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Alle(s) noch normal?

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Fernsehanstalten berschlagen sich mit Sondersendungen, von Chaos oder sogar einer Katastrophe ist die Rede. Doch gemeint ist in diesen Tagen nic

Fernsehanstalten berschlagen sich mit Sondersendungen, von Chaos oder sogar einer Katastrophe ist die Rede. Doch gemeint ist in diesen Tagen nicht die wirklich katastrophale Lage nach dem Jahrtausend-Erdbeben in Haiti - nein, diese Apokalypse verschwindet zunehmend aus den Schlagzeilen der Medien und somit aus dem Fokus der ffentlichkeit.

Stattdessen beschftigen wir uns lieber sensationslstern mit unserem (mehr oder weniger hausgemachten!) bundesdeutschen Schnee-Chaos, dem so genannten Jahrhundert-Winter. Aber Leute, lassen wir die Kirche doch im Dorf, auch wenn der Weg dorthin in manchen Rhn- und Vogelsberg-Gemeinden in diesen Januar- und Februarwochen etwas beschwerlicher ausfllt, ber schneebedeckte Straen, nur notdrftig gerumte Gehsteige, mitunter auch vereiste Trampelpfade fhrt. Jetzt hat es mal 30 Zentimeter geschneit - und unser gesamtes Leben scheint aus den Fugen zu geraten. Klar - wenn sich bekloppte Lkw-Fahrer mit Sommerreifen ber Autobahnsteigungsstrecken qulen und den Truck dann frher oder spter querstellen. Wenn Straenmeistereien und stdtische Bauhfe zu wenig Split und Streusalz bevorraten und Pkw und Schulbusse dann ber glatte Straen schliddern. Wenn High-Tech-Weichen der Bahn sich nicht enteisen lassen und Schneefrsen wegen jahrelanger Inaktivitt nicht funktionieren. Wenn an den freien Bauchnbeln der Teenager bei Frost die Piercings einfrieren, stckelschuhbewehrte Damen sich bei Glatteis auf den Popo setzen. Wenn sich eitle Herren in Ermangelung wrmender langer Unterhosen das Gemcht erklten. Das war frher alles ganz anders, irgendwie vollkommen normal. Da froren fast jeden Winter zur Freude vieler die Flsse und Teiche zu, Erwachsene fuhren Ski und Schlittschuh, Kinder spielten Eishockey, rodelten die Rhnhnge hinunter - und kamen doch rechtzeitig zur Arbeit, in die Schule, in den Urlaub. Da gab es noch keine Schweinegrippe, kein Stop-and-go auf dem Weg ins Bro, keine hundertfachen Flugausflle. Da zogen Pferdefuhrwerke, transportierten dann spter VW-Kfer ihre Passagiere durch meterhohe Schneewchten sicher ans Ziel. Alles funktionierte irgendwie einfacher, besser, effektiver. Nun friert und schneit es mal ein paar Jahre nicht so stark, ein gewisser Winterabgewhnungseffekt" tritt ein, Klimaforscher malen schon Szenarien wie Wstenbildung, Ananasanbau und Palmenhaine fr die Region an die Wand. Und auf diese trgerische Sicherheit einer (im-)mobilen Welt fallen dann mal wieder ein paar Schneeflocken - und das ffentliche Leben bricht total zusammen. Das eigentlich Alltgliche wird zum auergewhnlichen Schadereignis, weil offenbar die meisten von uns es nicht mehr gewohnt und im Stande sind, in der Normalitt zu leben und zu arbeiten. ______________________________________________________________Ihre Meinung? Schicken Sie mir eine Email: ehrensberger@fuldaaktuell.de

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