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In 22 Monaten Pandemie ist Kreativität gefragt

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Von: Christopher Göbel

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Clubs und Discos wie die „Alte Piesel“ in Dirlos sind wegen der Coronapandemie wieder komplett geschlossen. Inhaber Michael Kling erzählt, wie es ihm als Betreiber damit geht.
Clubs und Discos wie die „Alte Piesel“ in Dirlos sind wegen der Coronapandemie wieder komplett geschlossen. Inhaber Michael Kling erzählt, wie es ihm als Betreiber damit geht. © Göbel

„Alte Piesel“ Inhaber Michael Kling spricht über eine schwere Zeit

Künzell. Die Coronapandemie ist inzwischen in der vierten Welle und Clubs und Diskotheken sind wieder seit Monaten geschlossen. FULDA AKTUELL sprach mit Michael Kling, dem Inhaber der „Alten Piesel“in Künzell, wie sich die Situation darstellt und was er von den kommenden Monaten erwartet.

„Die ,Piesel‘ wurde erstmals am 12. März2020 geschlossen“, so Kling. Im Sommer habe man zumindest kleine „Unplugged Konzerte“ bei freiem Eintritt durchführen können. „Leider musste unser Openair im ,Antonius Park‘ komplett absagt werden, da die Gefahr einer Infektion von Bewohnern von ,Antonius‘ einfach zu groß war“, sagt Kling.

Veranstaltungstermine habe er zunächst drei bis vier Monate nach hinten verlegt, „aber ich musste schnell einsehen, dass uns die Pandemie weitaus länger begleiten würde. Danach wurden die Termine gleich um zwölf Monate verschoben und konnten trotzdem nicht stattfinden. Man kommt sich da irgendwann vor wie in einem Hamsterrad.“ Im September und Oktober 2020 gab es ein kleines Zeitfenster in dem in der „Piesel“ mit maximal 80 Gästen Veranstaltungen stattfinden konnten. „Es hat sich aber sehr schnell herausgestellt das dies ohne Kultursubventionen nicht zu realisieren ist, weil die Kosten die Einnahmen schlichtweg übersteigen. Es ist so als würde man zur Arbeit gehen und müsste seinen Lohn mitbringen“, sagt der Club-Inhaber.

Im Sommer 2021 sei eine Openair-Veranstaltung möglich gewesen und im Biergarten konnte bewirtet werden. „Das kann aber keinen funktionierenden Club ersetzen“, so Kling. Die 2Gplus-Regelung habe der „Piesel“ dann „endgültig den Stecker gezogen“. Kling befürchtet, dass die Situation sich bis Ostern nicht verändern wird.

Um Künstler, die eigentlich in der „Piesel“ aufgetreten wären, zu unterstützen, gab es Versuche, Online-Konzerte zu veranstalten. Aber: „Der technische Aufwand ist enorm, wenn es gut werden soll. Und verdienen können wir da als Club nichts dran.“

„Wir haben hier außer meiner Frau und mir nur Aushilfen, somit mussten wir niemanden in Kurzarbeit schicken. Unsere Aushilfen sind zum Teil schon 20 Jahre dabei und machen das vor allen weil sie Spaß daran haben. Alle haben auch einen richtigen Job und waren insofern natürlich auch hier von Corona betroffen. Meine Frau Milena hat Kurzarbeitergeld bekommen. Das war eine großartige Hilfe des Sozialstaats auf den wir noch nie in unserem Leben angewiesen waren. Ich hoffe das, dass auch nach Corona wieder so sein wird“, sagt der Club-Inhaber.

Öffnung nicht sinnvoll

Unter den aktuell geltenden Regeln sei eine Öffnung derzeit nicht sinnvoll. Der On-Off-Betrieb, das ständige Verschieben von Terminen und die Rückabwicklung von Vorverkaufstickets ist laut Kling anstrengender als der Normalbetrieb, „obwohl man ja eigentlich kaum etwas wirklich bewegt“. Für April, Mai und Juni habe er daher zunächst gar nichts gebucht und werde versuchen, in diesem Zeitraum zumindest die Konzerte zu veranstalten, für die bereits ein Vorverkauf stattgefunden habe. „Außerdem gibt es einige Anfragen für private Feiern und für den Spätsommer ist unser Openair bei ,Antonius‘ für den 10. September mit ,Willy and the poor boys‘ geplant. Für den Herbst gibt es bereits ein umfangreiches Programm das dann auch hoffentlich über die Bühne geht“, so Kling. Die letzten 22 Monate mit der Pandemie hätten den Club-Betreibern einiges an Kreativität abverlangt. „Wir waren ja bis dahin gut aufgestellt und müssen uns nicht neu erfinden. Ich möchte einfach wieder so veranstalten können wie das vor Corona möglich war. Außerdem plane ich unabhängig von der Piesel eine Konzertreihe in meiner alten Heimat Freiburg“, sagt Kling.

Veranstalter und die Künstler säßen in einem Boot und seien auf eine gute Zusammenarbeit angewiesen. „Wir entscheiden immer von Fall zu Fall und natürlich gemeinsam mit den Künstlern, wie wir ein Events erfolgreich durchführen können.“ Es gebe Bands im Programm der „ Alten Piesel“, die schon seit vielen Jahren dort spielen. „Das ist dann schon etwas mehr als eine reine Geschäftsbeziehung, denke ich. Da sind auch Freundschaften entstanden und es ist selbstverständlich, dass offen und ehrlich miteinander kommuniziert wird.“

Mit Stammgästen und anderen Interessierten bleibt Kling über einen regelmäßigen Newsletter, der über www.altepiesel.de abonniert werden kann, in Kontakt. „Newsletter-Empfänger bekommen dann beispielsweise bei bestimmten Events ein Ticket-Vorkaufsrecht und natürlich alle Infos zum Programm der Piesel aus erster Hand. Wenn mich Gäste direkt anschreiben, bekommen sie in der Regel auch eine Antwort von mir persönlich zu ihrem Anliegen“, so der Club-Inhaber.

„Wir haben in den vergangenen Monaten ein großartige Wertschätzung und auch finanzielle Hilfe durch Spenden von unglaublich vielen wundervollen Menschen erhalten. Auch das hat uns die Kraft gegeben, mit der Situation fertig zu werden und nicht aufzugeben. Ich glaube das Wertvollste, das wir alle aus dieser Pandemie lernen können, ist zu erkennen, wie wichtig es ist, respektvoll und ehrlich miteinander umzugehen. Dass sich diese Erkenntnis durchsetzt, würde ich mir vor allem von der ein oder anderen Behörde wünschen, wo nach wie vor Dienst nach Vorschrift den Alltag bestimmt und nicht die katastrophale finanzielle Situation vieler gastronomischer Betriebe“, sagt Michael Kling.

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