Mit allen Sinnen erfahren: Zum 45. Mal 24 Stunden Motorsport in der „Grünen Hölle“ des „Nürburgrings“

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Hans Peter Ehrensberger und Michael Schwabe waren beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring hautnah dabei.

Nürburgring - Fünf Sinne rechnet man gemeinhin dem Menschen zu: das Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten. Die moderne Physiologie spricht von weiteren vier Sinnen – dem Temperatur- und Gleichgewichtssinn sowie der Schmerz- und Körperempfindung. Wohl bei keinem Sportevent auf diesem Planeten werden diese „human senses“ derart geballt und gebannt wahrgenommen wie beim größten, spektakulärsten und faszinierendsten Motorsportrennen der Welt, dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. In der „Grünen Hölle“ der Eifel sind Rennfahrer, Zuschauer und Veranstalter gleichermaßen mit Körper, Geist und Seele gefordert.

Sehen. Was wird den Fans nicht alles geboten an optischen Eindrücken an den fünf Veranstaltungstagen. Der Rennkalender war auch bei der mittlerweile 45. Auflage von Mittwoch bis Sonntag picke-packe voll. Angefangen vom „Adenauer Racing Day“ über die Rundstrecken Challenge, den „Audi Sport TT Cup“ und das „WTCC/ETCC“-Rennen bis hin zum eigentlichen Hauptevent, dem „ADAC Zurich 24Stunden-Rennen“. Das Feld der Fahrer und Automobile ist farbenprächtig wie ein bunter Hund, „Exoten“ messen sich auf der 25 Kilometer langen Rennstrecke mit alteingesessenen Privat- und renommierten Werkteams. Allen ist gemein – sie bringen Spitzenleistungen. Jeder für sich.

Jeder an seinem Platz – im Cockpit, in der Box. Jeder im Rahmen seiner finanziellen und technischen Möglichkeiten. Ob das die beiden gelben SCG003C-Traumautos, quasi Eigenkonstrukte des amerikanischen Milliardärs und Regisseurs James Glickenhaus waren, die das Qualifying gewannen und auch zu Beginn des Rennens eine tolle Rolle spielten. Ob das die „Black Falcons“ mit Vorjahressieger Marco Engel oder die bunte Mischung der „Haribo-Mercedes AMG-Racing-Teams“ waren, die grüne „Sally“ des im nahen Quiddelbach beheimateten „Ford Mustang GT“-Privatteams um Chef Stephan Wölflick, ob der bei seinem 23. Start mittlerweile „wie ein bunter Hund“ bekannte kultige Fuchsschwanz-„Manta“ oder schlussendlich das meisterliche, zwölf Spitzenfahrer umfassende Staraufgebot am Steuer der rot-weißen „Audi R8 LMS“. Nach einer teilweise dramatischen Schlussphase mit Defekt und Gewitterregen holten nach zuvor stundenlanger Führung der frühere Formel-1-Fahrer Markus Winkelhock sowie Christopher Mies, Connor De Phillippi und Kelvin van der Linde nach 2012, 2014 und 2015 schließlich doch den vierten Sieg für das werkunterstützte Ingolstädter „Audi Sport Team Land“.

Hören. Der Sound am Nürburgring ist einmalig – und das bezieht sich in diesem Falle nicht auf das nur eine Woche nach dem 24h-Rennen stattfindende Musik-Festival „Rock am Ring“. Die Fans lauschen der Musik der mehr als 160 Motoren. Wobei die Wächter dieser Bässe durchaus kritische Ohren in Richtung der Auto-Lautstärken an den Tag legen. Ein nicht immer einfach zu lösendes Problem, denn leider sind viele Fahrzeuge bei den Touristenfahrten inzwischen lauter als die Rennwagen. Und das „Um-switchen“ auf das 24h-Rennen gelingt nicht immer. So war die grüne, mit alternativem Bio-Sprit E20 angetriebene „Dodge Viper“ von Skater-Guru Titus Dittmann, der sein „grünes Biest“ in erster Linie für seine gleichnamige Jugendstiftung „skate-aid“ an den Start schickte, letztendlich um zwei Dezibel zu laut und musste deshalb von den Marshalls aus dem Rennen genommen werden. Riechen. Schmecken. „Dem verführerischen Geruch von Grillwürstchen kann man sich auch im Rennauto nicht entziehen“, sagen viele der Fahrer. Und dem Geschmack von Steaks, Bier oder anderem Hoch-, Weniger oder Null-Prozentigen, das ein großer Teil der 200.000 Zuschauer entlang der Strecke, auf den Campingplätzen, den Tribünen oder im Fahrerlager konsumiert.

