Alles ist tot: Teile von Geisa durch Blitzschlag lahmgelegt

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Seit vergangenen Samstag ist vor allem das Geisaer Gewerbegebiet von der Außenwelt abgeschnitten - zumindest was Telekommunikationsverbindungen betrifft.

Geisa - „Rien ne va plus“ – also „Nichts geht mehr“ – kann als Titel über dem stehen, was in Geisa vor wenigen Tagen passierte. Ein Blitz hatte am Sonntag in einen Transformator im Gewerbegebiet eingeschlagen. Doch nicht nur dort, sondern auch in anderen Teilen von Geisa ging in dieser Woche nichts mehr. „Wir sind wie von der Außenwelt abgeschnitten“, sagt Petra Andritschke, Inhaberin des Geisaer „Euronics“-Fachgeschäftes.

Weder Telefon noch Internet funktionieren. „Wir haben in unserem Geschenkeladen eine Lotto-Annahmestelle, die ebenfalls lahmgelegt ist“, fügt Diethard Andritschke hinzu. „Ein Lottokunde hat sogar gesagt, er wolle die Lottogesellschaft verklagen, wenn an diesem Samstag seine Zahlen gezogen werden und er nicht spielen konnte“, fügt Petra Andritschke schmunzelnd hinzu. „Wir haben gefühlte 1.000-mal mit der ,Telekom’ telefoniert“, erzählt Andritschke. „Es wurde uns gesagt, normalerweise wäre ein solcher Schaden innerhalb von zwei Tagen behoben. Hier ist das wohl nicht so, denn bei uns soll erst Ende der Woche wieder alles laufen“, fügt er an.

Das Ehepaar Andritschke sieht den Schaden, der als „höhere Gewalt“ eingestuft wird, als geschäftsschädigend an. „Wir haben Umsatzeinbußen zwischen 30 und 50 Prozent am Tag“, sagt Andritschke. „Wir können auch keine Bestellungen machen, alles ist tot“, fügt der Fachverkäufer Martin Kling hinzu. Die Kunden können das Fachgeschäft auch telefonisch nicht erreichen.

Auch andere Geräte betroffen

Doch als Unternehmen, das unter anderem Sat-Anlagen und TV-Geräte verkauft, wissen die Andritschkes natürlich, was der Blitz noch alles zerstört hat. „Wir hatten schon viele Kunden, die nach dem Einschlag mit TV-Geräten, Telefonen und Kaffeemaschinen, die durch die Überspannung den Geist aufgegeben haben, zu uns gekommen sind“, sagt Petra Andritschke.

Zu einigen Kunden sind die Mitarbeiter schon gefahren, um Sat-Anlagen zu überprüfen und zu reparieren. „Aber wer uns braucht, der muss zu uns kommen“, sagt Andritschke. Denn Kommunikationswege wie Telefon, Fax oder E-Mail sind blockiert. Laut Kling hat der Blitz in ein Dach ganz in der Nähe des Fachmarktes eingeschlagen. Der Transformator ist dabei zerstört worden, und selbst das Dach musste zum Teil neu gedeckt werden. Im benachbarten „REWE“-Markt soll es zu Ausfällen bei der EC-Kartenzahlung gekommen sein.

Um zukünftig manche Schäden an elektronischen Geräten zu vermeiden, empfiehlt sich ein Überspannungsschutz-Stecker. „Das ist kein Allheilmittel, aber es kann schon hilfreich sein“, sagt Andritschke.

ZWISCHENRUF

Im Klammergriff der Technik

Es ist wirklich erschreckend, wie abhängig wir heute von der Technik sind. Und der Antrieb nahezu aller Technik ist der Strom. Wenn aber durch einen Blitz in Millisekunden viel zu viel Strom durch die Leitungen fließt, dann macht das große Teile der Technik unbrauchbar. Wie jetzt in Geisa steht dann zwar nicht alles still, aber das Leben kann nicht in seinen gewohnten Bahnen ablaufen – zumindest so lange nicht, bis der Schaden repariert ist. Und das kann leider dauern.

So lange ist Geduld angesagt, und die Geschäftsleute, bei denen Kassensysteme oder Telefonverbindungen gekappt sind, müssen damit umgehen, dass weniger Kunden kommen, weniger Aufträge durch die Nicht-Erreichbarkeit eingehen und der Umsatz sinkt. Blitze sind Naturphänomene. Könnte man deren Energie einfangen und speichern, dürften einige Atomkraftwerke weniger gebaut worden sein, dürften einige Windräder weniger aufgestellt werden. Doch leider hat es noch niemand geschafft, die Energie der Blitze zu speichern und für uns nutzbar zu machen.

Bis irgendwann ein angehender Nobel-Preisträger eine solche Technik entwickelt hat, müssen wir damit leben, dass Blitze am Himmel wunderschön anzusehen sind, aber eine hohe Zerstörungskraft besitzen. Unser Maskottchen Scotty hat neulich über die Abhängigkeit von „WhatsApp“ geschrieben. Und ebenso sind wir alle von der Technik abhängig – außer, wir sind Aussteiger, die auf der Milseburg in einer Höhle wohnen, Flusswasser trinken und Baumwurzeln essen. Nein, Scherz beiseite: Ohne Technik und Strom funktioniert unser modernes Leben nicht mehr.

Wie sehr wir uns alle daran gewöhnt haben, morgens den Lichtschalter zu drücken, unsere Arbeit am Computer zu erledigen und uns nach Feierabend vom Fernseher berieseln zu lassen, fällt erst auf, wenn diese für uns selbstverständlich gewordenen Dinge nicht mehr funktionieren.  

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