

Ein erneuter Lockdown, der allerdings momentan auf der politischen Ebene noch nicht zur Debatte steht, wäre „äußerst schlecht“ für den stationären Handel. „Das würde den Online-Handel wieder befeuern., Wir hoffen sehr, dass das nicht passiert“, sagt Heller. Als „Katastrophenfall“ bezeichnet Bukel diese Möglichkeit. „Bisher hat jeder Lockdown dazu geführt, dass die Kunden in den Internethandel abgewandert sind und jedes Mal danach weniger Menschen in die Geschäfte vor Ort gekommen sind“, sagt Bukel. Es würde zwar wieder finanzielle Hilfen geben, aber „ein neuer Lockdown, von dem manche ja schon als ,Weihnachtsruhe‘ sprechen, wäre eine katastrophale Entwicklung für den Einzelhandel“, so Bukel.

Er sieht auch das Geschäft mit Gutscheinen in einem Abwärtstrend: „Es werden weniger lokale Gutscheine als Weihnachtsgeschenke verkauft. Das liegt daran, dass die Menschen derzeit gar nicht wissen, ob sie gekaufte Gutscheine überhaupt nach dem Fest einlösen können. Wer aber Gutscheine verschenken möchte, sollte diese bei den Läden vor Ort kaufen.“, rät der Fuldaer „Citymarketing“-Vorsitzende. „Trotz allem schauen wir optimistisch in die Zukunft. Es wird auch wieder besser werden.“

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