Tasten. Zehntausende wollen bei der Startaufstellung ihre Traumautos einmal aus der Nähe sehen, die Fahrerlegenden und das Boliden-Blech berühren, das in der Regel schon lange keines mehr ist, sondern aus ultraleichtem Carbon besteht. Vortasten muss man sich in der Menschenmenge dabei zentimeterweise, und steht man dann vor seinem Publikumsliebling, dann ist von dem allenfalls nur ein kleiner Teil zu „ertasten“. Wie beispielsweise von Fabian Vettel, dem jüngeren Bruder des viermaligen Formel-1-Weltmeisters Sebastian Vettel. Und während „Seb“ im Fürstentum Monaco auf „Ferrari“ siegte, war der jüngste Spross der Vettel-Familie mit Vater Norbert und seinem Audi Sport TT im gleichnamigen Cup aktiv. Monaco ist geil, das 24-Stunden-Rennen in der „Grünen Hölle“ aber noch viel geiler. The taste of Nürburgring, die Emotionen sind eben einmalig, locken jedes Jahr Fahrer und Fans in Scharen in die Eifel. Ob bei Autogrammstunden oder Playstation-Contests im Ring-Boulevard, auf einem selbstgebauten Hochsitz am „Schwedenkreuz“, beim Windschattenfahren mit Höchstgeschwindigkeit auf der „Döttinger Höhe“ – Zuschauern und Piloten bleibt in diesen 24 Stunden kaum Zeit zum Durchatmen. Um 15.30 Uhr am Samstag geht die wilde Hatz los. Um 15.30 Uhr am Sonntag fahren die sich unsterblich machenden großen und danach die Finisher als kleine Sieger in den unterschiedlichsten Klassen ins Ziel – überglücklich, diese außergewöhnliche Prüfung für Mensch und Material bestanden zu haben.

Temperatursinn. Die Witterungsbedingungen in der Eifel rund um die Nürburg sind sprichwörtlich, und in aller Regel extrem. Von Schneefall und Hagel wie im vergangenen Jahr, die in der bis dato 44-jährigen Ringgeschichte aus Sicherheitsgründen erstmals eine Unterbrechung des Rennens nötig machten bis hin zu Hitzeschlachten reicht die bunte Wetterkapriolen-Palette, welche Fahrer, Zuschauer, Organisatoren, Rettungsmitarbeiter und Sicherheitsdienste gleichermaßen fordern. Nicht immer leicht, dabei einen kühlen Kopf zu bewahren. Hochsommerlich warm war es bei der diesjährigen 45. Jubiläumsauflage – bis eben rund eine halbe Stunde vor Rennende der Wettergott dann doch noch eine Gewitterfront schickte.

Schmerzempfinden. Gerade und in erster Linie bei solchen Wetterextremen wird die Leidenschaft von Fahrern und Fans auf eine harte Bewährungsprobe gestellt – doch, alte Western-Weisheit: Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Ein Nordschleifenfan schon mal gar kein Schmerzempfinden. Der hat von Shorts über Daunenjacke und Badehose bis hin zum Regencape alle Ausrüstungsgegenstände im Eifel-Koffer. Denn eine örtliche Wetter-Weisheit besagt. „Wenn du die Nürburg nicht sehen kannst, dann regnet es. Wenn du die Nürburg sehen kannst, dann regnet es bald…“ So auch in diesem Jahr.

Gleichgewichtssinn. Natürlich verfügen in erster Linie die Rennpiloten über jene – bei ihnen besonders ausgeprägte und notendige – Eigenschaft. Wenn sie in ihren fliegenden Kisten über die Nordschleife und den Grandprix-Kurs brettern, dann scheint die Gravitationskraft mitunter aufgehoben. Die Sportholzfäller von „Stihl Timbersports“, die „Red Bull“-Motorrad-Stuntmen oder die „Falken“-Drift-Taxifahrer stehen ihnen indes in Nichts nach – und für die ganz hohe Schule der Fahr- und Flugphysik.

Körperempfindung. Ästhetik pur bieten vor allem die Grid-Girls. Schönheiten, so weit das Auge reicht. Auch beim weiblichen Geschlecht – am besten in Verbindung mit dem Motorsport – spielen die Kurven von jeher eine maßgebliche Rolle, spätestens seit die Racing Queens in den 1960er Jahren in Japan „erfunden“ wurden, um die Rennfahrer vor zu viel Regen oder Sonne zu beschirmen. Sehr zur Freude der männlichen Besucher (und natürlich auch der Sponsoren) hat sich diese schöne Tradition der Grid-Girls bis heute gehalten.

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