Acht bis zehn Kindesmissbrauchs-Fälle jährlich im Landkreis Fulda

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Nachgefragt beim Jugendamt des Landkreises Fulda, wie sie Lage in der Region aussieht und was präventiv getan werden kann.

Osthessen. „Der Begriff Kindesmissbrauch wird häufig genutzt, wenn sexuelle Gewalt gegenüber Kindern gemeint ist. Aber auch physische und psychische Gewalt und Vernachlässigung sind Formen von Missbrauch. Über allem steht der juristische Begriff der Kindeswohlgefährdung“, so das Jugendamt des Landkreises Fulda auf Nachfrage von „Fulda aktuell“.

Laut dem Jugendamt bezeichne sexueller Missbrauch von Kindern „eine große Bandbreite von sexuellen Übergriffen und Gewalttaten, die von flüchtigen Berührungen, dem Verbreiten von pornografischen Fotos und Filmen bis zur Vergewaltigung reichen“. Dementsprechend groß sei die Bandbreite, auf welche Weise Kinder auf diese Form der Gewalt reagieren. „Sehr viele Aspekte spielen dafür eine Rolle. So ist beispielsweise nicht zuletzt die Frage wichtig, ob die Gewalt von einem Fremden ausgeht oder von einem Familienmitglied, ob das Kind eine Vertrauensperson hat, dem es sich öffnen kann oder sich allein fühlt. Kurz gesagt: Es gibt kein eindeutig klassisches Verhalten, an dem man einen sexuellen Missbrauch erkennt.“

Allerdings gebe es durchaus Hinweise und Muster, auf die die Fachkräfte geschult sind. „Aber es gilt immer, dabei sehr behutsam zu sein: Nicht jedes Kind, das sich plötzlich zurückzieht, ist Opfer eines Übergriffs. Für eine gute Einschätzung benötigt man Erfahrung und ein gutes Gespür für die Situation“, heißt es aus dem Jugendamt.

Beim Jugendamt des Landkreises werde jede eingehende Meldung vorrangig bearbeitet. Die Bewertung der Meldung sowie die weitere Vorgehensweise erfolge immer durch mehrere Fachkräfte, um mögliche Bewertungsfehler zu minimieren. Ein weiterer Schritt könne ein unmittelbarer Hausbesuch sein. „Hier ist das Ziel, sich ein umfassendes Bild zu verschaffen, das die gesamten Lebensumstände umfasst. Auch wird das Vorsorgeheft des Kinderarztes geprüft. Ebenso wird geprüft, in welchem Gesamtzustand die Kinder sind, ob es Hinweise auf Vernachlässigung oder körperliche Gewalt gibt.“

Schutzplan erstellen

Wenn gewichtige Anhaltspunkte vorliegen, die auf sexuelle oder andere Formen von Gewalt hinweisen, wird ein Schutzplan erstellt. Dieser kann sehr unterschiedlich aussehen – ebenfalls gemessen an der speziellen Situation. So ist oft der erste Schritt sein, den Kontakt des mutmaßlichen Täters zu dem Kind zu unterbinden. Darüber hinaus werden Fachberatungsstellen von ,Pro Familia‘ und dem ,Sozialdienst katholischer Frauen‘ hinzugezogen. Außerdem steht das Angebot der Schutzambulanz zur gerichtsfesten Sicherung von Beweisen zur Verfügung. Gleichzeitig ist die Kinderklinik ein wichtiger Partner. Als letztes Mittel können Kinder gemäß § 42 SGB VIII in Obhut genommen werden. In den entsprechenden Fällen werden umgehend die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet“, so das Jugendamt.

Es gebe eine Vielzahl von präventiven Maßnahmen, um Kindesmissbrauch. „Hierzu zählen insbesondere die Tätigkeit der sogenannten IseF-Fachkräfte („Insofern erfahrene Fachkräfte“). Diese beraten und unterstützten im Bereich der Kindertagesstätten und Schulen in Einzelfällen und bieten zu diesem Themenkomplex Fortbildungen für Fachkräfte an. Gleichzeitig schulen wir unsere eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sind präventiv tätig im Bereich der Jugendförderung und der Vereinsarbeit. Unsere Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche sowie die Jugendämter von Landkreis und Stadt beraten ebenfalls zu diesem Themenbereich. Ziel ist es, sehr früh Kenntnis von Missständen zu erhalten, um entsprechend früh eingreifen zu können“, heißt es vom Kreis-Jugendamt.

In der hessenweit einheitlich geregelten Statistik werden Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs nicht gesondert erfasst. Für den Landkreis Fulda lässt sich laut Pressestelle des Kreises sagen, dass die Zahl der Verdachtsfälle im Bereich des sexuellen Kindesmissbrauchs sich jährlich um circa acht bis zehn Fälle bewege. Insgesamt liegt im Landkreis Fulda die Zahl der Meldungen zu Gefährdungen wie häuslicher Gewalt oder Vernachlässigung bei etwa 100 im Jahr.

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