Achtung, Scherben! Gefahr durch Quecksilber in Energiesparlampen?

Hessen. Für zwei Drittel aller Quecksilber-Emissionen in der BRD zeichnen Kohlekraftwerke verantwortlich. Auch in der Nahrungskette (Trinkwasser, Thu

Hessen. Für zwei Drittel aller Quecksilber-Emissionen in der BRD zeichnen Kohlekraftwerke verantwortlich. Auch in der Nahrungskette (Trinkwasser, Thun- und Haifisch, Eier, Pilze,Weizen, Kartoffeln) lassen sich Quecksilberspuren nachweisen. "Alte" Fieberthermometer beinhalten bis zu einem Gramm des Metalls, das auch Bestandteil von Zahnfüllungen sein kann. Aber wie groß ist die Gefahr, die von Quecksilber in Energiesparlampen ausgeht? Seit dem 1. Januar 2012 ist die "klassische Glühbirne" aus dem Handel verbannt. Das alte Leuchtmittel, das den zugeführten Strom zu über 90 Prozent in Wärmeenergie umsetzte, wurde – aus energetischen, ökonomischen und ökologischen Erwägungen der EU heraus – schrittweise durch Kompaktleuchtstofflampen (Energiesparlampen) ersetzt. Diese sind laut Herstellerangaben heller, 5 bis 15-mal länger haltbar und verbrauchen bis zu 80 Prozent weniger Strom.

Letztes Jahr häuften sich in Zeitungen, Radio und Fernsehen vermehrt Berichte über enorme Gesundheitsgefährdung durch Quecksilberdampf bei Bruch von Energiesparlampen. Laut "Naturschutzbund Deutschland" (NABU) enthalten "alle Energiesparlampen etwas Quecksilber im Leuchtgas, neuere Modelle etwa zwei Milligramm". Wenn das eigentlich flüssige, silberweiße Schwermetall in gasförmigem Zustand eingeatmet wird, wirkt es als Zellgift auf Eiweiße sowie Nervenzellen und lagert sich in Gehirn, Rückenmark, Leber, Milz und Nieren ab. Abnehmende Gedächtnisleistung, motorische Störungen und Haarausfall könnten Folgen einer  Quecksilber-Vergiftung sein.

In ihrer Verordnung Nr. 1194/2012, einem Rechtsakt ohne Gesetzescharakter vom 12. Dezember 2012, hält es die EU-Kommission daher für "angebracht, den Quecksilbergehalt von Kompaktleucht­stofflampen als eine Eigenschaft mit erheblicher Umwelt­auswirkung (...) zu regeln." Zu spät? Eine vorangegangene EU-Studie zu Quecksilber in Energiesparlampen, die unter beratender Mitwirkung des Elektronikkonzerns "Philips" entstand, untersuchte ganze fünf Lampen-Exemplare auf gesundheitsschädliche Eigenschaften. Die Birnen wurden nicht einmal zerbrochen, Auswirkungen durch Quecksilberdampf konnten also gar nicht festgestellt werden.Die Prüf-Berichte aus Brüssel waren wenig aussagekräftig, von Experten (Lobbyisten) beeinflusst und wurden später notdürftig  nachgebessert.

Die Ausnahmeregelungen und -fristen zur Vermeidung von Stoffen wie Blei(oxid), Cadmium und Quecksilber in Elektro- und Elektronikgeräten (Art. 4 Abs. 1 Richtlinie  2011/65/EU  vom  8.  Juni  2011) sind zahlreich und für Laien absolut undurchsichtig.­ Für einseitig gesockelte Energiesparlampen zu allgemeinen Beleuchtungszwecken galten – je nach Wattzahl – noch bis Ende 2011 oft doppelt so hohe Quecksilber-Grenzwerte wie ab 2013. Energiesparlampen mit mehr als 150 Watt dürfen derzeit bis zu 15 Milligramm, Lampen mit einem Röhrendurchmesser von weniger als 17 Millimetern 7 Milligramm Quecksilber enthalten. Vor drei Jahren aber war von einer (der Industrie vielleicht bekannten) Gefährdung durch Quecksilber-Gas noch überhaupt nicht die Rede.

Obwohl laut offizieller Stellen keine Gefahr für die Gesundheit besteht, sollten beim Zerbrechen einer Energiesparlampe dennoch folgende Schritte unternommen werden:• lüften und verlassen sie den Raum für mindestens 15 Minuten• kehren sie die Scherben mit Gummihandschuhen und Wegwerftüchern zusammen; Teppichböden mit Klebeband abtupfen• entsorgen sie nach dem Staubsaugen Beutel, Scherben und Handschuhe außerhalb des Hauses im Restmüll• geben sie ausgediente, nicht zerbrochene Lampen bei kommunalen Sammelstellen (nicht flächendeckend) ab

Trotz der kritischen Berichterstattung zur hastigen, EU-weiten Einführung von Energiesparlampen, der nicht transparenten Informationspolitik der EU-Gremien und den TV-Sendungen über tragische Einzelfälle, ist den Verbrauchern jetzt eine Vermeidung der energieeffizienten Lampen überhaupt nicht mehr möglich.

(Quellen: test.de, bild.de, nabu.de, ARD, wikipedia.de, ec.europa.eu, bag.admin.ch)

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