Anklage gegen ehemaligen DRK-Buchhalter aus Nordhessen

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Schwalmstadt. Nach Unterschlagung: Pfälzer Firma MD-Medicus kann fast eine Million Euro vom DRK behalten.

Schwalmstadt / Marburg. Die Staatsanwaltschaft in Marburg erhebt Anklage wegen Unterschlagung gegen einen ehemaligen Buchhalter des DRK-Kreisverbandes Schwalm-Eder. Dies bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung der zuständige Staatsanwalt Holger Willanzheimer.

Der Fall hatte vor einem Jahr für Schlagzeilen gesorgt, nicht nur wegen der hohen

Schadenssumme von fast einer Million Euro, sondern auch weil die Ermittlungsbehörden mögliche Komplizen bei zu einem Unternehmen in Rheinland-Pfalz vermuten (wir berichteten). Dorthin floss das Geld des Rettungsdienstes mit Sitz in Schwalmstadt.

 Rechnungen ausgebucht

Dem inzwischen 65-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, über viele Jahre hinweg Rechnungen für Krankenrücktransporte an die Firma MD-Medicus in Ludwigshafen zwar gestellt, diese aber später wieder ausgebucht zu haben, obwohl diese nie beglichen wurden. Den Wirtschaftsprüfern des DRK fiel dies aber erst auf, nachdem der Mann bereits in Rente gegangen war.

Kurios: Bis heute tappt die Staatsanwaltschaft, was das Motiv für die Tat betrifft, im Dunkeln. Der Ex-Buchhalter lebt nach Ermittlerangaben weiterhin in bescheidenen Verhältnissen.

Das gab’s noch nie!

"Wir haben einen Transporter voll Unterlagen der Firma MD-Medicus gesichtet, konnten aber keine Hinweise auf einen Geldrückfluss zu dem Beschuldigten finden", räumt Willanzheimer zerknirscht ein. Er glaubt jedoch weiter an einen Mittäter. "Ein Fall von uneigennütziger Veruntreuung ist mir in meiner 20-jährigen Tätigkeit noch nicht unterkommen", betont er. Vielleicht könne ja die Gerichtsverhandlung noch etwas zu Tage bringen, so seine Hoffnung.

Trotz der dubiosen Rolle in diesem Fall sei den damals Verantwortlichen von MD-Medicus aus rein rechtlicherSicht kein Vorwurf zu machen, erklärt Willanzheimer. "Gesetzlich ist niemand gezwungen, darauf zu bestehen, dass er seine Rechnungen zahlen muss." Auf denen bleibt nun das DRK in Schwalmstadt sitzen: Wegen der Verjährungsfristen muss der Kreisverband nach Angaben von Geschäftsführer Manfred Lau rund 700.000 Euro abschreiben.

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